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Der heilige Vizelin (Vicelin) von Oldenburg

Vicelin ist als “Apostel der Slawen” in die Kirchengeschichte eingegangen. Seine Missionstätigkeit galt vor allem den Wagriern. Sie gehörten zum westslawischen Volksstamm der Abotriten und wohnten zwischen Trave und Schwentine, also auch in einem Teil des heutigen Kreises Stormarn

Die Wagrier und die mit ihnen zum Stammesverband gehörenden Abotriten wehrten sich jedoch gegen die enge Verbindung von Mission und sächsischer Expansionspolitik. Im Slawenaufstand von 1066 entlud sich ihre Wut gegen den mächtigen Staat an ihrer Westgrenze, abgegrenzt durch den Limes Saxoniae. Östlich dieser Linie Kiel - Bad Oldesloe war das Christentum praktisch ausgerottet worden. Erst 60 Jahre später begann sich das Blatt wieder zu wenden. Als der Bremer Domherr Vicelin im Jahre 1126 nach Noralbingien gerufen wurde, konnte er die christliche Mission auf eine neue Grundlage stellen und die slawischen Wenden zum christlichen Glauben bekehren. Mit dem “Vorbild des heiligmäßigen Menschen” beginne Vicelin “die Welt zu verwandeln”, schrieb Helmold von Bosau, der dort als Priester zur Zeit Vicelins wirkte. In seiner “Slawenchronik” finden wir im wesentlichen das, was wir heute über Vicelin wissen. 

Vicelin oder Vizelin - dieser Name leitet sich vom althochdeutschen Wessel (Wetzel, Wizo) ab und bedeutet “der Weise” für die Person dieses Mannes jedoch wohl im Sinne von “teilhaben an göttlicher Weisheit”, bestand doch sein Lebenswerk darin, an der Ausbreitung des Christentums im Rahmen göttlicher Heilsgeschichte mitzuwirken.

Vicelin wurde um 1090 in Quernheim bei Hameln als Sohn begüterter Eltern geboren, die er jedoch in frühen Kindesjahren verlor. Der begabte Junge wurde zunächst von der Mutter des Grafen von Everstein erzogen und auf die Stiftschule in Hameln geschickt. Wegen Unstimmigkeiten mit dem Burgkaplan verließ er Hameln jedoch Hals über Kopf und wechselte zur Domschule nach Paderborn. Dort stach er als Musterschüler hervor. Nach der eigenen Schulausbildung wurde er an die Domschule von Bremen berufen und übernahm auch bald deren Leitung. Auf Wunsch seines Erzbischofs Adalbero begab Vicelin sich zur weiteren Ausbildung nach Paris. Nach Beendigung seines Studiums zog er nach Magdeburg zu Norbert von Xanten, der in diesem Jahr zum Erzbischof eingesetzt worden war. Norbert weihte Vicelin zum Priester, den nun glühender Eifer für das Reich Gottes erfasste und der einen entsprechenden Wirkungskreis suchte. Der Bremer Erzbischof Adalbero, zu dem Vicelin zurückgekehrt war, betraute ihn mit der Wendenmission. Zunächst schienen die politischen Ereignisse die Aussichten auf eine erfolgreiche Missionierung schwinden zu lassen. Doch bald sollte sich eine neue Gelegenheit bieten:
1127 begab sich Erzbischof Adalbero auf eine Visitationsreise nach Dithmarschen. In Meldorf bat ihn eine Abordnung von Faldera, dem heutigen Neumünster, um einen Priester an der Grenze zum Slawenland. Vicelin wurde sogleich für diese Aufgabe ausersehen. 
Bald konnte Vicelin mit seinen Gefährten ein Kloster mit der späteren Bezeichnung Novum Monasterium - Neumünster gründen. Die Missionserfolge waren jedoch nicht allzu groß. Die erste christliche Siedlung im Slawenland jenseits der Trave entstand wenige Jahre später als Urzelle des heutigen Bad Segeberg. Unter dem Schutz der Burg, die Kaiser Lothar auf Anraten Vicelins errichten ließ, konnte wie in Neumünster ein Augustiner-Chorherrenstift entstehen. Die Slawen waren über diese Entwicklung nicht gerade glücklich, wie Helmold in seiner Chronik berichtet: sie sahen das ganze Gebiet von Plön bis Ratzeburg bedroht. “Und wer trägt die Schuld an alledem?” lässt Helmold in einem Zwiegespräch einen Slawenfürsten fragen, worauf der andere mit Hinweis auf Vicelin sagt: “Siehst Du den kleinen Kahlkopf dort beim Kaiser stehen? Der hat dieses ganze Unglück über uns gebracht.
Erst zwanzig Jahre später wurde eine ungehinderte christliche Missionierung Ostholsteins möglich. 1149 wurde Vicelin Bischof von Oldenburg/Holstein. Die Ernennung zum Bischof war überschattet vom Investiturstreit, sie war ohne Zustimmung der weltlichen Obrigkeit erfolgt.
Diese Umstände erschwerten die Arbeit Vicelins sehr; er erlitt sogar einen leichten Schlaganfall, von dem er sich aber bald erholen konnte. Sechs Jahre lang im Bischofsamt, festigte Vicelin sein Wirken durch die Gründung zahlreicher Klöster und Kirchen, u.a. Oldenburg, Sarau, Plön, Bornhöved, Bosau, Süsel, Rensefeld, Lübeck.

