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Heinrich der Löwe und Lübeck

Heinrich der Löwe wurde vermutlich Ende 1129, Anfang 1130 als einziger Sohn von Heinrich dem Stolzen und Gertrud von Supplinburg, der Erbtochter Kaiser Lothar III. geboren. Als Geburtsort wird Altdorf bei Ravensburg nördlich des Bodensees vermutet.

Heinrich der Löwe wurde in eine Zeit hineingeboren, die durch den staufisch-welfischen Gegensatz, die Auseinandersetzung seines Vater Heinrich des Stolzen (1108-1139) mit dem deutschen König Konrad III (1138-1152), geprägt war. 1138 wurde Heinrich der Stolze als Nächstberechtigter und mächtigster Fürst des Deutschen Reiches durch das Prinzip der Wahl bei seinem Anspruch auf die Königskrone übergangen. Zwar händigte er die Reichsinsignien an Konrad III aus, der verlangte jedoch den Verzicht Heinrichs des Stolzen auf die Herzogtümer Sachsen und Bayern und die Huldigung des Herzogs. Dies verweigerte er jedoch, worauf ihm beide Herzogtümer aberkannt und er geächtet wurde.

Heinrich der Löwe
Bild: Braunschweig: Heinrich der Löwe auf dem Heinrichsbrunnen Quelle: upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f2/B...

Bereits 1142 erhielt Heinrich der Löwe als Minderjähriger die beiden bedeutenden Herzogtümer Bayern und Sachsen aber wieder als Lehen des Kaisers Lothar III. von Supplinburg. Heinrich entzog wiederum jetzt Heinrich von Badewide die Grafschaft Holstein und Stormarn und setzte wieder Adolf II von Schauenburg ein. Heinrich von Badewide erhielt als Ersatz die neugeschaffene Grafschaft Ratzeburg 
In der heutigen Lage auf dem Hügel Buku, wurde die Stadt Lübeck 1143 durch Adolf II., Graf von Schauenburg und Holstein als erste deutsche Hafenstadt an der Ostsee neu gegründet.

Mehr oder weniger freiwillig gab Heinrich noch in 1142 das Herzogtum Bayern wieder ab, da er den anderen Reichsfürsten zu mächtig wurde und für ihn die Gefahr bestand, beide Herzogtümer zu verlieren. Dadurch sicherte er sich zunächst wenigstens das Herzogtum Sachsen, in dessen Gebiet auch der größte Teil der persönlichen Besitzungen der Welfen lag.
Seine Stellung als Herzog von Sachsen und Bayern wird seit jeher als königsgleich charakterisiert. Mit seinem Vetter Kaiser Friedrich I. Barbarossa galt er lange Zeit als wichtigster Protagonist des staufisch-welfischen Gegensatzes. Erst in jüngster Zeit wurde diese Einschätzung stark relativiert.

