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Mehr Geschichte geht wohl kaum - Waldhusen bei Lübeck

Sie wollen ihren Kindern zeigen, wie man früher auch ohne Internet-Anschluss und ohne PC oder Fernsehen den Tag verbringen konnte, wie man gewohnt hat und wie man sich beerdigt hat, vielleicht wollen Sie ihnen auch ein trendiges Stonehenge-Erlebnis ermöglichen? Dann empfiehlt der Trave-Streifzug einen Spaziergang durch den Waldhusener Forst und Pöppendorf.

Um das 5./6.Jahrhundert herum war der Raum hier nicht besiedelt, viel früher davor wiederum schon. Jedenfalls im 7. Jahrhundert rückten slawische Stämme von Osten her hier ein. Von hier bis in das Ostholsteiner Gebiet hinein waren es die Wagrier. Diese errichteten mehrere Wehranlagen, die mächtigste erhaltene ist der „Pöppendorfer Ringwall“, ein künstlicher Wall, befestigt mit mächtigen Holzkonstruktionen, bis zu 12 Metern hoch und 35 Metern breit. Durchmesser ungefähr 100 Meter. Dieser Wall wurde vermutlich um das Jahr 1000 wieder verlassen, die Menschen zogen vermutlich in die Burg Liubice, dem Vorläufer Lübecks. Die meisten Infos findet man links und rechts des Weges auf ausführlichen Tafeln, sie brauchen sich also nicht zu merken, was hier alles steht.

Ringwall
Ringwall


In einer Siedlung 100 bis 200 Meter vom Wall entfernt, die Gegend nennt man den Os (das kommt von Oser oder Schwedisch as = Hügel), werden wohl rechteckige, einräumige Grubenhäuser aus Flechtwerk gestanden haben, mit lehmverputzten Wänden, nach dem 10. Jahrhundert abgelöst durch Blockhäuser, die ebenerdig gebaut wurden. Also nicht ganz so bequem wie heutzutage in den meisten Kinderzimmern.

Mit etwas Neugier findet man heraus welches Getreide hier angebaut wurde und welchen Berufen nachgegangen wurde. Auch Händler müssen hier wohl durchgekommen sein, gezahlt wurde aber nicht mit EC-Card, selbst nicht einmal in Münzform, sondern mit „Hacksilber“. Alle Erkenntnisse haben Grabungen erbracht.
700 Meter südlich des Ringwalles befinden sich 18 Grabhügel. Diese Gegend wird der „Pöppendorfer Hals“ genannt. Die Slawen sollen ihre Toten normalerweise in Urnen beigesetzt haben, später, vielleicht durch den Kontakt zu Wikingern kamen die Hügelgräber in Mode. In dieser Gegend gab es auch Funde aus der Bronzezeit. Der überwältigendste Fund war ohne Zweifel  eine sog. Holsteiner Kammer, das „Pöppendorfer Großsteingrab“, ausgegraben 1843.
Damit man sich zurechtfinden kann wurde ein Wanderweg von 5,5 km Länge angelegt. Ein gemächlicher Spaziergang abseits der Hektik unserer Tage erfordert dann 90 Minuten.
Möchten Sie mit den Kids auch andere Teile unserer Geschichte erleben lohnt sich der Weg zu Tafel 21.

Waldhusen
Waldhusen

Letzte erkennbare Reste eines Lagers sind zwei Waldparkplätze, auf einem lässt sich wunderbar auch vor Regen geschützt picknicken, einige unscheinbare Fundamentreste und nur dem geübten Auge erkennbare Latrinengruben.
Nach der unsäglichen Zeit wurde das Lager (Pöppendorf Camp) hier am 20.7.1945 eingerichtet, diente zunächst noch als Zeltlager 78.500 ehemals in Norwegen stationierten Wehrmachtsangehörigen als Unterkunft und wurde dann zum Flüchtlingslager umgewidmet. Bis zum Januar 53 bot es ca. 475.000 Flüchtlingen eine kurzzeitige Aufenthaltsmöglichkeit. Dann wurden ca. 40.000 aus französischer, amerikanischer und englischer Kriegsgefangenschaft entlassene Soldaten untergebracht. Eine Zeit lang, nämlich vom September bis zum November 47 erfolgte hier die britische Internierung von 4300 Juden von der bei Zypern aufgebrachten „Exodus“.
Nach spannenden und in der Natur erholsamen Minuten gibt es die Einkehrmöglichkeit im Restaurant-Hotel-Cafe-Biergarten Waldhusen, Waldhusener Weg 22 (www.waldhusen.de).
Die nächste Bushaltestelle von hier ist in Kücknitz (Linie 31) ca. 200 Meter entfernt.
Das Pöppendorfer Großsteingrab  oder auch Waldhusener Großsteingrab) ist ein Dolmengrab in der Nähe.

Hünengrab
Hünengrab

Ursprünglich lag Erde darüber, die wurde aber 1844 abgetragen. Zwischen den Steinen nahm man auch Mauerwek weg. Gebaut worden ist die Anlage wahrscheinlich in der Jungsteinzeit, also vor 5 bis 6.000 Jahren.
Das in Nord-Süd-Richtung errichte Großsteingrab hat eine Länge von etwa sechs Meter und mit dem vorspringenden Eingang eine Breite von etwa 3,70 Meter. Der Innenraum ist etwa vier Meter lang, etwa 1,70 breit und etwa 1,50 Meter hoch.
Das eigentliche Grab besteht aus großen Findlingen. Zwölf Trägersteine und vier Decksteine sind es genau. Zehn Trägersteine und drei große Decksteine bilden die Kammer, zwei Trägersteine und ein kleinerer Deckstein bilden den Eingang auf der südlichen Seite. Einer der Trägersteine weist zwei behauene Seiten auf. Der ist auch neueren Datums.
Die sog. "Holsteiner Kammer kann man vom Eingang, der befindet sich rechts im Süden auf der westlichen Längsseite, betreten.
In einem Abstand von etwa 3,5 Meter um das Großsteingrab befindet sich ein Kreis aus 59 kleinen Findlingen, die die ursprüngliche Größe des Erdhügels darstellen sollen.
Der Hügel wurde genauer untersucht, man fand auch Spuren bronzezeitlicher und slawischer (Nach-)Bestattungen.


Der Erlebnisbauernhof von Karls in Warnsdorf ist es auch nur einige Minuten entfernt.

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