A-Z

Martin Luther

 

"Neulich traf ich Martin Luther,
Er kaufte grade zwei Pfund Butter.
Was auch nicht verwunderlich war,
Weil es im Reformhaus war."

 

Diese Blödelei, gehört beim Komiker Otto, drückt die enge Verbundenheit vom einstigen Pfarrer und Kirchenprofessor zur wichtigsten gesellschaftlichen Änderung in Europa, der Reformation aus.


Briefmarke Martin Luther

Martin Luther (* 10. November 1483 in Eisleben, Grafschaft Mansfeld; † 18. Februar 1546 ebenda) war der theologische Urheber der Reformation. 

Seine Betonung des gnädigen Gottes, seine Predigten und Schriften und seine Bibelübersetzung, die Lutherbibel, veränderten die von der römisch-katholischen Kirche dominierte Gesellschaft in der frühen Neuzeit nachhaltig. 

Luther verfolgte aber nie eine Kirchenspaltung. Trotzdem kam es zur Bildung evangelisch-lutherischer Kirchen und weiterer Konfessionen des Protestantismus.

Vom Adel und der Kirche verfolgt blieb Luther bis zum 1. März 1522 inkognito als „Junker Jörg“ auf der Wartburg. Auf Anraten Melanchthons übersetzte er im Herbst 1521 das Neue Testament in nur elf Wochen ins Deutsche. 
Als Vorlage diente ihm ein Exemplar der griechischen Bibel des Erasmus von Rotterdam, zusammen mit dessen eigener lateinischen Übersetzung sowie der Vulgata. 

Er begann mit dem Neuen Testament in deutscher Sprache, erschienen im September 1522 („Septembertestament“). Schon 1525 besaßen rund ein Drittel aller lesekundigen Deutschen dieses Buch. Eine nicht unwesentliche Rolle spielte dabei die Medienrevolution ausgelöst durch die Erfindung der Buchdruckerkunst durch Johannes Gutenberg.
Martin Luther benötigte noch einige Jahre bis 1534 nämlich um zusammen mit einem Kreis aus Reformatoren und Professoren-Kollegen das übrige Alte Testament aus damals wiederentdeckten Handschriften der Masoreten zu übersetzen; beide Testamente zusammen – einschließlich der Apokryphen – bilden die berühmte Lutherbibel.

Er übersetzte weniger wörtlich, sondern versuchte, biblische Aussagen nach ihrem Wortsinn (sensus literalis) ins Deutsche zu übertragen. Dabei legte er die Bibel gemäß seiner Auffassung von dem, „was Christum treibet“ – Gottes Gnade in Christus als Ziel und Mitte der ganzen Schrift – aus. Er wollte „dem Volk aufs Maul schauen“ und verwendete daher eine kräftige, bilderreiche, volkstümliche und allgemein verständliche Ausdrucksweise. Sie wirkte bis zur Gegenwart stil- und sprachbildend. So ersann er Ausdrücke wie Feuertaufe, Bluthund, Selbstverleugnung, Machtwort, Schandfleck, Lückenbüßer, Gewissensbisse, Lästermaul und Lockvogel.
Metaphorische Redewendungen wie „Perlen vor die Säue werfen“, „ein Buch mit sieben Siegeln“, „die Zähne zusammenbeißen“, „etwas ausposaunen“, „im Dunkeln tappen“, „ein Herz und eine Seele“, „auf Sand bauen“, „Wolf im Schafpelz“ und „der große Unbekannte“ gehen auf ihn zurück.
Luther gehört zu den am häufigsten abgebildeten Personen der deutschen Geschichte. 
Er war die erste Person des christlichen Mittelalters, die ähnlich wie katholische Heilige bildlich verehrt wurde.
Schon zu Lebzeiten schuf die Cranach-Werkstatt rund 500 Bilder von ihm, davon mindestens 306 Porträts. Viele davon beruhen auf elf Porträts, die Lucas Cranach der Ältere und seine Söhne als Hofmaler des sächsischen Kurfürsten herstellten und für die Luther Modell saß. Originale Federzeichnungen erstellte außerdem Johann Wilhelm Reifenstein, der auch die Lutherrose schuf. Das Totenbild schuf Lucas Furtenagel. Zudem malten fast alle damalige wichtigen Künstler nicht persönlich autorisierte Lutherbilder. Nur Albrecht Dürer, der Luthers Lehren seit 1520 anhing und wünschte, ihn abbilden zu dürfen, fehlt aus unbekannten Gründen.
Im 19. Jahrhundert erhielten viele deutsche Städte ein Lutherdenkmal. In vielen Orten sind Straßen und Plätze nach Luther benannt, so seit dem 16. September 2015 die Piazza Martin Lutero in Rom. Zum 500. Luthergeburtstag 1983 prägte die Bundesrepublik Deutschland eine Gedenkmünze.



