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Der Kaak auf dem Lübecker Kohlmarkt

Dieses eigentümliche Gebäude ist der Pranger von Lübeck, niederdeutsch Kaak genannt, aus dem Mittelalter. Dieser Bau ist in Teilen gotischen Ursprungs. Seit dem 13. Jahrhundert wurden Bauwerke auf dem Lübecker Markt so bezeichnet. 

Der Markt wurde mehrfach umgebaut, vom ersten Kaak weiß man seit 1294. Er stand auf der Westseite des Markts. 1465 berichtet man von einer Umsetzung und einem Umbau. Das Obergeschoss, der Finkenbauer wurde auf eine unterkellerte Butterbude gesetzt. Die Butterbude sollte zwölf Verkaufsstände beherbergen.

Kaak auf dem Lübecker Markt
Kaak auf dem Lübecker Markt

Ein zweiter Kaak wurde 1579 zusätzlich zum ersten nördlich davon errichtet. Dieser bestand aus einer Säule, auf der sich eine bekrönte Figur befunden haben soll. Diese stand auf einer sechseckigen Plattform.
Es kam danach immer wieder zu Umbauten, es blieb aber beim Finkenbauer. Die Funktion als Pranger verloren die Aufbauten nach der Einführung der französischen Gerichtsbarkeit, diese Teile wurden 1811 abgebrochen. Die Butterbude wurde als solche bis 1784 genutzt. Eine wirkliche Funktion hatte er dann nicht mehr. So etwas wie Denkmalschutz kannte man früher auch noch nicht. 1975 besaß die Mehrzahl der Länder in der Bundesrepublik Deutschland noch keine gesetzliche Regelung für den Denkmalschutz. Erst in diesem Jahr, dem  Europäischen Denkmalschutzjahr 1975, kam es zu bundeseinheitlichen Regelungen, gleichzeitig auch in der damaligen DDR.
1870 überlegte man in Lübeck aber noch. Der Bürgerausschuss befand, man habe „doch schon altertümliches Steingerümpel zur Genüge“ in der Stadt und forderte den Abriss des Kaaks.
Aber dazu kam es nicht, auf Fotos von den 1920er Jahren war er noch zu sehen. Darauf war ein geschlossenes Backsteingebäude mit schrägem Ziegeldach und Fenstern in gotisch anmutender Form.
Der Luftangriff vom Palmsonntag 1942 traf die Innenstadt besonders. Einige Kulturdenkmale wie z.B. die Kriegsstube im Rathaus fielen ihm zum Opfer. Weite Bereiche mit historischer Bausubstanz wurden zerstört, der Kaak überstand dies aber, in den Jahren nach dem Krieg agierte ein Reisebüro darin.
In den 1950er-Jahren wurde der Kohlmarkt dann umgestaltet, der Markt wurde verkleinert, das ganze Areal aber um zwölf Meter verbreitert und Parkplätze geschaffen. Der Kaak wurde 1952 auf Beschluss der Bürgerschaft abgetragen; die Bauteile wurden eingelagert.
Einige Lübecker fanden sich dann in den 1970er-Jahren zusammen, gründeten den Verein „Wiederaufbau des Lübecker Kaaks“ und machten Vorschläge. Eine  „anspruchsvolle Stehbierhalle“ oder eine „historische Bratwurstbude“ könne man sich vorstellen.
Jedenfalls wurden 200.000 Mark an Spenden gesammelt, 80.000 Mark kamen aus öffentlichen Mitteln hinzu und der Wiederaufbau konnte beginnen. Die erhalten gebliebenen gotischen Bauteile wurden nördlich des letzten Standorts neu errichtet. Der Finkenbauer wurde auf eine offene Halle aus sechs Beton- und 16 Holzständern gesetzt. Das Obergeschoss erhielt ein Metalldach, der Finkenbauer wurde mit Ziegeln gedeckt. Es dauerte noch etliche Monate bis der Kaak offiziell an die Stadt übergeben werden konnte. Das passierte im Mai 1987.
Einmal plante man noch einen Umbau mit Glaswänden, so dass man ihn als Cafe oder Bistro nutzen könnte. Aber da sich kein geeigneter Betreiber fand lies man es lieber.
Im Augenblick wird an Markttagen oder beim historischen Markt Anno Dazumal in passenden Gewändern wird hier Obst und Gemüse feilgeboten, während des Weihnachtsmarktes wird hier Punsch ausgeschenkt.

 
 

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