A-Z

Dom zu Lübeck

Der Lübecker Dom ist der erste große Backsteinkirchbau an der Ostsee und mit 130 Metern Länge eine der längsten Backsteinkirchen.

1247 ist der Dom geweiht worden. Patrone sind die Heiligen Johannes der Täufer und wie auch im Braunschweiger Dom Blasius, sowie Maria und Nikolaus.
Im Jahre 1173 legte Heinrich der Löwe als Stifter den Grundstein des Lübecker Doms als Kathedrale für das Bistum Lübeck, nachdem im Jahre 1160 der Bischofssitz von Oldenburg in Holstein unter Bischof Gerold hierher verlegt worden war.
Der damals romanische Dom wurde etwa 1230 fertiggestellt und 1266 bis 1335 zu einer gotischen Hallenkirche umgebaut, indem man die Seitenschiffe etwa auf die Höhe des Mittelschiffes anhob (auf rund 20 Meter). 

Durch rheinische Baumeister wird 1260 das Paradies angebaut. 1946 fiel das Paradies in Trümmer. Da stürzte aus der Ruine des Palmsonntag 1942 zerstörten  Domes der Giebel des nördlichen Querschiffes auf die Vorhalle. Fachleute bezweifelten, ob das architektonische Kleinod noch einmal zu retten sein werde. Aber gründliche Untersuchungen ließen Hoffnungen aufkommen, und heute geht der Besucher des Domes wieder durch das Paradies.

Ebenfalls Mitte des 14. Jahrhunderts erfolgte die Verlängerung des Baukörpers durch die Errichtung des reingotischen Ostchors unter dem Bischof Heinrich II. Bochholt (1317–41).
 

Dom zu Lübeck

Nachdem in der Nacht zum Palmsonntag vom 28. zum 29. März 1942 bei dem schweren Luftangriff auf Lübeck, bei dem ein Fünftel der Lübecker Innenstadt zerstört wurde, mehrere Bomben in der Nachbarschaft einschlugen, stürzte das östliche Gewölbe im Hochchor ein und zerstörte den Hochaltar von 1696. Der Brand des benachbarten Dommuseums griff auf den Dachstuhl des Doms über. Gegen Mittag des Palmsonntags stürzten die Turmhelme ab; die Orgel der Firma Walcker von 1893 hinter dem Prospekt der Arp-Schnitger-Orgel von 1699 wurde ein Raub der Flammen. Es konnten jedoch relativ große Teile der Innenausstattung wie das Triumphkreuz und fast alle mittelalterlichen Flügelaltäre gerettet werden. Als Kriegsfolge brach 1946 der ungesicherte Giebel des nördlichen Querschiffs zusammen, begrub die Paradiesvorhalle unter sich und zerstörte sie fast völlig. Die Vorhalle zählt zu den schönsten, die im Mittelalter geschaffen wurden. Sie verkörpert den harmonischen Zusammenklang zweier Bautraditionen: Heimische Bauleute brachten das Know-How im Umgang mit dem Backstein ein, Steinmetze aus dem rheinisch-westfälischen Gebiet prägten den Charakter. Dieser Stil entsprach den Wünschen des Auftraggebers, Bischof Johann II. von Diest, der von 1254 bis 1259 im Amt war. Er stammte aus dem rheinisch-brabantischen Land. Die Vollendung seiner Repräsentationshalle 1266 hat er aber nicht mehr erlebt. Und wahrscheinlich hat sie auch nicht so ausgesehen, wie sie ursprünglich geplant worden war.
Der Hauptzugang zum Dom war dann aber auch der geeignete Platz, an dem der jeweilige Bischof, der Probst oder der Dekan Recht sprachen. Auf städtischem Gebiet hätten sie das nicht gedurft. Aber innerhalb des unmittelbaren Dombezirks herrschte der Sakralfrieden. Wer hierher flüchtete genoss möglicherweise  Asyl. Eine Flucht vor Verfolgern durch die Straße "Fegefeuer" endete so im "Paradies", vor der Tür des Domes.  Weiter ging es für die Verfolger allerdings nicht. Den Zutritt in den Dom verwehrte ein Türhüter. Unter die eventuell wohlwollendere Macht der Kirche durften sich jedoch nicht jene flüchten, die sich eines Verbrechens schuldig gemacht hatten, das mit dem Tod zu büßen war. Der Bischofshof, die Probstei und die Dekanei waren auf der Nordseite des Domes rund um den Kirchhof gebaut.
Damit lagen sie auf der der Stadt zugewandten Seite, während der südliche Bereich des Domes seine unmittelbare Grenze an der Stadtbefestigung hatte. Darum wurde der Hauptzugang an der Nordseite des Domes gebaut. Doch kurz  nachdem die Vorhalle vollendet war, ließ der Bischof die Sakristei erweitern. Sie grenzte damit an das Paradies, das mit der Sakristei unter einem Dach verschwand. Weitere Anbauten folgten. Nach der Reformation legte man Grabstellen im Paradies an. Könnte dies noch als sinnfällig verständlich sein, kann das für die eingebauten Abstellräume nicht gelten. Das Paradies verkam und es wurde nicht entrümpelt, als der Dom im 19. Jahrhundert gründlich renoviert wurde. Allerdings entsann man sich dabei des Kleinods, und als die Arbeiten am Dom 1876 beendet waren, geriet das Paradies wieder ins Blickfeld. Die Restaurierungsarbeiten dauerten von 1878 bis 1887. Anschließend sah es aus wie ein Bau der Neugotik. Das fand nicht überall Zustimmung, besonders das frei nachempfundene Fassadenportal trug zu diesem Eindruck bei. Doch als die Teile der 1946 zerstörten Vorhalle genauer untersucht wurden, stellten die Kunsthistoriker fest, dass doch weitaus mehr Teile als Original die Restaurierung des 19. Jahrhunderts überstanden hatten, als man vermutete. Und das gab nach dem Wiederaufbau des Domes den entscheidenden Anstoß, auch das Paradies wieder vor die Kirche zu setzen.
Der mittelalterliche Kreuzgang an der Südseite der Kirche verbindet mit dem Baukörper des Museums für Natur und Umwelt und des Archivs der Hansestadt Lübeck.
Der Dom war und ist die nach der Marienkirche am reichsten ausgestattete Kirche Lübecks. Hinsichtlich der steinernen Sarkophage in seinen Grabkapellen nimmt der Dom in Lübeck eine herausragende Stellung ein.
Im Dom befindet sich das auffallende, das Hauptschiff beherrschende, 17 Meter hohe Triumphkreuz des Lübecker Künstlers Bernt Notke. Es wurde von dem Lübecker Bischof Albert II. Krummendiek gestiftet und 1477 im Kirchenschiff aufgerichtet.


