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Tilly mit seinen Truppen in Trittau

Er hat auch das Land verändert. Kunstvoll erlernte er das Kriegshandwerk wie man so schön sagt. Die Rede ist von Johann (auch Johannes oder Jean) T’Serclaes von Tilly (* Februar 1559 auf Schloss Tilly, im Herzogtum Brabant; † 30. April 1632 in Ingolstadt).

 

 

 

 

Dieser belgische Graf war während des Dreißigjährigen Krieges für die Katholischen Liga als auch ab November 1630 für die kaiserliche Armee verantwortlich.
Begonnen hat er seine Karriere beim Herzog Maximilian I. von Bayern. Der übertrug ihm 1610 die Führung der ligistischen Heereskontingente sowie die Reorganisation des bayerischen Heerwesens.
Sein Titel: Generalleutnant. 
Siegreich kämpfte er am 8. November 1620 in der Schlacht am Weißen Berg in der Nähe von Prag, gemeinsam mit dem kaiserlichen Feldmarschall Charles Bonaventure de Longueval, und unterwarf das westliche Böhmen mit der Eroberung von Pilsen im März 1621.
Unglücklich verlief es für ihn am 27. April 1622. Da wurde er in der Schlacht bei Mingolsheim von Peter Ernst II. von Mansfeld geschlagen. Man nannte diese Schlacht auch Schlacht am Ohrenberg, das war in der Nähe von Karlsruhe.

Waffe
Waffen im Holstentormuseum

Dann aber besiegte er den Markgrafen Georg Friedrich von Baden-Durlach am 6. Mai in der Schlacht bei Wimpfen. Bad Wimpfen ist heute eine Kurstadt am Neckar im Landkreis Heilbronn in Baden-Württemberg.
Wieder siegreich über die Protestanten verlief für ihn am 20. Juni die Schlacht bei Höchst über Herzog Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel, genannt der tolle Halberstädter. Die Zeitgenossen gaben dem jungen Welfenherzog Christian bereits 1622 den Beinamen „toller Halberstädter“, was aber keineswegs nur bewundernd, sondern vielmehr als „der verrückte / wildgewordene“, aber auch im Sinne der damaligen militärischen Operationsweise als der „tollkühne / unorthodoxe“ Administrator von Halberstadt zu verstehen ist. Ein überragender Feldherr war dieser aber nicht.
Tilly eroberte Heidelberg, Mannheim und Frankenthal (Pfalz). Dann folgte ein erneuter Sieg über den „tollen Halberstädter“ Herzog Christian am 5. und 6. August 1623 in der Schlacht bei Stadtlohn. Die Schlacht ist auch als Schlacht im Lohner Bruch bekannt. Das war im westlichen Münsterland in der Nähe von Borken.
In der Zeit danach blieb er mit seinem Heer meist im benachbarten in Niedersachsen, wo er die gewaltsame Restitution (Rekatholisierung) der evangelisch-lutherischen Bistümer und Klöster an die katholische Kirche und die Jesuiten ins Werk setzte.
Er belagerte und eroberte in dieser Zeit mehrere niedersächsische Städte. Am 30. Mai (jul.)/ 9. Juni 1626 (greg.) fielen seine Soldaten plündernd und mordend in die Stadt Münden ein.
Danach ließ er Göttingen belagern und beschießen, um Lösegeld zu erpressen. Im reichen Harz ging er Harzer Bergleute an. Er zwang sie, die Leine umzuleiten und versuchte, alle Wasserzufuhren zu sperren. Anfang August 1626 war die Belagerung erfolgreich abgeschlossen und Tilly nahm Göttingen ein.
1621 schon kam es auf dem Segeberger Schloss zu einer Belebung der Protestantischen Union unter Führung des dänisch-norwegischen Königs Christian IV., der hier oben im Norden dann fleißig mitmischte. 
Am 27. August 1626 schlug Tilly diesen Christian IV. in der Schlacht bei Lutter am Barenberge, etwa 10 Kilometer südwestlich des heutigen Salzgitter. In der Folge besetzte 1627 der kaiserliche Feldherr Wallenstein die dänischen Festlandterritorien, Schleswig-Holstein und Jütland. 
Das Trittauer Schloss wurde eingenommen. Tilly und Wallenstein nahmen das Schloss zum vorübergehenden Hauptquartier für ihren Zug gegen Holstein, im umliegenden Gelände wurden über 30.000 Söldner einquartiert.
Beide zwangen den Dänenherrscher schließlich am 12. Mai (jul.)/ 22. Mai 1629 (greg.) zum Abschluss des Friedens von Lübeck.

