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Ratsherren und Bürgermeister von Lübeck

Die Gemeindevertretung von Lübeck ist die Bürgerschaft. Die Bürgerschaft wird frei gewählt und ist als Gemeindevertretung mit zur Zeit (2018) 50 Mitgliedern für alle wichtigen Angelegenheiten der Hansestadt Lübeck zuständig. Aus Ihrer Mitte wird das höchste politische Amt des Stadtpräsidenten gewählt.

Anders der Bürgermeister. Er wird  direkt gewählt und leitet die Verwaltung. Und die Minister nennen sich in Lübeck Senatoren.

Im Mittelalter war dies noch anders und der Bürgermeister war wohl der mächtigste, einflussreichste Mensch in Nordeuropa. Der erste bekannte Lübecker Bürgermeister war Giselbert von Warendorf (* um 1140; † nach 1201).Die Zahl der städtischen Würdenträger war unterschiedlich. 32 nennt die Chronik im Jahr 1301. Die Berufung in den Rat der Stadt war seit jeher eine große Ehre, aber sie brachte auch viel Mühe und Arbeit mit sich. Im Mittelalter dauerte die Amtsperiode drei Jahre. Zwei davon musste der Ratsherr aktiv die Geschicke der Stadt lenken, das dritte durfte er pausieren und sich ganz seinen eigenen Geschäften widmen. So war das Gremium unterteilt in den Sitzenden, den aktiven Rat und den Alten Rat, der nur bei besonders wichtigen Entscheidungen an den Versammlungen teilnehmen musste.Nach diesem Freijahr konnte der Ratsherr wiedergewählt werden, wenn er sich in den Augen der anderen bewährt hatte. Die Neuwahlen fanden einmal im Jahr am 22. Februar statt.Ohne dass es ausdrücklich so festgelegt worden wäre, bürgerte es sich ein, nur Großkaufleute und unter ihnen die angesehensten in den Rat zu wählen. Im 14. Jahrhundert ging man dazu über, die Mitglieder auf Lebzeiten zu berufen. Um einer Vetternwirtschaft vorzubeugen, durften Verwandte ersten Grades nicht gemeinsam dem Rat angehören. Wer aber die Tochter eines Ratsherren heiratete, hatte die allerbesten Chancen, in dieses einflussreiche Gremium aufzusteigen. Für ihre Arbeit erhielten die ersten Männer der Stadt Aufwandsentschädigungen in Form von Geld oder Naturalien wie Fische, Fleisch, Gewürze, Butter und Holz zum Brennen. Nach ihren Sitzungen durften sie sich kostenlos an Wein laben. Es gab auch Festgelage für die Ratsherren, aber viel wichtiger als diese Privilegien war der Einfluss, den sie genossen und der sich natürlich gewinnbringend auf ihre Geschäfte auswirkte. Aus ihrer Mitte heraus bestimmten die Ratsherren auch die wichtigsten Männer der Stadt, die Bürgermeister, ursprünglich zwei, die sich die Amtsgeschäfte teilten, und später sogar vier. Im 15. Jahrhundert hatte sich in Lübeck ein Patriziat gebildet, das alle Ämter im Rat besetzte. Es waren die alteingesessenen Familien der Stadt, die Warendorps, Lüneburgs, Wickedes, die Stitens, Kerkrings, Calvens und Darsows. Durch Heirat kamen Neubürger wie Plönnies, Warmböke, Wibbeking und Bardewik hinzu. Jahrhundertelang änderte sich kaum etwas daran. Obwohl die einfachen Bewohner seit dem Bürgerrezess von 1669 das Recht hatten, Kollegien als ihre Interessenvertretung zu bilden., blieb die eigentliche Macht bei den Patriziern. Zu einer Einschneidenden Reform der Verfassung kam es am 8. April 1848. Die Kollegienverfassung wurde aufgehoben und eine Bürgerschaft ins Leben gerufen, die nach Ständen gegliedert war. Das Recht des Rates, sich selbst zu ergänzen erlosch. Statt dessen sollte nun die Bürgerschaft bei den Wahlen mitwirken. Der Rat wurde umbenannt in Senat. Damit hatte Lübeck seine uralte Verfassung, eine beengende Schnürbrust, mit heroischer Kraft von sich geworfen, wie es Bremens Bürgermeister Johann Smidt bewegt ausdrückte.     Nach außen hin trugen die Ratsherren stets edles Tuch, eine ganz besondere Tracht, ein Exemplar davon wird im Holstentormuseum gezeigt. Dieses Exemplar entspricht der Tracht, der Amtsrobe die anlässlich des 100.ten Jahrestages der Völkerschlacht von Leipzig von der Lübecker Abordnung getragen worden sein soll.Besonders schön die Schuhe.

Ratsherrenschuhe
Ratsherrenschuhe

Und noch ein anderes Accessoire ist besonders erwähnenswert, der Mühlsteinkragen oder auch Hamburger Halskrause oder Dutten- oder Pfeifenkragen genannt.
Eine solche Halskrause erfüllte zwei Aufgaben: Sie war äußerlicher Ausdruck von Würde und Stand, aber auch in einer Zeit, in der die vornehmen Herren Perücken trugen oder der Stand, männlich wie weiblich, ihre Frisuren intensiv puderten, diente die Halskrause dem Zweck die kostbaren Gewänder vor dem Puder zu schützen. 
Solche Halskrausen waren seit dem 16. Jahrhundert Teil der Standes- und Ausgehkleidung der gehobenen Kreise in Europa.  Von Spanien verbreitete sie sich über die Niederlande bis nach Deutschland. 
Eine weiße Halskrause war noch bis vor 100 Jahren die Amtstracht von Professoren, Bürgermeistern und Senatoren. 
Der zweiteilige schwarze Ornat mit der Halskrause wurde unter dem Einfluss der Aufklärung insbesondere in den Hansestädten wie Hamburg, Lübeck, Wismar und Stralsund auch zur gottesdienstlichen Gewandung der Geistlichen. 

Seit mehr als 400 Jahren tragen evangelische Pastoren in den Hansestädten zum Talar eine weiße Halskrause aus Leinen oder Baumwolle. Drei bis Vier Stunden benötigt man um die 200 Schleifen mit einem heißen Metallstab zu "tollen", dies ist der  alte Fachausdruck für das Formen der gestärkten, feuchten Halskrausen. 

Dieter Döring Moisling

Hier ist Pastor Dieter Döring zu sehen. Das Foto entstand zu seiner ersten Konfirmation in der Johann-Hinrich-Wichern-Gemeinde, Lübeck-Moisling am 9.5.1970. Kontrovers wurde damals diskutiert, ob seine Haartracht auch zum Pfeifenkragen passen würde.

Karpfenfest

 

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