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Die Puppenbrücke Lübeck und der Gott Merkur

Jedem Lübecker, bei mir war es jedenfalls noch so, wurde schon in der Schule folgendes Gedicht von Emanuel Geibel eingetrichtert:

Zu Lübeck auf der Brücken 
da steht der Gott Merkur. 
Er zeigt in allen Stücken
olympische Figur.
Er wusste nicht von Hemden
in seiner Götterruh;
drum kehrt er allen Fremden
den blanken Podex zu.

 

 

 

Was steckt dahinter?

Auf der Puppenbrücke, einer Lübecker Sehenswürdigkeit, steht die Statue von Merkur. 

 

 

 

 

Podex Gott Merkur
Podex Gott Merkur

Merkur trägt den Petasos auf dem Kopfe und hält einen wohlgefüllten Geldbeutel in der Hand. Der römische Gott gilt als der „Götterbote“, Gott der Händler und Diebe
Merkur streckt seinen Popo in Richtung Westen. Früher behauptete man, das sei mit Absicht so, da er seinen Hintern in Richtung der Dänen zeigt (die ja von der See oder aus Holstein kamen). Unrichtig war auch die Behauptung, dies gelte den Holsteinern.
Nötig wurde die Brücke ab 1475. Da beschloss man die Befestigungen Lübecks weiter auszubauen. Innerhalb von sechs Jahren wurde der Vorgänger des Stadtgrabens ausgehoben,  gleichzeitig begann man die Wallanlagen aufzuschütten.
Über den Graben führte zunächst eine 94 m lange auf 16 Jochen ruhende Holzbrücke, die über eine vier Meter weite Zugbrücke verfügte.
Anfang des 17. Jahrhunderts bekam Lübeck wegen drohender Kriegsgefahr eine vernünftige Stadtbefestigung.  Im Zuge dessen wurde abschließend die Brücke in den Jahren 1768/69 neu geplant. Die Steinquader wurden in Reinfeld, wo das alte Kloster niedergerissen wurde, gekauft und 1770 mit dem Bau der Brücke begonnen.

Merkur
Merkur Puppenbrücke Lübeck

Diese Brücke war 51 m lang, besaß eine 3 m breite Zugbrücke und wurde binnen zwei Jahren vollendet.
Beschlossen wurde dann 1774 vom Rat die Brücke mit acht Statuen – vier männliche und vier weibliche – und vier Vasen zu schmücken. Hiermit wurde der Ratsherr Johann Christoph Weigel beauftragt hierfür Vorschläge zu machen.
Der Bildhauer Dietrich Jürgen Boy (oder Boye) (* 1724; † 1803) erhielt den Auftrag die vorgeschlagenen Figuren und Vasen in Sandstein auszuführen.

Flussgott (Trave)
Der Flussgott (Trave) Puppenbrücke

Neben Merkur war dies der Flussgott (Trave), der ein Ruder in der Hand hält, aus der Urne zu seinen Füßen läuft das Wasser heraus.
Der Friede trägt einen Ölzweig.
Die Eintracht trägt ein Bündel Stäbe (Fasces)
Neptun hat das Pferd neben sich das bei den Griechen in enger Beziehung zu den Quellen stand und daher auf vielen Abbildungen Poseidons (Neptuns) zu sehen ist. 
Der Römer ist als Krieger mit Lanze und Schwert aufgefasst.
Die Vorsicht blickt in einen Spiegel (oder durch eine Lupe) und
die Freiheit ist an der ihr zu Füßen sitzenden Katze (Allegorie) zu erkennen.

 

 

 

 

Neptun
Neptun

Anfang des letzten Jahrhunderts wurde letztmalig ein Umbau erforderlich. Der Hauptbahnhof wurde verlegt und das Verkehrsaufkommen zwischen ihm, dem Holstentor und der Innenstadt erforderten es, die alte Brücke war einfach zu schmal. So kam es zum heute bekannten Neubau 1907.

Mittlerweile wurden auch die Originale der Puppen gegen Nachbauten ersetzt. Die Originale stehen seit 1984 im St.-Annen-Museum, wo sie vor den schädlichen Einflüssen der Luftverschmutzung geschützt sind. Auch die  Kopien wurden mit den Fehlern erschaffen. So fehlt dem Frieden der Zweig und der Vorsicht wurden beide Arme amputiert.

Eintracht
Eintracht

 

 

Von hier sind es nur wenige Schritte Richtung Innenstadt bis zum Holstentor.

 

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