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Rudolf Lorenzen

Rudolf Lorenzen (* 5. Februar 1922 in Lübeck; † 27. November 2013 in Berlin) war ein deutscher Journalist und Schriftsteller.

Lorenzen wuchs in Bremen auf. Er besuchte das Realgymnasium und machte eine Ausbildung zum Schiffsmakler. Während des Zweiten Weltkriegs war er beim Arbeitsdienst und Soldat. Nach Kriegsende studierte er Grafik und arbeitete anschließend in der Werbebranche, unter anderem als Werbetexter in der bayrischen Provinz.

Seit 1955 lebte Lorenzen in Berlin, wo er zunächst als Journalist bei Tageszeitungen, Periodika und Rundfunk tätig war. Die Journalistin und Autorin Annemarie Weber (1918–1991), die er später heiratete, animierte ihn zu literarischen Texten. Mit einer seiner ersten Arbeiten, der Erzählung Kein Soll mehr und kein Haben unter dem damaligen Titel Der junge Mohwinkel, gewann er 1957 überraschend einen Schreibwettbewerb der Süddeutschen Zeitung.

Durch den Erfolg motiviert, betätigte Lorenzen sich seitdem als Schriftsteller. Er schrieb unter anderem Essays, Feuilletons, Reportagen und Satiren, jedoch auch Kurzgeschichten und Erzählungen. Bereits 1959 erschien sein erster Roman Alles andere als ein Held; für das umfangreiche Werk hatte er das Material aus seiner prämierten Erzählung umgearbeitet. Die Gruppe 47 lud ihn anschließend zur Teilnahme an ihren Treffen ein; Lorenzen, der sich als Einzelgänger sah, verzichtete aber darauf. Sein zweiter Roman Die Beutelschneider folgte 1962. Nebenher begann er mit der Arbeit an Fernsehdokumentationen, Hörspielen und Spielfilmen.

Als ab Mitte der 1980er Jahre viele Redaktionen die Veröffentlichung von erzählender Prosa einstellten, musste auch Lorenzen auf die weitere Produktion von Erzählungen und Feuilletons verzichten. Der Erzählband Kein Soll mehr und kein Haben, in dem eine Auswahl seiner Erzählungen aus dem Zeitraum von 1955 bis 1980 enthalten ist, erschien zu seinem 85. Geburtstag am 5. Februar 2007 und als Auftakt einer umfassenden Werkschau im Verbrecher Verlag.

Über sein Werk sagte er: „Die Menschen machen sich alle was vor – das ist mein Thema.“

 

Nikolaus von Luckner