A-Z

Ein nackter Frauenpo sorgt für Bestseller im Mittelalter

Wenn es früher schon so etwas wie eine Spiegel-Bestsellerliste gegeben hätte, er wäre sicherlich lange unter den Top-Ten bei den Sachbüchern zu finden gewesen.

Es war Johann Heinrich Meibom (* 27. August 1590 in Helmstedt), der zunächst in Helmstedt studierte, praktizierte und Professor der Medizin war. Wegen des dreißigjährigen Krieges verließ er 1625 Helmstedt und wurde Arzt in Lübeck und erster Stadtarzt sowie auch Leibarzt des Fürstbischofs von Lübeck Johann X.
1629 gab er seine Professur auf, verfasste aber zahlreiche medizinische und auch historisch-philologische Werke.
Dabei interessierte ihn auch eine bestimmte Praxis, die Flagellation, das Auspeitschen. Flagellation kommt vom lateinischen flagellum Geißel.
Wikipedia beschreibt dies als Schläge mit einer Peitsche, einer Rute oder einem Rohrstock. Praktiziert wird bzw. wurde die Flagellation sowohl im Kontext der Religion, als Strafe (in Erziehung und Rechtspflege) sowie als Spielart der Sexualität.
Eine schwächere, weniger auf körperlichen Lustschmerz als auf sexuelle Dominanz und erotische Rollen- und Erziehungsspiele angelegte Form des Flagellantismus ist das sogenannte Spanking.
Meibom nannte sein Sachbuch 

Epistel über die Nützlichkeit der Geißelhiebe beim Liebesspiel.

Titelblatt der Ausgabe von 1718 By unknown engraver [Public domain], via Wikimedia Commons

Dieser medizinischen Würdigung der Flagellation fügte er ein Supplement hinzu, das sich ausschließlich mit der englischen Flagellanten-Literatur befasst.
Meibom verfasste weitere zahlreiche medizinische und auch historisch-philologische Werke, aber dieses besondere Werk  entwickelte sich zum „Bestseller“; es wurde in mehrere Sprachen übersetzt und bis in das 19. Jahrhundert hinein neu aufgelegt.
Bis zu seinem Tod am 16. Mai 1655 in Lübeck praktizierte er hier als Medicus. Zu seinem Nachfolger als Stadtmedicus wurde vom Rat sein aus Mecklenburg stammender Kollege Paul Neucrantz bestellt.

Sein Sohn Heinrich Meibom wurde ebenfalls ein bedeutender Mediziner. 
Im Lübecker St.-Annen-Museum für Kunst und Kulturgeschichte befindet sich ein Bildnis von Johann Heinrich Meibom.
 

Kaak


 

Hier geht es zur Datenschutzerklärung.

Wir verwenden Google analytics.