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Das Herrenhaus Emkendorf und sein Debattierkreis

Jean Henri Huguetan (oder Hueguetan), seit 1717 war er schon Graf von Gyldensteen (* 30. März 1667 in Lyon, Frankreich; † 14. Juni 1749 in Kopenhagen, Dänemark) war erst Bankier in Frankreich und später bei Friedrich IV. und dessen Nachfolgern in Dänemark. Er gründete die erste dänische Bank und konnte sogar den französischen „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. bei der Finanzierung seiner Kriege gegen Italien unterstützen.

1687 musste er jedoch aus Paris fliehen, weil es zu Ungereimtheiten um die Rückzahlung der dem Hof gewährten Kredite gekommen war. So etwas gab es damals also auch schon.
Jean Henri Desmercières (* 8. Mai 1687 in Paris; † 8. März 1778 in Kopenhagen) war sein unehelicher Sohn mit einer Pariser Putzmacherin. 1720 übertrug ihm sein Vater die Leitung des Londoner Stützpunkts seiner Überseehandelsgesellschaft. Von 1723 bis 1725 stand er in Berlin als Kammerherr in den Diensten Friedrich Wilhelm I., ehe sein Vater ihn zu sich nach Kopenhagen in die Bank holte, wo er bereits 1727 zum Königlichen Konferenzrat ernannt wurde.  Im Gegensatz zu den zu dieser Zeit in vielen Städten gegründeten privaten Kreditanstalten, die zum Teil Zinsen bis über 20 % nahmen, betrug hier der Zinssatz nur 4 %.

 

 

 

 

Herrenhaus Emkendorf
Emkendorf Barghaan [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/) or CC BY 2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.5)], via Wikimedia Commons

Er erstand mehrere Güter in Holstein (unter anderem auch Quarnbek und Warleberg), wodurch er zu einem der größten Grundbesitzer im Land wurde. Auf ihnen probierte er aus, wie sich durch neue Techniken die Erträge steigern ließen. Außerdem sorgte er mit neuerer Deichbautechnik für Landgewinnung an der Nordsee. Auf ihn ist ein Landgewinn von 1500 ha zurückzuführen.
Ende des 18. Jahrhunderts ließ er dann das Herrenhaus des Guts im spätbarocken Stil erbauen. 
Der Ort, an dem sein neuer Deich an die älteren Deiche mit steileren Profilen stößt, diente vermutlich als Vorbild für entsprechende Beschreibungen in der Novelle Der Schimmelreiter von Theodor Storm. Desmercières selbst gilt als eines der historischen Vorbilder für die Hauptfigur des Deichgrafen Hauke Haien in dieser Novelle.
1745 empfing Desmercières auf dem Gut König Friedrich V. Später verkaufte er das Gut an Detlev von Reventlow, der es 1783 seinem Sohn Friedrich Karl Reventlow vererbte.
Friedrich Karl von Reventlow ließ es von dem sächsischen Baumeister Carl Gottlob Horn (1734–1807) klassizistisch überformen. So wurde unter die barocke Decke eine niedrigere, klassizistische eingezogen und der bis dato barock gestaltete Park dem neuen Zeitgeschmack angepasst. Innen ist das Herrenhaus reich verziert und ausgestattet.
Auf Betreiben seiner Gattin Julia, geborene Schimmelmann und Tochter des dänischen Finanzministers, empfing er eine große Zahl berühmter Persönlichkeiten der Epoche.
Der Kreis wurde u. a. von Friedrich Gottlieb Klopstock, Heinrich Christian Boie, Matthias Claudius, Johann Caspar Lavater, Johann Heinrich Voß und Friedrich Heinrich Jacobi besucht, auch von La Fayette fand sich dort ein. Der Kreis wandte sich unter anderem gegen den theologischen Rationalismus, wie er an der Theologischen Fakultät der Universität Kiel verbreitet war, und gilt als eines der Zentren der frühen evangelischen Erweckungsbewegung in Deutschland.
In Anspielung auf den Weimarer Musenhof wurde der Emkendorfer Kreis auch Weimar des Nordens genannt; ein Titel, den ebenso die Residenz Eutin mit dem Eutiner Kreis für sich beanspruchte.
Das Gut war insgesamt von 1764 bis 1929 im Besitz der Familie Reventlow, mit einer kurzen Unterbrechung Anfang des 18. Jahrhunderts, als es innerhalb kurzer Zeit mehrfach den Besitzer wechselte. Es war das wohl größte Gut in Schleswig-Holstein und für die Verwaltung vieler umliegender Dörfer, Höfe und Seen zuständig.
Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurden im Gutshaus Kriegsflüchtlinge einquartiert, nach der Kapitulation am 8. Mai rückte eine britische Garnison in die Gebäude ein.
Heute ist das Herrenhaus in Privatbesitz. Es ist umfassend restauriert und für seine Konzerte bekannt, unter anderem im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals.

Der „Große Saal“ wird zusätzlich von vielen Brautpaaren als Trausaal angemietet.

Graf Desmercières ist 2007 in der Gemeinde Reußenköge ein Denkmal gesetzt worden, ihrem „Urvater“ gewidmet, wie es im Text heißt. Das Denkmal befindet sich vor der Kooghalle. Auf einer Granitstele mit einem Bronzerelief wird er gewürdigt. Auf einem weiteren Relief ist die Geschichte der Bedeichung und Landgewinnung der Gemeindeköge dargestellt. Das Denkmal wurde im Auftrag der Gemeinde vom Hamburger Bildhauer Jörg Plickat erschaffen.
Seit Herbst 2010 erinnert in der Flemhuder Kirche eine Bronzegedenktafel, gestiftet von der Gemeinde Reußenköge und deren Sielverbänden, ebenfalls ausgeführt vom Bildhauer Jörg Plickat, an ihn.
Der Desmerciereskoog, einer der unter seiner Leitung gewonnenen Köge in Nordfriesland, trägt seinen Namen.

 

 

 

 

Schloss Tralau