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Der Prähistoriker Alfred Rust

Alfred Friedrich Wilhelm Rust (* 4. Juli 1900 in Hamburg; † 14. August 1983 in Ahrensburg) war ein bedeutender deutscher Prähistoriker.

Alfred Rust schloss nur die Volksschule ab und begann 1915 eine Ausbildung zum Elektrotechniker, 1926 wurde er Meister in diesem Beruf. Im Ersten Weltkrieg war er als Pionier in Flandern. Sein Interesse an der Ur- und Frühgeschichte wurde geweckt ab 1923 in Vorlesungen an der Volkshochschule Hamburg.

Um ein besseres Verständnis der Ursprünge mitteleuropäischer paläolithischer Steinwerkzeuge zu erlangen, reisten Alfred Rust und ein Freund auf Anregung seines Lehrers 1930 mit dem Fahrrad von Hamburg über den Balkan und die Türkei in den Vorderen Orient. Dort entdeckte er die Höhlen von Jabrud. 

Yabrud ist eine syrische Stadt. Sie liegt etwa 80 km nordöstlich von Damaskus entfernt und etwa 20 km östlich der libanesischen Grenze.

Der bedeutende archäologische Fundplatz von Yabrud, einer der wichtigen paläolithischen Fundplätze des Vorderen Orients liegt östlich der Gebirgskette des Antilibanon auf ca. 1400 m Höhe. Er entdeckte den Fundplatz im September 1930 und untersuchte ihn. In den Jahren 1931 bis 1933 wurden Ausgrabungen durchgeführt. Die Funde wurden von ihm nach Deutschland in das Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Köln gebracht. Auf drei Felsdächer verteilen sich insgesamt 45 Kulturschichten.

Die abenteuerliche Geschichte der Entdeckung und die Ergebnisse seiner in den Jahren 1931 bis 1933 in Jabrud durchgeführten Ausgrabungen veröffentlichte Rust dann in einem Begleitband der Zeitschrift Offa.

Rust arbeitete immer noch hauptberuflich in einer Elektrikfirma und galt immer noch als Amateur, wurde aber jetzt von dem norddeutschen Prähistoriker Gustav Schwantes gefördert. Durch Grabungen bewies er dann in den 1930er Jahren die Existenz von Eiszeitmenschen im Ahrensburg-Meiendorfer Tunneltal. Er fand Artefakte aus Rentiergeweihen und Flint sowie Knochen von Opfertieren und konnte nachweisen, dass Rentierjäger der spätpaläolithischen Hamburger Kultur am Ende der Eiszeit vor etwa 15.000 Jahren in dieser Gegend gejagt hatten. In einer hierauf folgenden wärmeren Klimaphase lebten hier vor etwa 13.400 Jahren die Jäger der Callenhard-Magdalénien-Kultur, denen dann während des erneuten Kälterückfalls vor etwa 12.700 Jahren nochmals die Rentierjäger der Ahrensburger Kultur folgten.

Um von Wehr- und Kriegsdienst befreit zu sein war Rust Mitglied in der SS-Unterorganisation Ahnenerbe. Die Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe e. V. war eine Forschungseinrichtung der SS, die am 1. Juli 1935 von Heinrich Himmler (Reichsführer SS), Richard Walther Darré (Reichsbauernführer und Leiter des Rasse- und Siedlungshauptamtes) und dem niederländischen Privatgelehrten Herman Wirth als Studiengesellschaft für Geistesurgeschichte gegründet worden. Sie firmierte danach als Forschungs- und Lehrgemeinschaft „Das Ahnenerbe“. Während des Zweiten Weltkrieges beteiligte sich das Ahnenerbe am systematischen Kunstraub und führte Menschenversuche durch. Diese Menschenversuche waren auch Gegenstand der Nürnberger Prozesse, insbesondere des Nürnberger Ärzteprozesses. Daneben nutzte der stark an okkulten Themen interessierte Himmler das Ahnenerbe als Apparat für weitere Projekte im persönlichen Interesse.

Das Ahnenerbe war zuletzt als Amt A dem Persönlichen Stab des Reichsführers SS unterstellt und in die SS integriert.

Für seine Mitgliedschaft im Ahnenerbe geriet Rust stark in die Kritik, die Feierlichkeiten zu seinem 100. Geburtstag (im Jahr 2000) in Ahrensburg wurden abgesagt.

Ihm wurde 1940 von der Universität Kiel die Ehrendoktorwürde verliehen. 

1942 griff er die Thesen von Julius Andree (1889–1942) an. Andree postulierte die Existenz einer Hochkultur in Deutschland vor 250.000 Jahren und ihre Ausbreitung über den ganzen Erdball. 1942 habilitierte er sich in Kiel, ohne je ein Studium absolviert zu haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Rust wissenschaftlicher Mitarbeiter des Landesamtes für Vor- und Frühgeschichte Schleswig-Holstein. Rust arbeitete unter anderem über Werkzeugformen des Paläolithikum. Einige seiner Aussagen werden in der Zwischenzeit von der modernen Forschung abgelehnt.

1965 ernannte ihn die Stadt Ahrensburg zum Ehrenbürger. Im September 2005 wurde der Alfred-Rust-Wanderweg eingeweiht. 1966 erhielt er die Albrecht-Penck-Medaille.

H.K. v. Schimmelmann