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Lübeck und die Buchdruckkunst - Brandis und Ballhorn

Neben Köln nahm Lübeck eine zentrale Stellung als Stadt des Buchdruckes ein. Es waren recht fortschrittliche Drucker, die dies bewirkt haben. 

Das älteste in Lübeck gedruckte Buch ist die 474 Blätter starke Weltchronik "Rudimentum novitiorum". Das Buch war von Lucas Brandis (* vor 1450 in Delitzsch; † nach 1500 wahrscheinlich in Lübeck; auch Lukas Brandis geschrieben). Am 5. August 1475 vollendete er dieses umfangreiche Projekt, ein Kompendium für Mönche mit dem Wissen der Zeit. Ein Exemplar davon ist in der Stadtbibliothek Lübeck in der Hundestraße.
Brandis und sein Sohn Matthäus verlegten vornehmlich religiöse Schriften, denn die garantierten einen sicheren Absatz. Zu den Bestsellern gehörten Heiligenlegenden, die man druckte. Dennoch war das Geschäft heikel. Als Brandis finanziell in eine Klemme geriet verkaufte er seinem Kollegen Stefan Arndes die Druckstöcke. Arndes legte die Heiligenlegenden 1498 neu auf. Spezielle Ausgaben produzierte er für den Export. Offenbar erfolgreich, denn von den schwedischen Übersetzungen gingen bis zu zehn Buchladungen pro Jahr nach Skandinavien. Vom Gewinn seiner ersten Heiligenlegende konnte er sich ein Haus an der Ecke Königstraße/Fleischhauerstraße kaufen. 
Auch Johann Balhorn (auch Ballhorn) der Jüngere (* um 1550; † nach 1604) war wie sein Vater selben Namens, von dem er das Druckhaus übernahm, ein Buchdrucker in Lübeck. Beide setzten zunächst ihre Buchdruckerkunst für die Reformation ein. Beide benutzten als redende Marke sowohl die abgebildete Druckermarke als auch ein Siegel mit einem Horn und darunter drei Bällen.
Die erste bekante Schrift aus dieser Druckerei war 1527 ein Pamphlet gegen Kleriker und Mönche. Nachfolgende Schriften wurden vom Rat der Stadt verboten. 
Bekannt geworden und das dann auch sprichwörtlich ist ein Druck aus 1586, der zu dem heute noch umgangssprachlichen Verb "verballhornen" führte.
Der Duden gibt zu verballhornen die Bedeutung „(ein Wort, einen Namen, eine Wendung o. Ä.) entstellen“ an.
Die Bezeichnung Verballhornung soll auf Balhorn den Jüngeren zurückgehen, „bei dem 1586 eine von einem Unbekannten fehlerhaft bearbeitete Ausgabe des lübischen Rechts erschien“.

 

 

 

 

Der Überlieferung zufolge soll er eine ältere Ausgabe überarbeitet haben, wonach jedoch mehr Fehler enthalten waren als vorher, weshalb verballhornen (seltener: ballhornisieren) ursprünglich so viel wie „verschlimmbessern“ bedeutete. Peinlich war dies besonders deshalb, weil andere Städte ebenfalls nach Lübecker Stadtrecht urteilten. Da der Rat die Sache eilig machte, wurde in einem Vorwort auf eventuelle Mängel hingewiesen. Das Titelblatt gab an: "Corriggiret / und aus alter Sechsischer Sprach ins Hochteudsch gebracht. Gedruckt zu Lübeck / durch Johan Balhorn." Und daraus wurde dann eben "verbessert durch Johann Ballhorn".

 

 

 

 

Uwe Barschel