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Die Bursprake in Lübeck - Anwesenheit war Pflicht

Zuhören war Bürgerpflicht, wenn der Rat der Hansestadt zur Bursprake rief.  Ursprünglich war sie eine Art Bürgerversammlung mit Beschlussrecht. Je stärker das Entscheidungsrecht jedoch auf den Rat der Stadt überging., desto mehr entwickelte sich die Bursprake zum Forum, auf dem Beschlüsse des Rates verkündet oder ins Gedächtnis gerufen wurden. 

Viermal im Jahr kamen die Bürger zur Bursprake zusammen. Am 22. Februar (Cathedra Petri), 1. Mai (Jacobi), 11. November (Martini) und 21. Dezember (Thomae). Diese Termine standen fest. Bei Bedarf wurden jedoch auch Burspraken außerhalb der Reihe angesetzt. 
Mit Bursprake, auch Buursprache, Bürgersprache und Bauersprache, bezeichnete man im Spätmittelalter in verschiedenen norddeutschen Städten mit Schwerpunkt Mecklenburg, in einigen Städten Brandenburgs und Westfalens sowie im livländischen Riga entweder eine Ratsversammlung, auf der Verordnungen beschlossen wurden, oder wie in Lübeck und Bremen eine Bürgerversammlung, auf der Beschlüsse des Rates den Bürgern vorgetragen wurde. 

Busprake von 1491

Neben den Stadtrechten und Rezessen war die Bursprake das dritte Element der städtischen Rechtsordnung, die als Teil der bürgerlichen Selbstverwaltung angesehen werden kann. Die Beschlüsse der Hansetage wurden ebenfalls durch Burspraken, meist mit lokalen Ergänzungen, bekannt gemacht.
Die ersten Burspraken fanden auf dem Markt statt, später vor dem Rathaus oder in der Marienkirche, meist mittags gegen 12 Uhr, wenn die Ratssitzung beendet war. Dann riefen die Sturmglocken von St. Marien und St. Petri die Bürger und Einwohner der Stadt herbei. Die Teilnahme an der Bursprake war Pflicht. Doch Bürger mussten nicht nur zuhören, sie konnten auch Fragen stellen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich dieses Zeremoniell. Beim Läuten der Glocken traten die Ratsherren paarweise aus dem Audienzsaal.  Sie stiegen die steinerne Treppe hinauf zur Galerie. Oben erwartete sie der Frohnmeister, der sie mit den Worten empfing: 
„Tredet negher myne Herren, tredet negher myne hochgebedende Herren.“
Die auf der Galerie stehenden Ratsherren präsentierten sich der versammelten Menge. Mit zwei mächtigen Keulenschlägen auf ein Brett sorgte der Frohnknecht für Ruhe im Volk. Dann verlas der Bürgermeister die gefassten Beschlüsse. 
Die Texte müssen den Bürgern teilweise bekannt erschienen sein, denn häufig wurde auf frühere Formulierungen zurückgegriffen. Da die ersten Burspraken jedoch fast nur mündlich gehalten wurden, sind Niederschriften , zumindest die älteren ziemlich rar, sie wurden erst ab dem 15. Jahrhundert systematisch gesammelt.
Die obige ist im Holstentormuseum zu studieren und ausgestellt.


Rauhe Sitten (übersetzt):

Text obiger Bursprake 
De bursprake to sunte Jacobes daghe
Die Bursprake zum Tage des heiligen Jakob
25. Juli, vor 1421

Wenn – gelobet sei Gott – ausgereiftes Getreide auf dem Felde zu sehen ist, dann gebieten die Herren des Ehrbaren Rates den Männern, die keiner Tätigkeit nachgehen, sich aus der Stadt zu begeben und dabei zu helfen, dass das Korn eingebracht werde, fänden sie nämlich Männer von der Art in der Stadt, würde man sie vom Büttel mit Gewalt hinaustreiben.
Des weiteren: Wenn großer Schaden angerichtet wird, in den Gärten außerhalb der Stadt, auf den Wiesen und am Getreide auf dem Felde, dann gebieten die oben genannten Herren und ermahnen einen jeden dringlich, sich vor dem Frevel zu hüten, denn wenn jemand dabei aufgegriffen wird, der da Schaden anrichtet, den wollen sie wie beim Diebstahl mit dem Tode bestrafen. 





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