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Goethe und die Norddeutschen

Johann Wolfgang von Goethe (* 28. August 1749 in Frankfurt am Main als Johann Wolfgang Goethe; † 22. März 1832 in Weimar), geadelt 1782, gilt als einer der bedeutendsten Repräsentanten deutschsprachiger Dichtung.

1774 wurde sein Freund Graf Christian zu Stolberg-Stolberg als Kammerherr an den Hof nach Kopenhagen berufen. Doch schon ein Jahr später gab dieser seine Anstellung auf und unternahm zusammen mit seinem Bruder Friedrich Leopold und Johann Wolfgang von Goethe eine längere Reise durch die Schweiz.

Goethe-Briefmarke


 

Im Juli 1807 trifft Goethe in Karlsbad mit Carl Friedrich Reinhard zusammen und hält im Tagebuch unter dem 3.7.fest:  ..."Darauf kam Resident Reinhard und blieb bis gegen 1 Uhr. Gespräch über Hamburg überhaupt, besonders seine literarischen Zirkel. Reimarus, Klopstock, Lessing, Büsch, Ebeling u.s.w. Vorständige beschränkte Denkungsweise." zit. nach: "Ja deswegen haben die Hamburger, die Reimarus usw., mich nie leiden können

Diese ablehnende Haltung Goethes der Stadt Hamburg  und ihren Literaten gegenüber hielt jedoch einen Kreis Hamburger Literaturfreunde und Literaturprofessoren nicht ab, im Mai 1924, anlässlich des 175. Geburtstags Goethes, die Hamburger Ortsvereinigung der Goethe-Gesellschaft zu gründen, ausgehend von einer Initiative des Germanisten Prof. Robert Petsch.

Thomas Mann verfasste unter anderem: Lotte in Weimar. Der Goethe-Roman entstand zwischen dem dritten und vierten Band der Joseph-Tetralogie. Er gestaltet eine späte Wiederbegegnung (1816) zwischen Goethe und Charlotte Kestner, geb. Buff (Werthers Lotte) aus unterschiedlichen Perspektiven, nicht zuletzt aus der Sicht Goethes, in dessen inneren Monolog gegen Ende des Romans Thomas Mann Aspekte der eigenen Sicht von Kunst und Leben, Liebe und Geist einfließen lässt.
Der Roman Doktor Faustus entstand zwischen 1943 und 1947. In ihm schildert der Erzähler Serenus Zeitblom vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges die Lebensgeschichte des Tonsetzers Adrian Leverkühn, die er symbolisch in Bezug zur deutschen Geschichte setzt. Die Biographie Nietzsches lieferte den Stoff und Theodor W. Adorno die musikalischen Grundlagen, insbesondere die zur Beschreibung der modernen Zwölftonmusik.

Schon 1949 hatte Thomas Mann anlässlich der Feiern zu Goethes 200. Geburtstag Deutschland einen Besuch abgestattet. Er besuchte Frankfurt am Main und Weimar, was von der westdeutschen Öffentlichkeit misstrauisch beäugt wurde, jedoch von Mann mit dem Satz kommentiert wurde: „Ich kenne keine Zonen. Mein Besuch gilt Deutschland selbst, Deutschland als Ganzem, und keinem Besatzungsgebiet.“ In Frankfurt erhielt er den westdeutschen Goethe-Preis.

 

Georges-A. Goldschmidt