A-Z

Benjamin Franklin und das positive Denken

Benjamin Franklin, (* 17. Januar 1706 in Boston, Massachusetts; † 17. April 1790 in Philadelphia, Pennsylvania) war ein nordamerikanischer Drucker, Verleger, Schriftsteller, Naturwissenschaftler, Erfinder und Staatsmann.

Als einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten beteiligte er sich am Entwurf der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten und war einer ihrer Unterzeichner. Während der Amerikanischen Revolution vertrat er die Vereinigten Staaten als Diplomat in Frankreich und handelte sowohl den Allianzvertrag mit den Franzosen als auch den Frieden von Paris aus, der den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg beendete. Als Delegierter der Philadelphia Convention beteiligte er sich an der Ausarbeitung der amerikanischen Verfassung.

Benjamin Franklin
Benjamin Franklin auf der 100 Dollar-Note

Franklins Leben war in hohem Maße von dem Willen geprägt, das Gemeinwesen zu fördern. Er gründete die ersten Freiwilligen Feuerwehren in Philadelphia sowie die erste Leihbibliothek Amerikas und konstruierte einen besonders effektiven und raucharmen Holzofen. Auch machte er wissenschaftliche Entdeckungen, er erfand unter anderem den Blitzableiter.

Tatsächlich war es aber wohl auch wirtschaftlicher Druck, der seinen Vater den Engländer Josiah veranlasste, 1683 mitsamt seiner ersten Frau Anne Child und ihren drei Kindern ein Schiff in Richtung Boston zu besteigen. Die Löhne in der Neuen Welt waren um ein dreifaches höher als in England, zugleich waren die Lebenshaltungskosten niedriger. Für viele andere Nordeuropäer waren die Auswandererhallen Hamburg die letzte Heimstätte auf dem europäischen Kontinent. 

Der Sohn Benjamin aber erarbeitete sich dank Fleiß, Redlichkeit, Sparsamkeit und Disziplin einen gewissen Wohlstand. Wichtiger war ihm dabei der innere Reichtum, den er gewann. Schon als Druckerlehrling hatte er leichteren Zugang zu Büchern, und als eifriger Leser begann er sich auch für das Schreiben zu interessieren. Als Drucker und Verleger für erste Zeitungen in Amerika veröffentlichte er teils unter Pseudonym wirkend viele Artikel zum täglichen Leben. 

Im Herbst 1727 gründete Franklin einen Selbsterziehungsclub, den Junto. Sein Club bestand aus Unternehmern und Künstlern und damit nicht aus Angehörigen der sozialen Elite, aus der sich die traditionellen Gentlemen’s clubs rekrutierten. Als der Club eigene Räume bezog, wurden diese mit Büchern aus dem Besitz der Mitglieder eingerichtet. Auf diese Weise entstand die Grundlage der ersten Leihbibliothek in Amerika. Die daraus entstandene Library Company of Philadelphia gehört heute zu den ältesten kulturellen Institutionen in den Vereinigten Staaten und verfügt über einen Bestand von mehr als 500.000 Büchern und über 160.000 Handschriften. 

Der Große Brand von London war eine Feuersbrunst, die vom 2. bis 6. September 1666 vier Fünftel der Londoner City, darunter die meisten mittelalterlichen Bauten, zerstörte und etwa 100.000 Einwohner obdachlos machte, aber nach offiziellen Zahlen nur sechs Personen das Leben kostete. Nur wenige Monate zuvor war London von einer anderen Katastrophe heimgesucht worden, der letzten Großen Pest.
Obwohl keine Stadt in den amerikanischen Kolonien eine Feuerkatastrophe vom Ausmaß des Großen Brandes von London erlebt hatte, war die Brandgefahr auch zu Franklins Zeiten eine ständige Sorge im kolonialen Lebensalltag. Die Erfahrungen aus jener Feuersbrunst des Jahres 1666 waren direkt in die Planungen für die Stadt Philadelphia eingeflossen. Die Straßen waren breiter angelegt und die Häuser standen weiter auseinander als damals in London. Doch der ständige Zufluss von Einwanderern sorgte mit der Zeit dafür, dass die Räume eng wurden und die Feuergefahr wuchs.

Eine Unze Vorbeugung ist soviel wert wie ein Pfund Heilung“ schrieb Franklin in einem anonymen Brief an die Leser der Philadelphia Gazette und regte die Einrichtung von Feuerwehrvereinen auf freiwilliger Basis an. Nach dem Vorbild Bostons sollten die Bürger sich zur Bekämpfung von Feuern in kleinen Gruppen zusammenschließen.

Im Dezember 1736 entstand mit der Union Fire Company der erste dieser Zusammenschlüsse. Die fünfundzwanzig Gründungsmitglieder rekrutierten sich aus Mitgliedern des Junto, der Library Company, Kaufleuten und einer Reihe von anderen Bürgern, denen der Schutz ihres Hab und Gutes am Herzen lag. Schon nach kurzer Zeit bildeten sich weitere Gruppen und nahmen die Idee Franklins auf.

Seinen inneren Reichtum wollte er mit seiner Autobiographie, dem ersten Klassiker der amerikanischen Literatur, an seinen Sohn William weitergeben und erreichte damit bis heute Generationen junger Leute. Verfasser von Ratgebern berufen sich auf ihn, von Norman Vincent Peale (Peales Lebenshilfemethode gilt als eine bedeutende Grundströmung des Positiven Denkens), Frank Bettger (Sein Klassiker Lebe begeistert und gewinne führt immer noch Bestsellerlisten an) über Dale Carnegie bis zu jungen Autoren. 
Lebe begeistert und gewinne“ erschien erstmals 1947 und wurde in über einem Dutzend Sprachen übersetzt, darunter Ungarisch, Portugiesisch, Französisch, Dänisch, Polnisch, Schwedisch, Spanisch, Serbisch, Japanisch, Niederländisch, Norwegisch, Italienisch und Finnisch. Es befindet sich noch heute als eines der allgemein anerkannten Standard-Werke für den Verkauf weltweit im Handel.
Dale Carnegies größter Erfolg neben seinen Lehrgängen ist bis heute Wie man Freunde gewinnt. Das Buch wurde 1937 sofort zum Bestseller. Zur Zeit von Carnegies Tod (1955) waren fünf Millionen Exemplare in 31 Sprachen verkauft. 1948 erschien Sorge dich nicht – lebe! Weltweit wurden bisher über 50 Millionen Exemplare seiner Bücher in 38 Sprachen verkauft. 
Erfrischend lebendig, lakonisch und mit einem Schuss Selbstironie, liest sich Franklins Text in Der Weg zum Reichtum - Geschichte meines Lebens noch heute, "denn dieser Mann ließ eine Lichterkette zurück, damit die Menschen ihren Weg besser finden". So jedenfalls steht es im Umschlag der Ausgabe des Oesch-Verlags (ISBN 3-85833-568-1).  

Franklin war stolz auf seinen erlernten Beruf. Bis zum Ende seines Lebens bezeichnete er sich selbst als Drucker. Noch sein Testament beginnt mit den Worten „Ich, Benjamin Franklin aus Philadelphia, Drucker“.

 

Justus Frantz