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Robert Koch und die Cholera in Hamburg 1892

Robert Koch (* 11. Dezember 1843 in Clausthal; † 27. Mai 1910 in Baden-Baden; vollständiger Name Heinrich Hermann Robert Koch) war ein deutscher Mediziner und Mikrobiologe.

Koch gelang es 1876, den Erreger des Milzbrands (Bacillus anthracis) außerhalb des Organismus zu kultivieren und seinen Lebenszyklus zu beschreiben. Dadurch wurde zum ersten Mal lückenlos die Rolle eines Krankheitserregers beim Entstehen einer Krankheit beschrieben. 1882 entdeckte er den Erreger der Tuberkulose (Mycobacterium tuberculosis) und entwickelte später das vermeintliche Heilmittel Tuberkulin. 1905 erhielt er den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Robert Koch ist damit – neben seinem Konkurrenten Louis Pasteur in Paris – zum Begründer der modernen Bakteriologie und Mikrobiologie geworden. Er hat grundlegende Beiträge zur Infektionslehre sowie zum Aufbau der Tropenmedizin in Deutschland geleistet.

Briefmarke Robert Koch

Ab 1862 studierte Robert Koch Philologie in Göttingen, entschied sich aber noch im ersten Semester für Medizin. Unter anderem hörte er Physik bei Wilhelm Weber und Chemie bei Friedrich Wöhler. In der Medizin wurden der Anatom Jakob Henle, der Physiologe Georg Meissner und der Kliniker Karl Ewald Hasse zu seinen prägenden Lehrern. 1866 schloss er das Studium mit der Promotion ab. Vor Ablegung des Staatsexamens studierte er noch für kurze Zeit bei Rudolf Virchow in Berlin. Es folgten ärztliche Tätigkeiten am Allgemeinen Krankenhaus in Hamburg, dann bis 1868 an der Landesheil- und Pflegeanstalt (heute Nervenklinik) sowie als Landarzt in Langenhagen bei Hannover.

Cholera in Hamburg

Vermutlich hat sogar Koch selbst bereits 1866, als er als junger Arzt in Hamburg Cholera-Leichen sezierte, Cholera-Bakterien gesehen, maß seiner Beobachtung damals jedoch keine Bedeutung zu.

Die Choleraepidemie von 1892 in Hamburg war der letzte große Ausbruch der Cholera in Deutschland. Wahrscheinlich wurde sie mit dem Strom russischer Auswanderer eingeschleppt, der nach einer Hungersnot und antisemitischen Pogromen die Hafenstadt passierte. Der erste Fall wurde am 15. August diagnostiziert, aber erst acht Tage später gaben die Behörden zu, dass eine Seuche in der Stadt ausgebrochen war. Noch vor der offiziellen Bekanntgabe der Epidemie schickte der preußische Gesundheitsminister Robert Koch nach Hamburg. Koch äußerte nach einer Inspektion des Gängeviertels den berühmt gewordenen Satz: „Ich vergesse, daß ich in Europa bin!“ Vielen Angehörigen des Bürgertums wurde erst durch die Epidemie bewusst, in welchem Schmutz und Elend ein großer Teil der Bevölkerung lebte.
Die Hamburger Mediziner waren mit den bakteriologischen Methoden zum Nachweis des Cholera-Erregers noch nicht vertraut. Koch setzte Seuchenbekämpfungsmaßnahmen durch, die von einem Bakterium als Ursache ausgingen. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, Trinkwasser abzukochen; Wohnungen von Erkrankten wurden von speziellen Desinfektionskolonnen gereinigt. Als einzig handlungsfähige Organisation erwiesen sich in der Krise die Sozialdemokraten, die Flugblätter mit Verhaltensratschlägen an alle Haushalte verteilten. Als die Epidemie im Oktober auslief, waren rund 8.600 Menschen gestorben.
Die Teilung Finkenwerders, der nördliche Teil war seit 1445 hamburgisch, der südliche Teil gehörte bis 1814 zum Herzogtum Braunschweig-Lüneburg wirkte sich besonders während der Cholera-Epidemie aus, als es den Bewohnern der Hamburger Seite bei Todesstrafe verboten war, in den Südteil der Insel zu reisen. Trotzdem kamen viele aus dem Nordteil, um am evangelischen Gottesdienst in der Kirche teilzunehmen, die direkt hinter der Landscheide auf der Lüneburger Seite liegt.
Als Faktoren, die die Cholera begünstigt hatten, wurde ermittelt, dass Tausende von Toiletten noch nicht an die Kanalisation angeschlossen waren; die Flut drückte verschmutztes Hafenwasser in die zentrale Wasser-Entnahmestelle, die zwei Kilometer flussaufwärts lag. Über den Bau einer Sandfiltrationsanlage hatten Senat und Bürgerschaft sich nicht einigen können.
Nach der Epidemie wurden eine neue Müllverbrennungsanlage und Filtrierwerke in Betrieb genommen. Unter Kochs Leitung wurden Fortbildungskurse für Medizinalbeamte angeordnet und 1893 der Koch-Schüler Bernhard Nocht auf die Position des Hafenarztes berufen. Eine weitere unmittelbare Folge der Epidemie ist auch, dass das Berufsbeamtentum in Hamburg eingeführt wurde.