 

 

 

 

Wohl in die Zeit zwischen 1149 und 1154, wahrscheinlich aber vor Mitte 1152, fällt die Weihe der Kirche zu Bad Oldesloe. Probst Sido von Neumünster, ein Schüler Vicelins, bezeugt, dass Bischof Vicelin in eigener Person die Kirche in Bad Oldesloe geweiht und sie unter den Schutz des Hl. Petrus gestellt habe. Der Heilige Petrus ziert noch heute die Mitte des Oldesloer Stadtwappens. Die Petrus-Kirche soll an der Stelle gebaut worden sein, an der zuvor ein Wald- und Quellengott verehrt wurde, was zu jener Zeit gern praktiziert wurde, um damit die Kraft und Überlegenheit der Christlichen Kirche gegenüber den alten Gottheiten zu demonstrieren. Da Vicelin in den beiden letzten Lebensjahren wegen eines erneuten Schlaganfalls nicht mehr in der Lage war, zu reisen, muss man als spätestes Weihejahr der Oldesloer Kirche 1152 annehmen.

Nachdem er in jenem Jahr die Kirche in Bosau geweiht hatte, kehrte er nach Neumünster zurück. Dort erlitt er nach einer Woche einen Schlaganfall, dessen Folgen er zwei Jahre zu erdulden hatte: Er war rechtsseitig gelähmt und konnte nicht mehr sprechen, Vicelin starb am 12. Dezember 1154 in Faldera. Der Gedenktag des Vicelin als Heiliger ist deshalb der 12. Dezember

In der Festschrift zum Neubau der katholischen Kirche zu Bad Oldesloe 1968 lesen wir: “Bischof Vicelin ist als Missionar des 12. Jahrhunderts für alle in Bad Oldesloe und Umgebung lebenden Christen der geistige Vater des einen Glaubens. Sein Name sollte Appell sein für die Erhaltung des gemeinsamen Erbes in ökumenischer Verantwortung.

Die um 1150 geweihte St.-Petri-Kirche ging 1415 durch Kriegsereignisse in Flammen auf. Die neue, auf ihren Grundmauern errichtete Kirche hieß nun “kerke sante Peters und sante Pawels”. Ein gutes Jahrhundert später brannte auch diese Kirche durch Blitzschlag bis auf die Außenmauern nieder.
1763 wurde die neue, für knapp 8000 Reichstaler erbaute Kirche eingeweiht.


Text: zum größten Teil Rita Bolzmann, Oldesloer Stadtkurier (April 1994)

 

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