Nun tritt aber der machthungrige Gustav Adolf II. von Schweden auf. Ein Mandat für ein Eingreifen  hatte ihm der schwedische Reichstag am 18. Januar 1629 erteilt. Daraufhin landet er am 6. Juli 1630 mit einer 13.000 Mann starken Armee in Peenemünde auf Usedom in Pommern. Die Armee wächst  durch Zulauf bald auf 40.000 Kämpfer.
Es gelang Tilly nicht, Gustav II. Adolfs  Vordringen in Pommern zu verhindern. Der Heerführer überschritt an der Fähre Westerhüsen die Elbe und bezog im Freihof des Dorfes Westerhüsen Quartier. Westerhüsen ist heute ein Stadtteil von Magdeburg.
Im August 1630 wurde Wallenstein abgesetzt so dass Tilly im Laufe des Jahres alleiniger Oberbefehlshaber wurde.

Im November 1630 erhielt er neben seinem Kommando als Heerführer der katholischen Liga die Ernennung zum Generalleutnant auch der kaiserlichen Truppen. Generaloberstfeldhauptmann abgesetzt worden war. Trotz der gesteigerten Machtfülle besaß Tilly jedoch nie die militärische Entscheidungsfreiheit eines Generalissimus', wie sie Wallenstein innegehabt hatte, der genaue Rang nannte sich Generaloberstfeldhauptmann. Tilly müsste ständig die Weisungen der Kriegsräte in Wien und München beachten.
Nicht mit Ruhm bekleckerte er sich dann bei den Vorgängen um Magdeburg. 

 

 

 

 

Das protestantische Magdeburg wurde belagert und erpresst. 150.000 Taler an Tribut sollten fließen. Das Schwedenheer war aber noch nicht wieder kampffähig und man dachte schon an Aufgabe.
Am 20. Mai 1631 eroberte Tilly die Stadt und steckte sie in Brand. Die Soldaten, am schlimmsten wüteten die Söldner seines Generals Gottfried Heinrich zu Pappenheim, richteten ein Blutbad auch unter den Zivilisten an. Nichts war ihnen heilig und es kam zu Vergewaltigungen und anderen Greueltaten bisher nie gewesenen Ausmaßes. Die Verwüstungen der einst einflussreichen Ottostadt gingen so weit, dass diese Magdeburger Hochzeit als Sinnbild für Zerstörung und Grausamkeit, als „Magdeburgisieren“ Eingang in unsere Sprache hatte. Tilly war zwar erschrocken und ließ auch einen Gottesdienst feiern, aber von den einst 35.000 Einwohnern wurden nur noch 449 gezählt.
Diese Ereignisse lösten dann eine bis dahin nicht da gewesene Gewalteskalation im weiteren Kriegsverlauf aus und einen Wendepunkt in der Kriegführung.
Am 15. April 1632 traf es Tilly dann aber. Während der Schlacht bei Rain am Lech wurde er angeschossen. Bei der Verteidigung des Lechüberganges fing er sich eine Kugel ein. Sie war 90 Gramm schwer, stammte neuesten Forschungen nach aus einer Hakenbüchse und zerschmetterte seinen rechten Oberschenkel. Früher wurde noch berichtet, es sei eine Falkon-Kanonenkugel gewesen. Das war aber wohl ein Irrtum. 

Wie auch immer, die Wunde heilte schlecht und löste eine Knochenmarksentzündung (Osteomyelitis) aus, was zu seinem Tode führte. Das war am 30. April 1632 in Ingolstadt. Das Sterbehaus dort ist heute nach ihm benannt, begraben wurde er zunächst in der Ingolstädter Jesuitenkirche. Zwanzig Jahre später wurden seine sterblichen Überreste aber nach Altötting überführt. Sie liegen sichtbar in einem gefensterten Sarg in der Tilly-Gruft der Stiftspfarrkirche St. Philipp und Jakob. Getrennt davon wurde sein Herz in der Altöttinger Gnadenkapelle bestattet. 

Jan van Valckenburg

Wallenstein bekam dann den alten Posten wieder zurück.