Im Jahr 1148 heiratete Heinrich Clementia von Zähringen, die als nicht unbeträchtliche Mitgift die Burg und Herrschaft Badenweiler in Schwaben in die Ehe einbrachte. 1162 trennte sich Heinrich nach 14 Jahren Ehe von seiner Frau Clementia, offenbar auf Druck von Barbarossa. Es wird vermutet, dass Friedrich I. Barbarossa ein Ende der Ehe und damit auch eine Beendigung der für ihn gefährlichen Verbindung zwischen Welfen und Zähringern wollte und Heinrich zu diesem Schritt drängte. Friedrich I. stritt mit den Zähringern um die Vorherrschaft in den schwäbischen Landen und da war ihm die Allianz zwischen Welfen und Zähringern natürlich ein Dorn im Auge. Um seine Vormacht in Schwaben zu stärken, tauschte Friedrich sogar mit Heinrich dem Löwen die Burgen Herzberg und Scharzfeld am Harz, sowie den Königshof Pöhlde gegen Clementias Mitgift Badenweiler.
Die Mittel den Machteinfluss auszubauen waren teilweise rauh. 1153 liess er nach Überlieferungen in der slavischen Chronik von Pfarrer Helmold von Bosau die Oldesloer Salzquellen zuschütten, um eine lästige Konkurrenz zu seiner Saline in Bardowik und Lüneburg auszuschalten, nachdem er zuvor auf Schadenersatz geklagt hatte. Die Oldesloer ließen sich später jedoch nicht davon abschrecken, stellten den Betrieb ihrer Salzquellen wieder sicher. 
Am 11. August 1154 fand die Grundsteinlegung des von ihm gestifteten Ratzeburger Doms statt.
Durch Heinrichs politische und militärische Unterstützung für seinen Vetter Kaiser Friedrich I. Barbarossa, erhielt er 1156 einen Teil des Herzogtums Bayern zurück. 
Durch die erfolgreichen Slawenfeldzüge gewann Heinrich zusätzlich Mecklenburg und Pommern.
Damit wurde er neben dem Kaiser zum mächtigsten Mann im Deutschen Reich.
Durch diese Macht und seinem Machthunger, mit der er versuchte, sich in Sachsen ein geschlossenes Territorium zu schaffen, machte er sich viele der benachbarten Fürsten zu Feinden. 
Neuesten Erkenntnissen nach wurde 1163 auf Initiative Gerolds das Bistum von Oldenburg nach Lübeck verlegt. 
Gerold stammte aus der schwäbischen Heimat der Welfen. Gerold hatte sich am Hof von  Heinrich in Braunschweig Verdienste als Hofkaplan und Scholaster des Stiftes St. Blasius erworben.
Gerold wurde durch Herzogin Clementia, die erste Frau Heinrichs 1155 zum Nachfolger des 1154 verstorbenen Vicelin bestimmt. Auch Gerold geriet jedoch wie schon Vicelin sofort in die Mühlen der Feindschaft zwischen Erzbischof Hartwig von Bremen und Heinrich. Da Gerold ein Mann Heinrichs war, verweigerte der Erzbischof als zuständiger Metropolit unter Verweis auf das kanonisch zweifelhafte Verfahren der Erhebung auch dem Gerold die Weihe.
Heinrich der Löwe löste das Problem, indem er Gerold 1155 auf seinen Italienzug mitnahm und dort, unter Missachtung der erzbischöflichen Rechte und erst im zweiten Anlauf, eine Weihe durch den zunächst zögernden Papst Hadrian IV. erreichte.
Zur Bistumsverlegung stiftete Heinrich der Löwe dann 1163 den Lübecker Dom. Der Lübecker Dom ist der erste große Backsteinkirchbau an der Ostsee und mit 130 Metern Länge eine der längsten Backsteinkirchen überhaupt.
Zum ersten Bischof Mecklenburg machte er Berno, der das Bistum von der Mecklenburg nach Schwerin verlegte. Heinrich stiftete nach dem Braunschweiger Dom dann auch den vierten Löwendom, den Schweriner Dom.

Möglicherweise 1166 lässt er auf Burg Dankwarderode und in Kopie das heutige Wahrzeichen von Braunschweig, das Standbild des Braunschweiger Löwens vor dem Dom errichten. Der Zeitpunkt ist umstritten, liegt aber zwischen 1163 und 1181.
Der Braunschweiger Löwe ist die älteste erhaltene Großplastik des Mittelalters nördlich der Alpen und erster größerer figürlicher Hohlguss seit der Antike.

Plastik vor dem Lübecker Dom

Am 1.2.1168 heiratete Heinrich im Dom zu Minden seine zweite Frau Mathilde, die erst 12 Jahre alte Tochter des Königs von England Heinrich II.. Mathilde war eine Schwester von Richard Löwenherz.

Diese Heirat begründete die enge Verbindung der Welfen mit dem englischen Könighaus, so dass im 19. Jahrhundert sogar die Könige (bzw. der Kurfürst) von Hannover gleichzeitig auch Könige von Großbritannien waren.
Heinrich und Mathilde hatten eine Tochter und vier Söhne, Richenza, Heinrich, Lothar, Otto und Wilhelm. Otto wurde später Kaiser Otto IV., Heinrich (der Sohn) erreichte durch seine Heirat mit Agnes von Staufen eine Aussöhnung mit den Staufern und Wilhelms Sohn, Otto das Kind, wurde der erste Herzog von Braunschweig und Lüneburg.
Im Jahr 1172 machte Heinrich der Löwe eine Pilgerreise in das heilige Land, die ihn auch an den Hof des byzantinischen Kaisers führte. Chroniken berichten, dass er dort wie ein König empfangen wurde. 

