A-Z

Das Urgestein der Sozialdemokratie Ferdinand Lassalle und August Bebel

Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands kurz SPD hat kein Gründungsdatum und wird noch häufig als älteste noch bestehende Partei Deutschlands bezeichnet. Die Partei entstand aus dem 1863 gegründeten Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein und der 1869 gegründeten Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, die sich 1875 zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands zusammenschlossen.

Die Partei selbst beruft sich auf die Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) durch Ferdinand Lassalle, die am 23. Mai 1863 im Leipziger Pantheon stattfand. Dann ist aber die liberale DFP von 1861, eine Vorgängerpartei der heutigen FDP die ältere. Die Geschichte der Partei, die sich den heutigen Namen 1890 gab ist bewegend und spannend.
Ferdinand August Bebel (* 22. Februar 1840 in Deutz bei Köln; † 13. August 1913 in Passugg, Schweiz) war einer der Begründer der deutschen Sozialdemokratie und gilt bis in die Gegenwart als eine ihrer herausragenden historischen Persönlichkeiten. Seine Popularität spiegelte sich in den volkstümlichen Bezeichnungen „Kaiser Bebel“, „Gegenkaiser“ oder „Arbeiterkaiser“ wider. 
"Einmal an Butterbrot tüchtig satt essen" war sein Ideal während seiner von Not und Entbehrungen geprägten Kindheit und Jugendzeit. Als ältester Sohn eines preußischen Unteroffiziers in den Kasematten von Köln-Deutz geboren, wuchs er nach dem Tod von Vater und Stiefvater in Wetzlar auf, wo er nach dem Besuch der Volksschule das Drechslerhandwerk lernte. Die Wanderschaft führte ihn 1860 nach Leipzig. Er schloss sich dort einem Arbeiterbildungsverein an und wurde bald führendes Mitglied in der deutschen Arbeitervereinsbewegung. Von bürgerlich-demokratischen Vorstellungen beeinflusst, lehnte Bebel weitergehende sozialdemokratische Forderungen, wie sie die Anhänger von Lasalle vertraten zunächst ab. Politische und soziale Erfahrungen in den 60er Jahren und nicht zuletzt die seit 1865 bestehende Freundschaft mit Wilhelm Liebknecht beschleunigten jedoch seine "Mauserung zum Sozialisten" (Bebel). Auf dem Nürnberger Vereinstag der deutschen Arbeitervereine 1868 setzte er die Annahme eines sozialdemokratisch orientierten Programms durch. Ein Jahr später zählte er zu den Mitbegründern der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Eisenach. Vor ihm spielte der 15 Jahre ältere Ferdinand Lassalle eine wichtige Rolle. Eigentlich wurde dieser als Ferdinand Johann Gottlieb Lassal 11. April 1825 in Breslau geboren. Lasalle schloss sich während des Studiums in Breslau den Jungheglianern an, der Breslauer Burschenschaft der Raczeks um genau zu sein. 1848/49 beteiligte er sich an radikaldemokratischen Aktionen im Rheinland, wobei es auch zur Zusammenarbeit mit Marx und Engels kam. 1849 zu sechs Monaten Haft verurteilt, zog er sich vorerst von der Politik zurück und führte als Anwalt den aufsehenerregenden Scheidungs- und Vermögensprozess der Gräfin Sophie von Hatzfeldt erfolgreich zu Ende, wofür sie ihm eine Pension aussetzte. Die später auch als "rote Gräfin" bezeichnete Sophie war später auch für einige Jahre Lasalles Lebensgefährten und unterstützte aktiv seine Arbeiterbewegung.
Erst seit 1860 trat Lasalle erneut politisch auf und erklärte sich nun für das Proletariat und gegen den demokratischen Liberalismus, bejahte aber im Gegensatz zu Marx den Staat, der lediglich sozial umzuformen sei. Als Gutachter für das Zentralkomitee zur Berufung eines Allgemeinen Deutschen Arbeiterkongresses in Leipzig plädierte er 1863 für den Kampf um das allgemeine und direkte Wahlrecht als Voraussetzung jeder Verbesserung der Lage der Arbeiter. Im Mai 1863 zum Präsidenten des eben gegründeten Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins gewählt, versuchte er erfolglos den preußischen Ministerpräsidenten Bismarck für das allgemeine Wahlrecht und die Gewährung von Staatskrediten zur Gründung von arbeitereigenen Fabriken zu gewinnen. Die Einführung des allgemeinen Wahlrechtes im Norddeutschen Bund erlebte er nicht mehr. 
So wie es damals noch Sitte in den Bruderschaften war, er war immer noch Mitglied der Breslauer Burschenschaft, forderte er den Vater seiner Liebschaft Helene von Dönniges zum Duell, der seinen zukünftigen Schwiegersohn aus Altersgründen in das Duell schickte. Dieser traf Lasalle in den Unterleib, welches drei Tage später,  am 31. August 1864 in Carouge, einem Vorort von Genf zu seinem Tode führte.
Als Väter der Sozialdemokratie zählt man aber auch Carl Wilhelm Tölcke (* 31. Mai 1817 in Eslohe (Sauerland); † 30. November 1893 in Dortmund). Er gilt als „Vater der westfälischen Sozialdemokratie“ und war kurze Zeit Präsident des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins. Über Jahrzehnte arbeitete August Bebel aber auch mit Wilhelm Liebknecht zusammen. Mit ihm gründete er 1869 die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP).
Wilhelm Philipp Martin Christian Ludwig Liebknecht (geboren am 29. März 1826 in Gießen, Großherzogtum Hessen; gestorben am 7. August 1900 in Charlottenburg) galt als radialdemokratisch, so beteiligte dieser sich vor allem in Baden an der Badischen Revolution.  
Nach dem erfolglosen Ende dieser Revolution lebte er von 1849 bis 1862 dreizehn Jahre im Exil. Zunächst war dies die Schweiz und ab 1850 hielt er sich dann in London auf, wo er als Mitglied des Bundes der Kommunisten zum Kreis von Karl Marx und Friedrich Engels gehörte.
Schon vor der Gründung des Deutschen Reiches als konstitutionelle Monarchie (1871) waren diese zwei zunächst noch konkurrierenden sozialdemokratischen Parteien aufgebaut worden: der reformorientierte Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV), gegründet 1863 auf Initiative von Ferdinand Lassalle, und die im marxistischen Sinne revolutionär eingestellte Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP), gegründet 1869 von Wilhelm Liebknecht, August Bebel und anderen. 



