A-Z

Paul von Schoenaich und die Friedensbewegung

Paul Eugen Freiherr von Hoverbeck genannt von Schoenaich (Pseudonym: Eugen Hover; * 16. Februar 1866 in Klein Tromnau, Kreis Rosenberg in Westpreußen; † 7. Januar 1954 in Reinfeld) war ein deutscher Offizier, zuletzt Generalmajor der Reichswehr.

Später wirkte er als politischer Aktivist und Publizist. Er war u.a. Präsident der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG).
Sein liberal gesinnter Vater, Eduard Freiherr von Hoverbeck genannt von Schoenaich starb, als er 14 Jahre alt war, fünf Jahre später seine orthodox-religiöse Mutter, eine geborene Freiin von Buddenbrock.
Von 1883 bis 1887 diente er in der Kaiserlichen Marine (u.a. auf SMS Oldenbourg; zuletzt als Leutnant zur See), trat dann aber in die Preußische Armee über und war von 1887 bis 1907 beim 2. Garde-Dragoner-Regiment in Berlin stationiert.
Danach war er als Kavalleriereferent im Kriegsministerium tätig, ab 1913 war er Oberstleutnant und Kommandeur des Husaren-Regiment „Königin Wilhelmina der Niederlande“ (Hannoversches) Nr. 15 in Wandsbek. Im Ersten Weltkrieg kommandierte Schoenaich zunächst das Kurmärkische Dragoner-Regiment Nr. 14 in Frankreich und dann in Polen. Ab Sommer 1915 war Schoenaich wieder im Kriegsministerium tätig. Seine Leistungen wurden durch die Verleihung beider Klassen des Eisernen Kreuzes und des Offizierkreuzes des Bayerischen Militärverdienstordens mit Schwertern gewürdigt.
1919 wurde er Kommandeur der Kavallerie in Berlin. Im April 1920 schied Schoenaich aufgrund eines Konflikts mit General Walther von Lüttwitz auf dessen Betreiben als Generalmajor aus der Reichswehr aus und zog sich auf sein Gut nach Reinfeld zurück.
Er gehörte in den Jahren 1918 bis 1928 der Deutschen Demokratische Partei (DDP) an. Die Deutsche Demokratische Partei (DDP) war eine linksliberale Partei in der Weimarer Republik. Sie ging 1918 aus der Fortschrittlichen Volkspartei hervor, die 1917/1918 mit Friedrich von Payer an den letzten zwei Reichsregierungen des Kaiserreichs beteiligt war.
1922 wurde er Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG), deren Präsident er von 1929 bis 1933 war. Darüber hinaus war er Mitglied im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, im Bund der Freunde der Sowjetunion, in der Deutschen Gesellschaft für Menschenrechte und im Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne. Gemeinsam mit Bertrand Russell und Albert Einstein unterzeichnete er 1926 das „Manifest gegen die Wehrpflicht“. Als er 1929 Präsident der DFG wurde, verstand er sich als überzeugt pazifistisch. 1930 trat er der Linksabspaltung der DDP, Radikaldemokratische Partei (RDP), bei. Nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ 1933 wurde er kurzzeitig verhaftet.
1945 gehörte Schoenaich kurzzeitig der CDU an. 1946 übernahm er bis 1951 erneut das Präsidium der DFG, womit eine Kontinuität mit der Weimarer Zeit hergestellt werden sollte. Schon Mitte 1946 hatte die DFG fünf funktionierende Landesverbände, bis Herbst 1948 wuchs die Mitgliederzahl auf über 10.000 an. Die DFG forderte in den ersten Jahren die Aufnahme von Artikeln über die Kriegsächtung in die Landesverfassungen, ihrer Forderung nach einem Recht auf Kriegsdienstverweigerung kamen vier Landesverfassungen nach, vor allem aber das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland. Seine Abwahl als DFG-Vorsitzender 1951 war Resultat von Differenzen innerhalb der DFG über die Haltung zur Volksbefragung gegen die Remilitarisierung und für einen Friedensvertrag, deren Hauptausschuss Schoenaich angehörte. Er wurde aber 1952 zum Ehrenvorsitzenden der DFG gewählt.
Er erhielt den Titel Ehrendoktor (Dr. med. vet. h.c.), Tierärztliche Hochschule Berlin (1918).
Die Hauptstraße in der Innenstadt von Reinfeld und das kleine Parkgelände gegenüber der Matthias-Claudius-Kirche trägt seinen Namen. 

 

Martin Schongauer