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Pilgern auf der Via Baltica

Was hat es mit der Muschel auf sich?
Pilgern ist eine lange Tradition, die fast jede Religion kennt.

 

Muslime pilgern nach Mekka zur Kaaba, indische Hindus gehen zu den heiligen Flüssen, tibetische Buddhisten umkreisen den heiligen Berg Kalash, die Aborigines in Australien wandern zum Ayers Rock, dem riesigen roten Stein in der Wüste und Juden pilgern nach Jerusalem zum Felsendom.  Das Hauptziel der Christen war zu Zeiten von Martin Luther noch Rom. Wallfahrten wurden aber oft auch zu den Wirkungsstätten bestimmter Heiliger unternommen, dem Marienwallfahrtsort Lourdes in Frankreich zum Beispiel.
In der Neuzeit hat aber Santiago de Compostella mit dem Jakobsweg die bedeutendste Rolle übernommen.
Das Zeichen für den Jakobsweg ist die Pilgermuschel geworden. Entstanden durch die Legenden um den Heiligen Jakobus, dem ersten Apostel, der den Märtyrertod starb. Jakobus, im spanischen heisst er Santiago, reiste auf die iberische Halbinsel um dort zu missionieren. Als er von dort nach Jerusalem zurückkehrte ließ Herodes Agrippa I. ihn 44 n.Chr. hinrichten. Seine sterblichen Überreste trieben in einem führerlosen Boot bis nach Galicien, ans Ende der Welt (Finis Terrae), wo seine Anhänger ihn bestatteten. Von einem Einsiedler wurde das Grab 813 entdeckt, ein Stern soll ihn dahin geführt haben. Der örtliche Bischof ließ über das Grab dann eine Kirche bauen. So erklärt sich auch der Namensanhang „de Compostella“, was oft als Sternenfeld übersetzt wird.
Die Jakobsmuschel wird seit dem  12. Jhdt. getragen: Ein Ritter soll seinerzeit dem Schiff mit der Leiche von Jakob entgegengeeilt sein, fiel ins Wasser und kam mit Muscheln übersät unversehrt wieder an Land. Die Muschel gilt deshalb als Symbol der Rettung eines Ertrinkenden durch den Geist von Jakob. In den mittelalterlichen Darstellungen trug Jakob solch eine Muschel am Hut oder am Gürtel. Die Pilger schöpften damit auch Trinkwasser während ihrer Reise.
Heutzutage setzen auch noch einige Pilger, die den Dom in Santiago mit den Gebeinen besucht haben ihre Wanderschaft fort und gehen zur nahen Küste oder dem 60 km entfernten zum Cap Finisterre um sich eine der hier vorkommenden Großen Pilgermuscheln (Pecten maximus) als Souvenir mitzunehmen.
900 n. Chr. wurde Santiago dann Bischofssitz und unter der geschickten Politik des Bischofs nahm der Pilgerkult internationale Dimensionen an. 1879 sollen die Reliquien des heiligen Jakobus wiederentdeckt worden sein und der damalige Papst Leon XIII. bestätigte die Echtheit, so dass die Pilgerzahlen weiter zunahmen. Ein Jahr gilt auch immer als „heilig“ , wenn der 25. Juli, der Namenstag von Jakobus auf einen Sonntag fällt. Dann steigen die Pilgerzahlen ebenfalls an. So war es auch 1993, als Papst Johannes Paul II. die Puerta Santa der Kathedrale öffnete. In dem Jahr zählte man 8 Mio. Besucher. Offiziell wird eine Pilgerschaft anerkannt, wenn die letzten 100 km vor Santiago zu Fuß oder die letzten 200 km mit dem Fahrrad oder auf einem Pferd zurückgelegt wurden.
Hierfür sammelt man dann Stempel in einem Pilgerausweis. Die erste Beschreibung des letzten Teilstückes des Jakobsweges stammt aus dem Jahr 1047, dieser Weg ist mittlerweile UNESCO-Welterbe. Sternförmig enden viele Zuwege am Ausgangspunkt in den Pyrenäen. So registriert zählte man 2010 über 272.000 Wallfahrer.
In Norddeutschland zählt man ca. 1500 km zu den Jakobswegen. Hinter unserem Haus verläuft der Via Baltica. Von Usedom kommend über Hamburg und Bremen geht es bis in die Pyrenäen.

Unser Tipp: Erleben Sie ein Stück Pilgerkultur die Via Baltica entlang von Lübeck über Klein Wesenberg, dort gibt es eine Pilgerherberge über Reinfeld, dem Sitz des früher mächtigen Zistersienser-Klosters. An das Kloster erinnert hier aber kaum noch etwas. Überbleibsel der damaligen Mönche ist aber noch die Karpfenzucht. Alljährlich findet deshalb das Karpfenfest hier statt. Weiter bis Bad Oldesloe durch die Salzwiesen der Trave, dem Brenner Moor zum Kloster Nütschau, auch einer Einkehrmöglichkeit für Pilger.

Literatur: Sehr bekannt geworden ist die Pilgerkultur durch Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“, erschienen im Piper Verlag, München.
Der Via Baltica für Fußgänger und Radfahrer ist schön beschrieben im Outdoorhandbuch Band 262 Der Weg ist das Ziel, Gisela Johannßen, erschienen im Conrad Stein-Verlag. Die norddeutschen Belange erfährt man außerdem schön unter www.jakobswege-norddeutschland.de

 

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