Viele Kirchengebäude heißen Lutherkirche zum Beispiel die Martin-Luther-Kirche in Trittau.
Luthers 95 Thesen zum Ablasswesen lösten 1517 die Reformation aus. Deshalb feiert man 2017 ein Lutherjahr.
Er kritisierte die Praxis des Ablasshandels und stellte die Kraft des Glaubens dagegen, der allein auf die Gnade Gottes vertraut. 
Seit 1514 war Luther nicht nur Theologieprofessor an der Wittenberger Universität, sondern auch Prediger in der Wittenberger Stadtkirche.
Schon vor dem 31.10.1517 hatte Luther sich in Predigten gegen den Ablasshandel ausgesprochen. An diesem Tage aber schreibt er, nachdem er eine Instruktionsschrift für Ablasshändler gelesen hat, an seine kirchlichen Vorgesetzten. Er hofft, damit den Missstand beheben zu können. Den Briefen legt er 95 Thesen bei, die als Grundlage für eine Disputation zu diesem Thema dienen sollten.
Dass er an besagtem Tag seine Thesen mit lauten Hammerschlägen an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg genagelt haben soll, gehört aber wohl in das Reich der Legenden (Die Legende vom Thesenanschlag). Der 31.10. war dann lange Jahre in Deutschland ein Feiertag, 2017 ist er es dann einmalig wieder.

Martin Luther war auch ein bedeutender Dichter von Kirchenliedern, er selbst schätzte die Musik und sah im Singen und besonders im Gemeindegesang eine wichtige Möglichkeit zur Verkündigung, die auch die emotionale Seite der Menschen erreicht. Seine ersten Lieder entstanden 1523, in diesem Jahr schrieb er Text und Musik zu Nun freut euch, liebe Christen g'mein (EG 341), dann Psalmlieder, darunter Text und Melodie für Aus tiefer Not schrei ich zu dir (EG 299), übersetzte lateinische Hymnen wie Nun komm, der Heiden Heiland (EG 4), erweiterte die Texte mittelalterlicher Lieder wie Gelobet seist du, Jesu Christ (EG 23) und Nun bitten wir den Heiligen Geist (EG 124), verfasste und komponierte Katechismuslieder. 
Bis 1529 kamen liturgische Gesänge hinzu, darunter z.B. Ein feste Burg ist unser Gott (EG 362), das Lied, das zur Hymne der Reformation wurde. Weitere Lieder verbreiteten sich schnell mit den Neuauflagen der refomatorischen Gesangbücher, so Text und Melodie des heutigen Weihnachtsliedes Vom Himmel hoch, da komm ich her (EG 24), Die Lieder Luthers entfalteten große Wirkung bei der Ausbreitung der Reformation, was ihm den Titel Nachtigall von Wittenberg einbrachte. Auch das katholische Gotteslob enthält fünf Lieder, die mindestens teilweise von Luther stammen, darunter Aus tiefer Not schrei ich zu dir (GL 163).


Am 13. Juni 1525 heiratete Luther die 1523 aus dem Kloster Nimbschen bei Grimma entflohene Nonne Katharina von Bora, die seitdem Zuflucht in Wittenberg gefunden hatte. Sie führte ihm den Haushalt, vor allem kümmerte sie sich um seine Finanzen, mit denen Luther, wie oft nachzulesen ist, gar nicht umgehen konnte. Sie erweist sich außerdem als gute Hausfrau und Gärtnerin.

In seinen letzten Lebensjahren hat Luther mit verschiedenen körperlichen Leiden zu kämpfen. Außerdem trifft ihn der Tod seiner Tochter Magdalena 1542 schwer.

Luthers Verhältnis zu Andersgläubigen, insbesondere zu den Juden, verschlechtert sich in diesen Jahren sehr. Hatte er 1523 noch mit der Schrift "Daß Jesus ein geborener Jude sei" eine versöhnliche Haltung gezeigt, so verurteilt der alternde Reformator nun alle, die sich nicht bekehren lassen wollen. Aus dieser Stimmung mag auch 1543 die stark antijüdische Schrift "Von den Juden und ihren Lügen" entstanden sein.
Seine Lehrtätigkeit an der Wittenberger Universität führt er ebenfalls bis an sein Lebensende weiter, die letzte Vorlesung endet mit seinen berühmten Worten: "Ich bin schwach, ich kann nicht mehr."

2003 entstand eine internationale Co-Produktion. Verfilmt wurde sein Leben mit Joseph Fiennes und vielen deutschen Schauspielern wie Mathieu Carrière zum Beispiel.
Die Rolle des Friedrich der Weise in Luther war die letzte, die Sir Peter Ustinov spielte, bevor dieser im März 2004 verstarb.

 

 

 

 

Joachim Mähl