 

Koch und die Tuberkulose

Am 24. März 1882 hielt er vor der Berliner Physiologischen Gesellschaft einen bereits damals als sensationell angesehenen Vortrag zum Thema "Die Ätiologie der Tuberkulose", in dem er aufgrund von neuen Färbemethoden und Tierversuchen den Nachweis eines bakteriellen Erregers der Tuberkulose erbrachte. Er war damals bereits Regierungsrat am Kaiserlichen Gesundheitsamt Berlin. Erst dieser Erregernachweis ermöglichte die Zuordnung der weitverbreiteten Volksseuche Tuberkulose, der damals ein Siebtel der Bevölkerung zum Opfer fiel, in den Bereich der Infektionskrankheiten. Diese Entdeckung hatte wichtige Änderungen in den damaligen Bekämpfungsmaßnahmen zur Folge. Weil ein direkter Angriff auf den Krankheitserreger therapeutisch noch nicht möglich war, standen die Isolierung der ansteckungsfähig Erkrankten in Spezialkliniken und Desinfektionsmaßnahmen für die Umgebung künftig im Vordergrund.
Anschließend bemühte er sich intensiv damit, aus Substanzen des Erregers nun auch ein Heilmittel gegen diese Seuche zu finden, das auf dem Umweg über körpereigene Reaktionen des Patienten den Erreger in seinem Wachstum beeinflussen sollte. Das aus nichtinfektiösen Kulturfiltraten von Tuberkulosebakterien gewonnene Substrat, das von ihm "Tuberkulin" genannt wurde, erfüllte trotz anfänglicher Hoffnungen seine hochgestellten therapeutischen Erwartungen nicht. Doch wurde dieses Tuberkulin ein bis heute für die Tuberkulosebekämpfung unentbehrliches Diagnostikum, da seine Anwendung im Hauttest einen empfindlichen Nachweis auch alter, ruhender Infektionen ermöglicht, die nicht bzw. noch nicht zu Erkranungsformen geführt haben.
1905 wurde Robert Koch der Nobelpreis zugesprochen, hauptsächlich für die Entdeckung des Tuberkulose-Erregers.
Erst etwa 60 Jahre nach dieser Entdeckung waren die vielfältigen Bemühungen erfolgreich, Medikamente zu entwickeln, die den Krankheitserreger direkt anzugreifen und in wenigen Wochen abzutöten vermögen, ohne den Patienten zu schädigen. Die damit verbundene rasche Beseitigung der vorher gefürchteten Bakterienstreuung durch Tuberkuloseerkrankte führte zu einem drastischen Rückgang der Infektions- und Krankheitsfälle. Inzwischen ist durch die Entwicklung weiterer Medikamente praktisch jede Tuberkuloseform erfolgreich zu behandeln. So kann dank der wegbereitenden Entdeckung Robert Kochs damit gerechnet werden, dass die einstige Volksseuche Tuberkulose überall auf der Welt sofort eingedämmt werden kann. 

Unter anderem die Robert-Koch-Schule Hamburg trägt jetzt seinen Namen.


 

David Kross