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Er hatte kein Kriegsglück - Johann Wittenborg

Johann Wittenborg  (* um 1321 in Lübeck) war ein Mann, der alles hatte: Ungeheuren Reichtum, den er als Kaufmann erwarb, starken politischen Einfluss, einen ins Sagenhafte interpretierten Erfolg bei Frauen. Nur Kriegsglück hatte er nicht. Das kostete ihn das Leben. Auf dem Markt von Lübeck wurde er 1363 enthauptet. Die genaue Begründung des Urteils ist nicht bekannt. Es mag sein, dass Neider oder politische Gegner einen Moment der Schwäche nutzten. Vordergründig aber führte eine militärische Schlappe den Lübecker Bürgermeister unter das Schwert seines Henkers: 

Johann Wittenborg
Darstellung der Hinrichtung des Bürgermeister Wittenborg aus der Rehbein'schen Chronik, 1619-1629

Der dänische König Waldemar IV. Atterdag hatte 1361 Gotland überfallen und Visby besetzt. Dieser Schlag galt zwar dem schwedischen Reich, bedrohte aber zugleich wichtige Handelswege der Lübecker. Deren Abgesandte waren gerade auf dem Hansetag in Greifswald, als die Nachricht der Besetzung eintraf.
Besonders Lübeck drängte auf einen Gegenschlag. Innerhalb von vier Wochen wurde dieser beschlossen. Das Kommando über die gemeinsame Flotte von 48 Schiffen, darunter 27 Koggen als Kampfschiffe, und das über Jütland ziehende Landheer, übernahm Lübecks Bürgermeister Johann Wittenborg. Mit 600 Bewaffneten stellte Lübeck das Hauptkontingent. Rostock und Stralsund stellten je 400 Soldaten, Greifswald und Stettin je 200, Kolberg 100, Stargard und Anklam je 50 und Kiel 40.
Ende April 1362 sammelte sich die Flotte vor Hiddensee und nahm Kurs auf Kopenhagen, wechselte dann aber auf Drängen der Verbündeten Richtung Helsingborg. Von dort beherrschte Waldemar die Einfahrt des Sundes. Zwölf Wochen belagerten die Hanseaten die Festung und warteten zugleich vergeblich auf die zugesagte Unterstützung durch die Schweden und Norweger. 
Wittenborg machte einen taktischen Fehler. Er zog zu viele Kriegsleute von den Schiffen ab, um die Truppe an Land zu stärken. Waldemar erkannte die schwache Seite seines Gegners und nutzte sie. Er überfiel im Juli 1362 die hansische Flotte. Der Handstreich gelang. Die dänischen Soldaten eroberten zwölf Koggen. Einige Berichte geben die Zahl mit elf oder sechs an. Die Dänen setzten auch mehrere Handelsschiffe in Brand. Auch unter den Landtruppen Wittenborgs muss es starke Verluste gegeben haben. So war der Lübecker Bürgermeister gezwungen, um einen Waffenstillstand unter ungünstigen Bedingungen zu bitten. Waldemar beherrschte wieder den Sund, Wittenborg führte die Reste seiner Flotte zurück. Mit hohen Lösegeldsummen musste Lübeck die Gefangenen freikaufen.
In seiner Heimatstadt büßte Wittenborg umgehend für seine Niederlage. Man warf ihn ins Gefängnis und bereitete den Prozess gegen ihn vor. Während die verbündeten Städte dieses Kriegszuges von einer Anklage absahen, zeigte sich Lübeck unerbittlich. Seine Richter verurteilten ihn zum Tode. Seine Hinrichtung fand im August/September 1363 auf dem Marktplatz statt. Er wurde offenbar enthauptet.
Waldemar setzte hingegen zur gleichen Zeit auf die Diplomatie durch Hochzeit, verheiratete seine Tochter Margarethe mit dem Sohn des norwegischen Königs und begann die Hansestädte durch Ferndiplomatie zu isolieren. Damit machte er sie reif zum Friedensschluss von Vordingborg am 22. November 1365.

 

 

 

 

Jürgen Wullenwever

 

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