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Der erste Diener des Staates - Friedrich der Große

 

Am 24. Januar 1712 wurde Friedrich im Berliner Stadtschloss geboren. Die militärisch-strenge Erziehung, die ihm sein Vater Friedrich Wilhelm I., der Soldatenkönig, gab, war mehr auf Unterdrückung als auf Pflege seiner Anlagen gerichtet. Friedrich hat sich dem Vater nach der stürmischen Jugendkrise der Kronprinzenzeit wohl äußerlich unterworfen, aber niemals gebeugt. Nicht in der harten Schule des Soldatenkönigs ist er zum Herrscher gereift, sondern in einem einzigartigen Selbstbildungsprozess. Dieser erschöpft sich nicht in der Pflege geistiger Interessen und musischer Neigungen; er empfängt seinen Sinn erst daraus, dass er auch Selbsterziehung zum Staate ist. Der ehrgeizige Schüler Voltaires in französischer Stilkunst tritt frühzeitig in den Bannkreis der preußischen Macht. Der Gedanke an ihre ungenützten Möglichkeiten und an ihren künftigen Gebrauch steht hinter den politischen Erwägungen, mit denen er sich als Kronprinz trägt.

Briefmarke Friedrich der Große
Briefmarke Friedrich der Große

Schon wenige Monate nach seiner Thronbesteigung am 31. Mai 1740 hat ihm das Erlöschen des habsburgischen Mannesstammes die Gelegenheit gegeben, die sich in kühnem Zugriff für die Vergrößerung Preußens nutzen ließ. Der Entschluss zur Besetzung Schlesiens ist für Friedrichs ganze spätere Laufbahn bestimmend geworden. Er hat ihn auf ein in höchstem Grade unruhiges und kriegerisches Leben festgelegt, und alle seine späteren Feldzüge sind im Grunde die zwangsläufige Folge dieses ersten großen Anschlages. Das gilt auch für den längsten, den sog. "Siebenjährigen Krieg", in dem er den Besitz der neuen schlesischen Provinz gegen die erdrückende Übermacht fast aller europäischen Mächte behaupten musste. Trotz einer Kette großer Siege, bei denen sich sein Feldherrentalent glänzend bewährte, war er nach fünfjährigem Kampf in eine ausweglose Lage geraten, aus der ihn nur ein unvorstellbarer Glücksfall, der Thronwechsel in Russland (1782), befreite.  
Nach dem schwer errungenen politischen und militärischen Enderfolg wurden die Heilung der Kriegsschäden und die Sammlung neuer Kräfte zum wichtigsten Anliegen der friderizianischen Wirtschafts- und Innenpolitik. Wie schon unter seinem Vater blieb auch unter Friedrich der gesamte Staatsapparat bezogen auf das sich ständig vergrößernde Heer. Es wird jetzt erst recht zum Schwungrad des gesamten Wirtschaftslebens, zum Motor einer planmäßigen protektionistischen Industrialisierungspolitik. Die Integration neuer Gebiete von so unterschiedlicher Größe und Struktur wie Schlesien, Friesland und zuletzt Westpreußen (1772) stellte den friderizianischen Verwaltungsstaat vor Wachstumsschwierigkeiten, die nur durch zunehmende Verfeinerung des Behördenapparates zu meistern waren. Das große Räderwerk der Verwaltung wurde immer komplizierter und nur der fast übermenschlichen Arbeitskraft des Königs konnte es gelingen, durch das vom Vater übernommene System der Regierung aus dem Kabinett die auseinanderstrebenden Zweige der Verwaltung zusammenzufassen und mit seinem Willen zu durchdringen. Friedrich hat die schwere Last seines täglichen Pflichtenkreises wie eine Naturgegebenheit auf sich genommen. Was ihn im innersten bewegte, war nicht die Gedankenwelt seines dichterischen und schriftstellerischen Wirkens, sondern die große Realität des Staates in seinem strengen Dienst hat sich Friedrichs Leben erfüllt, nicht "in den Armen der Philosophie", bei der er so gern ausruhte.
Im "aufgeklärten  Absolutismus" Friedrichs des großen schienen den Zeitgenossen die Möglichkeiten, aber auch die inneren Widersprüche ihres Jahrhunderts am reinsten zum Ausdruck gebracht. Darin lag für sie, im Guten wie im Schlechten, die beispielhafte Bedeutung des friderizianischen Preußen. Ein Staat regiert mit Härte und Freudlosigkeit unter schweren Opfern an menschlichem Glück, aber auch ein Staat, in dem die Forderungen der Zeit nach religiöser Toleranz und individueller Rechtssicherheit bereits weitgehend verwirklicht waren, in dem sich die Allmacht des absoluten Staates selbst moralische Grenzen setzte.
Der einsame alte Mann im verschlissenen Uniformrock, der die riesige Staatsmaschinerie in Gang hielt, stand hoch über seinem Volke, um ihm wirklich vertraut zu werden, auch wenn er in der anekdotischen Verkleidung des "Alten Fritzen"  an Unnahbarkeit verlor. Er ist nie eigentlich populär, aber in einem tieferen Sinne die große exemplarische Figur des 18. Jahrhunderts geworden. 
Er bezeichnete  sich selbst als „ersten Diener des Staates“. Friedrich setzte tiefgreifende gesellschaftliche Reformen durch, schaffte die Folter ab und forcierte den Ausbau des Bildungssystems. 
Er starb am 17. August 1786 im Schloss Sanssouci in seinem Sessel. Seinem Willen entsprach es nicht, trotzdem ließ ihn sein Neffe und Nachfolger Friedrich Wilhelm II. in der Potsdamer Garnisonkirche in der hinter dem Altar befindlichen Gruft des Königlichen Monuments an der Seite seines Vaters Friedrich Wilhelm I. beisetzen. 

Carl Friedrich Gauß

 

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