Triumphkreuz
Triumphkreuz im Dom zu Lübeck

Rechts und links oben stehen Adam und Eva. Unter dem Kreuz stehen die trauernde Maria und der Jünger Johannes. Der Stifter Krummendiek gibt sich selbst den Platz gegenüber von Maria Magdalena, der sog. großen Sünderin, und beruft sich damit auf die Vergebung, die diese Frau erfahren hat. Die Gestalt Jesu, wie Notke ihn geschaffen hat, vereint in sich Hoheit und Todesschmerz. Das Kreuz ist als Lebensbaum gestaltet. Aus dem Holz an dem der Gekreuzigte hängt, sprießen Zweige. Das Holz des Fluches wird zum Baum des Lebens. Der Glaube an Christus, der sein Leben einsetzt als Bürge der Liebe Gottes, schenkt das Leben.

Das Taufbecken wird in Norddeutschland auch als Fünte (von lat. fons „Quelle, Brunnen“) bezeichnet,
Die eherne Fünte von Lorenz Grove aus dem Jahr 1455 ersetzte die heute in der Kirche von Klein Wesenberg befindliche alte steinerne Fünte aus Kalkstein von der schwedischen Insel Gotland.


Der berühmte Altar von Hans Memling aus der Greveraden-Kapelle im nördlichen Seitenschiff befindet sich seit dem Zweiten Weltkrieg in der Mittelaltersammlung des Museums für Kunst- und Kulturgeschichte im St.-Annen-Kloster.


Es befinden sich jedoch weitere sehenswerte Flügelaltäre im Lübecker Dom. 

Der Altar der Kanonischen Tageszeiten auf der Südseite des Triumphkreuzes stammt aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts; er verbindet auf der Grundlage des Hymnus Patris sapientia die sieben Horen des Tages mit Ereignissen aus der Passion Christi.

Dom zu Lübeck Altar der Kanonischen Tageszeiten
Dom zu Lübeck Altar der Kanonischen Tageszeiten Foto: Klaus Niepelt

Die lateinischen Texte entstammen einem lateinischen Lied, das im Evangelischen Gesangbuch verdeutscht aufgenommen ist: Christus, der uns selig macht. Vor diesem Altar versammelt sich während der siebenwöchigen Passionszeit vor Ostern die Gemeinde zu Passionsandachten, um das Leiden von Mensch und Schöpfung heute zu bedenken. 

