Die Stockelsdorfer Fayencen und der Lübecker Ofenstreit

Die Manufaktur Stockelsdorf bei Lübeck, gegründet von Georg Nicolaus Lübbers 1771, produziert zwischen 1772 und 1786 hochwertige Fayencen. Kunstgewerbemuseen in Kopenhagen, Wien, London und New York zählen Stockelsdorfer Fayenceöfen zu ihren Glanzstücken. Drei Künstler arbeiten dort noch nach barocken Formen und Dekoren. Doch die Nachfrage sinkt, während die Begeisterung für die vermeintlich weiße Antike wächst.
Johann Georg Buchwald (* 22. August 1723 in Teplitz, Böhmen; † November 1806 in Schwartau) gehört zu den bedeutendsten deutschen Fayencemodelleuren. Als er 1757 nach Stralsund kommt, beginnt für die Fayence im Ostseeraum die eigentliche Blütezeit. 

Fayence-OfenFayence-Ofen Sonderausstellung 825 Jahre Lübeck

Nach weiteren Schaffensjahren in Eckernförde wird Buchwald 1771 Direktor der Stockelsdorfer Manufaktur, von einem unbändigen Unternehmergeist beseelt.

Ihn begleitet der begabte Fayencemaler Abraham Leihammer nach Stockelsdorf. Höchst qualitätsvolle Werke sind von ihm erhalten. Sein Talent entfaltet sich im Bereich der Figurenerfindung. Leihammer arbeitet nur kurz in Stockelsdorf. Er stirbt im Alter von 26 Jahren, vermutlich an den Folgen giftiger Schwermetallausdünstungen aus den Farben und Bleiglasuren. Der zweite Maler von Rang in Stockelsdorf ist Johann Adler .
Georg Nicolaus Lübbers ließ dann auch das Herrenhaus Stockelsdorf errichten.

In einem mecklenburgischen Gutshaus hat dieser Stockelsdorfer Ofen für Wärme gesorgt, ehe er wieder nach Lübeck zurückkehrte. 


Stockelsdorfer FayenceStockelsdorfer Fayence-Ofen Foto: 2009 Oxygen80

Heute steht er im St.-Annen-Museum als Beispiel für die hohe künstlerische Qualität der Öfen aus der Stockelsdorfer Manufaktur zwischen 1772 und 1786. Sehr zum Unwillen der Lübecker Töpfer, die gegenüber der verfeinerten Technologie der "Fabriques" genannten Manufakturen nicht mehr konkurrenzfähig waren. Die Töpfer versuchten, die Aufstellung der Öfen in der Stadt zu verhindern. Bereits 1763 hatte der "Lübecker Ofenstreit" für Aufregung gesorgt. Zwei Gesellen hatten einen Ofen in der Wohnung eines Bürgers zerschlagen, weil er nicht vom Amt, sondern von dem Stockelsdorfer Peter Graff gesetzt worden war. Als die Gesellen zu einem Jahr Zuchthaus bzw. einem halben Jahr Gefängnis verurteilt wurden, traten die Gesellen der anderen Ämter aus Solidarität in den Ausstand. Der Rat setzte das Militär in Alarmbereitschaft.









 

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