Hier stand in Eisenach der Gasthof „Zum Mohren“, in dem am 9. August 1869 unter der Führung August Bebels und Wilhelm Liebknechts die Sozialdemokratische Partei Deutschlands gegründet wurde.
Wegen ihrer Rolle im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 und ihrer Solidarität mit der revolutionären Pariser Kommune 1871 wurden August Bebel und Wilhelm Liebknecht 1872 beim Leipziger Hochverratsprozess zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt.



 

 

 

 

Der konservative Reichskanzler Otto von Bismarck betrachtete die SAP von Anfang an als „Reichsfeind“ und agierte schon vor den Sozialistengesetzen mit repressiven Maßnahmen gegen die Sozialdemokratie und die noch junge Gewerkschaftsbewegung. Wegen der verschiedenen Einzelbestimmungen in 30 Paragraphen, der jährlichen Neuvorlage und wegen kleiner Modifizierungen spricht man deshalb meistens von den Sozialistengesetzen. 
Die Regeln verboten sozialistische, sozialdemokratische, kommunistische Vereine, Versammlungen und Schriften, deren Zweck der Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung sei.
Zurück in Deutschland wurde Liebknecht während der ersten Jahrzehnte des Kaiserreichs zu einem der profiliertesten sozialistischen Politiker im Reichstag. Dort war er ein bedeutender Kontrahent des Reichskanzlers. 
Im Jahresturnus ab 1879 wurden zunächst die Sozialistengesetze immer wieder verlängert, aber  am 25. Januar 1890 wurde die weitere Gültigkeit der Sozialistengesetze  im Reichstag abgelehnt. 
Im Jahr 1875 war August Bebel noch an der Vereinigung mit dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV) zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) beteiligt. Während der Repressionen durch die Sozialistengesetze entwickelte er sich dann zur zentralen Person der deutschen Sozialdemokratie. Ab 1892 war er einer der beiden Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), wie sich die SAP 1890 nach Aufhebung der Gesetze nannte. In den folgenden Jahren repräsentierte er zwischen einem linken und einem „revisionistischen“ Flügel das sogenannte marxistische Zentrum der SPD.
Nach dem Außerkrafttreten des Sozialistengesetzes änderte die Partei ihren Namen in „Sozialdemokratische Partei Deutschlands“.

Das Ableben von August Bebel am 13. August 1913 in der Schweiz durch Herzversagen erschütterte viele Sozialdemokraten, zu seinem Begräbnis in Zürich erschienen 50.000 Trauergäste, darunter übrigens auch der Lübecker Gustav Radbruch, der spätere Reichsjustizminister.
Nach dem Tode August Bebels 1913 übernahm dann der deutlich gemäßigte Friedrich Ebert die Führung der Partei, die er sich mit Hugo Haase teilte.