Altar der Kanonischen Tageszeiten
Altar der Kanonischen Tageszeiten

Dank des langjährigen Kantors und Organisten Uwe Röhl (1925–2005) ist der Dom Spielort des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) .

Es gibt im Dom einige interessante Ecken. Eine davon ist das Bocholtgrab im Ostchor. Heinrich der Löwe legte 1173 den Grundstein für eine dreischiffige romanische Basilika. Nach nur wenigen Jahrzehnten aber baute man schlanker, höher, leichter und brauchte mehr Platz für Altäre und Kapellen. Gut 150 Jahre nach Heinrich vollendete Bischof Bocholt den Bau des Domes mit dem Ostchor. Heute trifft sich die Gemeinde in diesem Chor zu Osterfrühstück, Kirchkaffee, Kinderbibeltagen und Ausstellungen. Mitten im Raum ruhte Heinrich Bochholt (* Lübeck; † 1. März 1341 Lübeck), ab 1317 als Heinrich II. Bischof von Lübeck. Jetzt ist das Grab seitlich etwas verlegt worden. Der Stil seiner Grabplatte ist von ähnlichen Arbeiten in Flandern beeinflusst. Sie stammt aus der Werkstatt des Lübecker Rotgießers Jan Apengeter, der auch die Bronzetaufe der Lübecker Marienkirche (1337) gegossen hatte.

1942 beim schrecklichen Bombenangriff auf Lübeck am Palmsonntag wurden sämtliche Fenster des Doms zerstört. Beim Wiederaufbau entschied man sich für eine schlichte Bleiverglasung. Nur das Westfenster wurde durch Lothar Quinte  (* 13. April 1923 in Neisse, Oberschlesien; † 29. Juli 2000 in Wintzenbach, Frankreich) künstlerisch gestaltet. In Abendgottesdiensten besonders im März und im September wandert das Sonnenlicht in unbeschreiblichen Farben durch dieses Fenster über das Triumphkreuz. Ursprünglich stand das Taufbecken am Eingang der Kirche. Jeder, der die Kirche betrat, wurde erinnert: Ich bin getauft. Ich gehöre zu Gott. 1942 wurde im Dom durch den Bombenangriff vieles zerstört. Der Architekt Friedhelm Grundmann konzipierte das Taufrund neu. Hier werden heute fast jeden Sonntag Taufgottesdienste gefeiert, jedes Mal ein bewegendes fest. Eine Besonderheit: Der Organist spielt im Stehen. Die Musik dieser Orgel begleitet Taufen und eigene kleine Konzerte im Taufrund. Mit dem Anbau aus den 1980er Jahren ist ein großer, heller Raum mit wunderbarem Ausblick ins Grüne und über den Mühlenteich entstanden. Hier treffen sich jeden Sonntag viele Kinder zum Kindergottesdienst zeitgleich zum Gemeindegottesdienst. Die Kinder haben hier ihren Altar, sie singen Lieder, hören biblische Geschichten, basteln und spielen.

Schöne Madonna
Die Schöne Madonna von 1509 im Dom zu Lübeck

Die Schöne Madonna von 1509
Diese Maria entstand kurz vor der Reformation. Sie ist von anmutiger Gestalt. In sich versunken, klingt in ihr nach, was der Engel sagt: Gegrüßt seist du, Holdselige. Sie sieht auf das Kind. Segnend erhebt Christus die Hand und greift mit der anderen nach der Traube, die Maria in der Hand hält. Es wirkt fast spielerisch, ist aber ein Hinweis auf das Leiden Christi und auf die Feier des Abendmahls.


Die Klage Jesu Christi an die undankbare Welt ist ein Bild, zu dem es kaum Entsprechungen gibt. Zu lesen ist die Inschrift, der sog. Lübecker Domspruch: "Ich bin das Licht - ihr sehet mich nicht. Ich bin der Weg - ihr gehet mich nicht. Die Wahrheit - ihr glaubet mir nicht. Das Leben - man suchet nicht mich. Ich bin reich - man bittet mich nicht.  Ich bin Edel - man dienet mir nicht. Der Schönste - man liebet mich nicht. Ich bin Barmherzig - man vertrauet mir nicht. Ich bin Allmächtig - man fürchtet mich nicht. Ich bin ein Lehrer - man folget mir nicht. Werdet ihr verdammet - verweiset mirs nicht. 

