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Lübecks Stadtteil Moisling und sein jüdischer Friedhof 

Der Stadtteil Moisling liegt zwischen der Trave und dem in diese einmündenden Elbe-Lübeck-Kanal im Südwesten der Stadt und grenzt an die Kreise Herzogtum Lauenburg und Stormarn mit Wesenberg und Hamberge.

Er wird von der A 20 durchschnitten. Ein Tunnel, in dem die A 20 unter der Niendorfer Straße bzw. Niendorfer Hauptstraße durchgeführt wird, bildet die Grenze zwischen den Stadtbezirken Moisling und Niendorf. Der Stadtteil selbst hat keine direkte Autobahnanbindung. Die Autobahnzufahrt zur A 1 heißt zwar Lübeck-Moisling befindet sich aber im Stadtteil Lübeck-Buntekuh.

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Nichts erinnert mehr heute an die jüdische Vergangenheit bis auf den jüdischen Friedhof.
Er gilt als größter Friedhof in Schleswig-Holstein. 1656 ließen sich die ersten Juden im damaligen Gutsdorf Moisling nieder. Sie bekamen in Lübeck kein Aufenthaltsrecht. Der Besitzer von Moisling, Gotthard von Höveln (* 21. Oktober 1603 in Lübeck; † 14. Februar 1671 in Glückstadt) war Bürgermeister der Hansestadt Lübeck. Er stellte 1667 sein Gut Moisling unter dänischen Schutz und wurde holsteinischer Vizekanzler in Glückstadt. Der Jüdische Friedhof an der Niendorfer Straße wurde im 17. Jahrhundert angelegt und 1861 erweitert. Er hat eine Fläche von fast einem Hektar und ist mit einer hohen Backsteinmauer umfriedet. Die ältesten erhaltenen Grabsteine (Mazewot) stammen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Seit 1727 befand sich hier auch die erste Synagoge auf dem heutigen Gebiet der Stadt Lübeck.
1945 wurden hier etwa 80 Überlebende des Konzentrationslagers Bergen-Belsen bestattet, die auf dem Weg nach Schweden in Lübeck verstarben (Rettungsaktion der Weißen Busse). Drei Grabstellen sind als Exodus-Kind ohne Namen gekennzeichnet. In ihnen wurden bei oder kurz nach der Geburt verstorbene Kinder aus der Gruppe der Passagiere der Exodus bestattet, als diese im Zuge der Operation Oasis vom 7. September bis 29. Oktober 1947 in den Lübeckern Lagern Pöppendorf und Am Stau untergebracht waren. Auf dem „Moislinger Friedhof“ erinnern eine Gedenktafel und Grabsteine an 38 unbekannte Juden, die im Zusammenhang mit der Bombardierung der Cap Arcona starben.

Bestattet wurden hier unter anderem noch Angehörige der Lübecker Rabbinerfamilie Carlebach:
Rabbiner Dr. Salomon Carlebach
Esther Carlebach
Rabbiner Alexander Carlebach
Rabbiner Dr. David Carlebach
Alexander Sussmann Adler
Dieser war ein Sohn des Händlers Samson Adler und seiner Frau Miriam, geb. Fränkel. Er besuchte die Schule in Schwebheim, erhielt in Neuhaus bei Bad Kissingen Privatunterricht im Talmud und besuchte dann das Gymnasium Ludovicianum in Schweinfurt, das er 1839 mit dem Abitur verließ. Ab Oktober 1839 studierte er an der Universität Würzburg Philologie und jüdische Theologie. Zugleich war er Tutor an der Jeschiwa von Seligmann Bär Bamberger und ab 1842 Hauslehrer bei Samuel Frank. 1848 legte er die Staatsprüfung in Würzburg mit Auszeichnung ab und erhielt seine Rabbinatsdiplome durch die Rabbiner Abrahman Wechsler in Schwabach und Hayum Schwarz in Hürben.
Adler kam nach Norddeutschland, zunächst nach Altona, und 1849 in die jüdische Gemeinde in Lübeck-Moisling als Prediger und Assistent des seit 1825 in Moisling amtierenden Rabbiners Ephraim Fischel Joel (1795–1851). 1851 wurde er offiziell Rabbiner der Gemeinde, die 1858 in die Lübecker Innenstadt umziehen konnte. Eine Berufung als Landesrabbiner nach Schwerin lehnte er 1855 ab. 1864 war er am Wiener Kompert-Prozess beteiligt und vertrat hier die Seite der ungarischen Orthodoxie. Von 1855 bis zu seinem Tod war er Mitglied der Lübecker Bürgerschaft.

Siegfried und Rosalie Mühsam, Eltern von Erich Mühsam
Erich Kurt Mühsam (6. April 1878 in Berlin – 10. Juli 1934 im KZ Oranienburg) war ein anarchistischer deutscher Schriftsteller, Publizist und Antimilitarist. Als politischer Aktivist war er maßgeblich an der Ausrufung der Münchner Räterepublik im April 1919 beteiligt, wofür er zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt wurde, aus der er nach fünf Jahren im Rahmen einer Amnestie freikam. In der Weimarer Republik setzte er sich in der Roten Hilfe für die Freilassung politischer Gefangener ein.
Nach dem Reichstagsbrand in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933 wurde er von den Nationalsozialisten verhaftet und am 10. Juli 1934 von der SS-Wachmannschaft des KZ Oranienburg ermordet.

Seit 1372 gehörte Moisling verschiedenen Lübeckern, darunter dem Bürgermeister Hieronymus Lüneburg, dem Ratsherrn  Vieregge und der Lübecker Patrizierfamilie Höveln.

Das dem Stadtteil den Namen gebende Gut Moisling wurde 1970 abgerissen. An seiner Stelle steht heute an einer stark befahrenen Einmündung das Haus für alle mit der Bezeichnung Moslinger Mitte.
Sport treibt man im Sportverein, der Spielvereinigung Rot-Weiß-Moisling von 1911 e.V. heißt. Hier wird Fußball gespielt, Radsport betrieben und musiziert. 2013 waren es schon 100 Jahre, die der Spielmannszug existiert. 

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