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Historischer Ort - Deichstrasse

Kommt man aus der Hamburger Innenstadt mit den vielen modernen Bürohochhäusern an geraden breiten Straßen erwartet einen hier das genaue Gegenteil. Gebogen, eng und vor allem ganz altertümlich.

Die Ansammlung von meist historischen Bürgerhäusern steht auf einem Deich, was der Name schon verrät, zwischen Straße und Nikolaifleet. Die Straße liegt jenseits von Cremon und Grimm im Stadtteil Altstadt. Sie verläuft von der Willy-Brandt-Straße zur Straße Kajen und stellt somit eine Verbindung zwischen dem Viertel rund um das Rathaus und der Speicherstadt beziehungsweise HafenCity dar. Die Straße ist größtenteils Fußgängerzone. 

Deichstraße

Cafes, Restaurants wie der Kartoffelkeller zum Beispiel, auch kleine Boutiquen im Fußgängerzonenbereich laden jetzt ein einen Augenblick innezuhalten.
Die Straße wurde erstmals 1304 in Urkunden erwähnt.
Hier stehen jetzt Häuser, die vor der Zerstörung des „alten Hamburg“ im Großen Brand, dem Zweiten Weltkrieg und durch Abrissmaßnahmen 1950 bis 1980 weite Teile der Hamburger Innenstadt prägten, die sogenannten althamburgischen Bürgerhäuser. Das älteste Haus wird wohl Nr. 47 sein, es wurde z.B. 1658 erbaut.
Die Fachwerkhäuser sind mehrgeschossig, zur Fleetseite ist das Fachwerk sichtbar, zur Straßenseite überwiegen barocke, repräsentative Fronten. Sie vereinen Kontor-, Wohn- und Lagerhaus unter einem Dach. Vom Nikolaifleet aus wurden die dort wohnenden Kaufmänner mit Waren beliefert. 
Dies Fleet verbindet heute wie damals die Binnenalster mit der Norderelbe und bis zum Jahr 1842 führte es in den Alsterhafen an der Trostbrücke.
Das änderte sich aber schlagartig, im Hinterhaus der Deichstraße Nr. 42 beim Cigarrenmacher Cohen offenbar, Gelehrte streiten sich aber noch, brach im Jahre 1842 der Große Brand aus.
Am 5. Mai gegen ein Uhr nachts soll es gewesen sein: "Füer in de Diekstraat!" wurde gerufen, Panik machte sich breit. Bis zum 8. Mai 1842 dauerte es und veränderte die Ansicht der heutigen Altstadt grundlegend. Das Feuer war noch in einer Entfernung von über 50 Kilometern sichtbar. Binnenalster und Glockengießerwall geboten der Ausbreitung des Feuers schließlich Einhalt, und am 8. Mai brannte das letzte Haus in der Straße Kurze Mühren. Die Verlängerung der Kurzen Mühren zum Ballindamm hin heißt deshalb heute Brandsende. 

Nikolaifleet

Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg gab es eine große Auswanderungswelle. Über Hamburg wollte man per Schiff nach Übersee. Die Wartezeit bis zur Abfahrt der Schiffe verbrachte man in zahlreichen Auswandererherbergen, ab 1892 vor allem auch in Massenunterkünften auf dem Amerikakai bzw. auf der Veddel. Auch in der Deichstraße befanden sich mehrere solcher Herbergen. Ungezählte Menschen brachen von hier in eine ungewisse, doch mit grossen Hoffnungen verbundene Zukunft auf.
Bereits 1909 wanderte dann eine komplette Diele des Hauses Deichstraße 53 in das Hamburg-Museum, das damals noch Museum für Hamburgische Geschichte hieß, wo sie heute einen eigenen Raum bildet. 
In der Nähe sind das Mahnmal St. Nikolai, die Hauptkirche St. Katharinen, die Speicherstadt und die Elbphilharmonie.

 

Köhlbrandbrücke