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Das Glinder Schlösschen

Kennen Sie Edward Bartels Banks (* 1. Januar 1836 in Hamburg; † 22. Mai 1883 ebenda) ?
Ihm ist das Gutshaus Glinde zu verdanken.
Banks war ein Sohn des Hamburger Syndikus und Bundesgesandten Edward Banks (1795–1851). Johann Heinrich Bartels war sein Großvater, Otto Beneke war sein Schwager. Banks besuchte die Schule in Hamburg und später in Lübeck. Anschließend studierte er in Tübingen und Göttingen Rechtswissenschaften. Johann Heinrich Bartels (* 20. Mai 1761 in Hamburg; † 1. Februar 1850 ebenda) war Gelehrter und war von 1820 bis 1850 Bürgermeister von Hamburg. Banks wurde als Kandidat der Deutschen Fortschrittspartei in der Reichstagswahl 1871 für den Wahlkreis Hamburg 2 gewählt.
Die Deutsche Fortschrittspartei (DFP, „Fortschritt“) stand im preußischen Verfassungskonflikt in strikter Opposition zur Politik Otto von Bismarcks. Im Zuge der Reichsgründung näherte sie sich Bismarck an, etwa während des Kulturkampfs, um später wieder auf deutliche Distanz zu gehen. Die Fortschrittspartei fusionierte 1884 mit der Liberalen Vereinigung zur Deutschen Freisinnigen Partei, die wiederum letztendlich in der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) aufging.

altes Gutshaus Glinde
altes Gutshaus Glinde

Banks unterlag 1877 Wilhelm Hasenclever und schied aus dem Reichstag aus, baute 1880 das Gutshaus, starb dann aber 1883 in Hamburg durch eigene Hand.
Der Ökonomierat Franz Rudorff aus Hildesheim pachtet 1894 Gut Glinde und erwirbt es 1901. Hier richtet er jetzt die viel beachtete „Rudorffsche Sanitäts-Kontroll-Milchwirtschaft“ ein. 
In der Zwischenzeit ist der nordfriesische Eisenbahn-Bau-Ingenieur Sönke Nissen durch Diamanten zu viel Geld gekommen. Bei Diamanten denkt man auch an Ludwig Nissen, der sein vieles Geld der Stadt Husum vermachte. Zusammen mit dem Vermächtnis seiner Frau Kathie sprach man 1930 von reichlich drei Millionen Mark. Nur, Ludwig, Sohn des Reepschlägers Hans Friedrich Nissen, handelte in New York mit Diamanten und Sönke, Sohn des Zimmermanns Nis Nissen, fand beim Bau der Lüderitzbahn in Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia Diamanten, sicherte sich die Schürfrechte mit einigen Partnern und wurde so innerhalb kürzester Zeit Millionär. 1912 jedenfalls kam Sönke Nissen (* 27. Dezember 1870 in Klockries, Kirchspiel Lindholm; † 4. Oktober 1923 in Glinde)  nach Glinde, kaufte 1912 das Gutshaus und lies es durch den Architekten Odt aus Hamburg im Stil eines nordelbischen Herrenhauses mit klassizistischen Elementen umbauen. 
Nach seinem Tod befand sich das Gut Glinde nach 1923 über Jahrzehnte im Eigentum des "Sönke-Nissen-Nachlasses". Dieser verpachtete den landwirtschaftlichen Betrieb 1927 an Emil Pritschau. Das Pächterehepaar Emil und Martha Pritschau führte das Gut zu neuer Blüte und baute die Sanitätsmilchwirtschaft zur "Glinder Vorzugsmilch" aus, die im weiten Umkreis bekannt wurde. Milchwagen aus Glinde, einer davon ist noch im Museum Glinder Mühle zu sehen, lieferten die begehrte Frischmilch bis tief nach Hamburg hinein. Aus jener Zeit ist dort auch noch eine Gutskutsche ausgestellt.
Anfang der 30er Jahre hatte Glinde etwa 400 Einwohner, wovon allein 230 zum Gut gehörten. 

Schlösschen Glinde
Schlösschen Glinde

Ein weiteres Kleinod aus der Zeit ist auch noch erhalten. Martha hatte von ihrem Vater Paul Dönhoff, der auch ein Gut leitete, das Rittergut Almerfeld im Sauerland, eine Glocke 1928 mitgebracht. Auf Gut Almerfeld hing sie noch am Küchenfenster und wurde von den Frauen dort zu Beginn und zum Ende der Arbeit geläutet. Auf Gut Glinde wurde sie am Pferdestall aufgehängt und zu Beginn und Ende der Arbeit und zum Mittagessen geläutet. Nach dem Abriss des Gutes restaurierte die Freiwillige Feuerwehr Glinde die Glocke. Sie bauten ein Glockengestell ein und läuteten sie bei der Verleihung der Stadtrechte an Glinde am 24. Juni 1979. Am 4. April 1986 fand die Glocke ihren derzeitigen Ehrenplatz. Martha Pritschau überreichte sie dem Heimat- und Bürgerverein Glinde, der jetzt dafür sorgte, dass sie im Museum Glinder Mühle an einem dicken Balken einen Ehrenplatz erhielt.
Der landwirtschaftliche Betrieb wurde 1971 bis 73 in die Feldmark verlagert und es wurde diskutiert das Gutshaus abzureißen. Es fand sich aber eine interfraktionelle Mehrheit der Gemeindevertretung für den Erhalt und zusammen mit dem „Sönke-Nissen-Nachlass“ konnte es vor dem Verschwinden bewahrt werden. Auf den Ländereien befindet sich jetzt der Golf-Club Glinde
1976/77 gründete man das Gemeinschaftszentrum Sönke-Nissen-Park Stiftung. Daran waren die Gemeinde, die Siemers-Stiftung und der Sönke-Nissen-Nachlass beteiligt. Der Erbe Sönke Nissen jun. brachte das Gutshaus in diese Stiftung ein.
Das Gutshaus wurde renoviert und als Gemeinschaftszentrum 1978 eingeweiht, von alten Glindern liebevoll "Das Schlösschen" genannt. Es beherbergte neben der Stiftung Altenbegegnungsstätte, Bürgerverein, Gemeindebücherei, Gemeindejugendpflege und Sozialstation.

altes Gutshaus
altes Gutshaus

Ab 1988 unter Denkmalschutz gestellt wurde es in mehreren Bauabschnitten von Grund auf saniert und erhielt einen Fahrstuhl. Die Stadt Glinde richtete ein Trauzimmer ein, im Erdgeschoss entstanden nach Auszug der Bücherei eine Tages- und Begegnungsstätte und Räume für Kunstausstellungen und Kammerkonzerte. Seither dient das „alte Gutshaus, das Schlösschen“ vielfältigen sozialen und kulturellen Zwecken.  
Es wird als Spielstätte vom Kunstverein Glinde e.V. und der Sönke-Nissen-Park Stiftung gemeinsam für Kunstausstellungen genutzt. Besonders ist dabei die wiederkehrende KUNST-IM-GUTSHAUS-Reihe, bei der die Werke verschiedener einzelner Künstler gezeigt werden.


Unsere Radtour "Rund um Glinde" führt hier durch und führt weiter zum Ausgangspunkt Glinder Marktplatz 

Adresse: Möllner Landstraße 53, 21509 Glinde

Homepage: www.gutshaus-glinde.de

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