Weil Heinrich der Löwe 1176 dem Kaiser die Gefolgschaft bei dessen Italienfeldzug verweigerte, wurden ihm nach Prozessen in den Jahren 1179 und 1180 die Lehen über beide Herzogtümer Bayern und Sachsen aberkannt und die Reichsacht über ihn verhängt. Der offizielle Grund für seine Weigerung war, dass ihm Barbarossa die Stadt Goslar mit ihren reichen Silbervorkommen nicht als Lehen geben wollte. Ein weiterer Grund dürfte gewesen sein, dass Heinrichs mit ihm verfeindete Nachbarfürsten ihre Truppen ebenfalls nicht am Italienfeldzug des Kaisers teilnehmen ließen und somit eine große Bedrohung für sein sächsisches Herzogtum bedeuteten. Dieser Feldzug führte nach dem Verlust der Schlacht von Legnano auch zum Verlust des ganzen lombardischen Herrschaftsgebietes des Kaisers. Sicherlich wollte Heinrich nicht mit dem Kaiser in das ferne Italien ziehen und seine Besitztümer ohne ausreichenden Schutz zurücklassen.
Der Kaiser ließ Truppen gegen ihn aufmarschieren, reihenweise fielen ihm jetzt seine Lehnsherren in den Rücken. Nur die Städte, die durch seine Förderung großen Aufschwung genommen hatten blieben ihm treu, so auch Lübeck. Hier ließ er die Befestigungsanlagen hastig verstärken und verschanzte sich, die Übermacht war aber zu groß und er floh nach Stade.
Im weiteren Verlauf diesen Konfliktes soll es dann am 19. September 1188 für Lübeck zum Barbarossaprivileg gekommen sein und Lübeck erhielt umfassende Ländereien und Sonderrechte, daraufhin auch die Reichsfreiheit. Alle Voraussetzungen jedenfalls dafür zur mächtigsten Stadt im Ostseeraum zu wachsen und nach Köln zur zweitmächtigsten Stadt im Einflussgebiet des deutschen Kaisers zu werden.
Heinrich musste auf Anordnung des Kaisers einige Zeit ins Exil zu seinem Schwiegervater König Heinrich II. von England.
Das Herzogtum Sachsen wurde aufgeteilt und Bayern ging an die Wittelsbacher.
Die neuen vom Kaiser eingesetzten sächsischen Herzöge konnten sich allerdings nicht in den welfischen Besitzungen des Herzogtums Sachsen im Gebiet um Braunschweig und Lüneburg durchsetzen. So blieb der Einfluss der Welfen in diesem Gebiet trotz der formalen Entmachtung Heinrichs bestehen. Erst 1235 jedoch erhielt sein Enkel, Otto das Kind, einen Teil des alten Herzogtums Sachsen unter der neuen Bezeichnung Herzogtum Braunschweig - Lüneburg offiziell als Lehen zurück.
Am 6.8.1195 starb Heinrich der Löwe in Braunschweig, nachdem er sich 1194 mit Kaiser Heinrich VI. wieder versöhnt hatte. 
Nach seinem Tode wurde Heinrich der Löwe vor dem Hochchor des Braunschweiger Domes in einer Gruft neben seiner zweiten Ehefrau Mathilde beigesetzt. Dies ist durch Arnold von Lübeck überliefert:
Circa ipsos dies mortuus est famosus ille dux Heinricus in Bruneswich et ... nihil est consecutus nisi memorabilem satis sepulturam una cum conjuge sua domina Mechthilde in ecclesia beati Blasii episcopi et martyris.
(Zur selben Zeit starb der berühmte Herzog Heinrich in Braunschweig. Er hat durch all seine Arbeit, die er unter der Sonne gehabt hatte, nichts erreicht als ein recht sehenswürdiges Grab, in welchem er mit seiner Gemahlin Mechthilde in der Kirche des Heiligen Bischofs und Märtyrers Blasius beigesetzt wurde.)
Diese Grabstätte Heinrichs und seiner Gemahlin Mathilde wurde im Sommer 1935 von Dietrich Klagges geöffnet und grundlegend verändert, was auf nationalsozialistisches Betreiben zurückzuführen ist. 
Heinrich zu Ehren wurde seine Büste in der Walhalla in Obenstauf bei Regensburg aufgestellt.

 

Heinrich Harms