Klage Christi
Klage Christi im Dom zu Lübeck


Die Bildschnitzereien des Lettners wurden von Bernt Notke geschaffen und 1477 zusammen mit dem Triumphkreuz fertiggestellt. Vier Statuen zeigen die Patrone des Doms : Nikolaus, Maria, Johannes der Täufer und Blasius. Die Uhr stammt aus dem Jahr 1628. Dort schlägt der Glaube - eine Frau! - die Viertelstunden. Zur vollen Stunde schlägt ein Skelett - der Tod! - eine Glocke und dreht seine Sanduhr um: Unsere Zeit ist begrenzt, doch noch nicht abgelaufen. Wir bekommen wieder eine neue, kostbare Stunde geschenkt - im Vertrauen auf Gott, der alle Zeit in Händen hält.Bürgermeister Andreas Geverdes, ein aus Magdeburg stammender Kaufmann, der mit mehreren großen Stiftungen Arbeiten aus Notkes Werkstatt förderte, hatte sich auch in diesem Fall wieder einmal großzügig gezeigt und die hölzerne Verkleidung des Lettners  finanziert. Die Legende erzählt: Der starke Christophorus, der nur dem mächtigen Herrn dienen will, trägt Reisende über den Fluß, wie es ihm der Eremit im Hintergrund aufgetragen hat. Eines Tages ist es ein Kinde, und die Last dieses Kindes wird ihm fast zu schwer. Denn dieses Kind ist Jesus und trägt die Sünde der Welt, ihm vertraut Christophorus sein Leben an. Bis heute gilt er als Schutzpatron aller Reisenden.Renaissance-Kanzel von 1568. Mose mit den Gesetzestafeln trägt die Kanzel. Der Kanzelkorb ist mit sieben Alabaster-Reliefs, die Szenen aus dem Leben Jesu zeigen, geschmückt. Der Schalldeckel mit einer Statue des auferstandenen Christus stammt von 1570. Die Kanzel ist der Ort der Predigt, die allsonntäglich versucht, die biblische Überlieferung in Beziehung zu setzen zu den Menschen heute und unserer Zeit mit ihren Herausforderungen. 

Der Einhornaltar von 1509

Der Marienaltar zeigt die Ankündigung der Geburt Jesu in Gestalt einer Einhornjagd. Gott kommt zur Welt in seinem Sohn Jesus Christus. In mittelalterlicher Symbolsprache soll dieses Geheimnis dargestellt werden. Der Legende nach konnte nur eine Jungfrau das Einhorn fangen. 

Auf einer der alten Grabkapellen im Dom sitzt ein kleiner barocker Marmorengel, der so gar nichts  Trauriges an sich hat. Er bläst Seifenblasen. 

Seifenblasenengel
Seifenblasenengel im Dom zu Lübeck

Das zeigt, wie schön, wie bunt, wie zart und wie unbegreiflich das Leben ist- und wie gefährdet, wie verletzlich und   vergänglich. Davon unbeirrt ist dieser Engel mit seinen Seifenblasen aus Stein ein Sinnbild dafür, wie Menschen ganz im hier und Jetzt und im Glück des Augenblickes aufgehen können.1737 erwarb der spätere Dompropst Jacob Levin von Plessen einen Raum (eigentlich einen Gang) im Süden des Chorraums bei der Rochuskapelle und ließ ihn zu einer Grabkapelle für sich und seine Familie ausbauen.

Stecknitzfahrer-Altar
Stecknitzfahrer-Altar

Der Stecknitzfahrer-Altar von 1422 zeigt die Menschwerdung Christi. Hier ist das ganze Jahr über Weihnachten. Im Mittelschrein stehen neben der Maria mit dem Kind die Figuren der Hl. Katharina und der Hl. Barbara. Die gemalten Seitenflügel zeigen adventliche und weihnachtliche Szenen.

Renaissance-Kanzel
Renaissance-Kanzel

Renaissance-Kanzel von 1568
Mose mit den Gesetzestafeln trägt die Kanzel. Der Kanzelkorb ist mit sieben Alabaster-Reliefs, die Szenen aus dem Leben Jesu zeigen, geschmückt. Der Schalldeckel mit einer Statue des auferstandenen Christus stammt von 1570. Die Kanzel ist der Ort der Predigt, die allsonntäglich versucht, die biblische Überlieferung in Beziehung zu setzen zu den Menschen heute und unserer Zeit mit ihren Herausforderungen. 
Zahlreiche Kapellen erwarten die Besucher, meist finanziert durch den Adel oder reiche Kaufmannsfamilien. 
Die Grabplatten zeugen davon, zum Beispiel die vom kaiserlichen at Heinrich Brömbsen.


Grabplatte Heinrich Brömbsen
Grabplatte Heinrich Brömbsen im Dom zu Lübeck



Petrikirche Lübeck


 

 

Hier geht es zur Datenschutzerklärung.

Wir verwenden Google analytics.