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Kai-Uwe von Hassel - das "nüchtern-pragmatische Nordlicht"

Kai-Uwe von Hassel (* 21. April 1913 in Gare, Deutsch-Ostafrika; † 8. Mai 1997 in Aachen) war ein deutscher Politiker (CDU).

Er war von 1954 bis 1963 Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein, von 1963 bis 1966 Bundesminister der Verteidigung, von 1966 bis 1969 Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte und von 1969 bis 1972 Präsident des Deutschen Bundestages.

Konrad Adenauer schätzte ihn als "nüchtern-pragmatisches Nordlicht", der sowohl Schleswig-Holstein als auch die Bundesrepublik geprägt hat.

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Kieler Woche 1962 Empfang des Min. Präs. von Hassel (rechts) für den Bu. Präs. Lübke (links) + Dipl. Corps im Kieler "Kaufmann"

Nach dem Abitur 1933 in Flensburg absolvierte Hassel eine landwirtschaftlich-kaufmännische Ausbildung. Es folgte dann ab 1940 die Teilnahme am Zweiten Weltkrieg. 1943 bis 1945 war Hassel mit dem Dienstgrad eines Leutnants als Dolmetscher in dem von Admiral Wilhelm Canaris geführten Militärgeheimdienst Amt Ausland/Abwehr tätig und geriet anschließend in Kriegsgefangenschaft, aus der er im September 1945 entlassen wurde. Während des Zweiten Weltkrieges wurde er mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.
Danach war er bis 1947 als Angestellter des Landkreises Flensburg beschäftigt.
Seit 1946 war Hassel Mitglied der CDU. 1950 wurde er stellvertretender Vorsitzender und war dann von 1955 bis 1964 schließlich Landesvorsitzender der CDU Schleswig-Holstein, anschließend war er bis 1975 erneut stellvertretender Landesvorsitzender. Von 1956 bis 1969 war er außerdem stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU Deutschlands. Von 1973 bis 1981 war er Präsident der Europäischen Union Christlicher Demokraten. 1968 initiierte Hassel die Gründung der CDU-nahen Hermann Ehlers Stiftung, deren Vorsitzender er lange Jahre war.
Von 1950 bis 1965 war er Mitglied des Landtages von Schleswig-Holstein. Er vertrat dort nacheinander die Wahlkreise Flensburg-Land-West, Schleswig und Flensburg-West. Auch war Hassel von 1953 bis zur Niederlegung seines Mandates am 4. November 1954 und erneut von 1965 bis 1980 Mitglied des Deutschen Bundestages. Am 5. Februar 1969 wurde er zum Nachfolger von Eugen Gerstenmaier, der Ende Januar von seinem Amt zurückgetreten war, zum Präsidenten des Deutschen Bundestages gewählt.
1977 wurde von Hassel für ein Jahr Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, von 1977 bis 1980 war er Präsident der Versammlung der WEU. Vom 17. Juli 1979 bis zum 23. Juli 1984 war er Mitglied des ersten direkt gewählten Europaparlamentes.
Am 11. Oktober 1954 wurde er als Nachfolger von Friedrich-Wilhelm Lübke zum Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein gewählt. Als Ministerpräsident führte er zwei Kabinette, das erste von 1954 bis 1958, das zweite anschließend bis 1963. Als Ministerpräsident Schleswig-Holsteins war er vom 7. September 1955 bis zum 6. September 1956 auch Bundesratspräsident. Hassel war somit bislang der einzige Politiker, der nacheinander sowohl Bundesrats- als auch Bundestagspräsident war.
Als nach der Spiegel-Affäre 1962 der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Strauß zurücktreten musste, wurde Hassel am 9. Januar 1963 als Bundesminister der Verteidigung in die von Bundeskanzler Konrad Adenauer geführte Bundesregierung berufen. Dieses Amt behielt er auch unter Bundeskanzler Ludwig Erhard.

Während der Großen Koalition gehörte Hassel als Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte der von Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger geleiteten Bundesregierung an. 
Am 8. Mai 1997 erlag Kai-Uwe von Hassel während der Karlspreisverleihung in Aachen an den damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog (CDU) einem Herzinfarkt. Acht Tage nach seinem Tod wurde er vom Deutschen Bundestag mit einem Staatsakt im Plenarsaal geehrt.

 

Johann G. Herder