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Schloss Grabau - Vom Musterbetrieb der Milchwirtschaft bis zum Leerstand

Die erste Besiedlung hier geht auf die Wenden zurück. Im Mittelalter gehörten die Ländereien zunächst der ritterlichen Familie Hummersbüttel. Durch Heirat und Erbfolge gelangten sie später in den Besitz der uradeligen Familie Buchwaldt. 

 

 

 

 

Die Buchwaldts stellten schon über viele Jahrzehnte Landräte, waren mit dem dänischen Königshaus verbunden und verloren bei der Schlacht von Hemmingstedt alleine 6 ihrer Angehörigen. Das Gut Grabau selbst wurde im 16. Jahrhundert begründet. Es war ursprünglich ein Meierhof des Guts Borstel und blieb bis zum Ende des 18. Jahrhunderts im Besitz der Buchwaldts und kamen danach durch Heirat in den Besitz der Familie von Bernstorff. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wechselten die Besitzer mehrfach bis das Gut in den Besitz von Gustav Lahusen kam.
Gustav (* 1854 in Bremen; † 1939 in der Schweiz) , der Sohn von Christian Lahusen, der in Bremen die Norddeutsche Wollkämmerei & Kammgarnspinnerei AG („Nordwolle“) verwaltete die umfangreichen Ländereien der Familie Lahusen für die Schafszucht in Uruguay und Argentinien. Seine Mutter Anna Lahusen (1824–1893) war Tochter des Bremer Bürgermeisters Dr. Diederich Meier. 1888 übernahm er den ersten Aufsichtsratsvorsitz in der neuen Jute-Spinnerei und Weberei Bremen, dessen Sitz inzwischen von Bremen nach Delmenhorst verlegt worden war.

Schloss Grabau
Schloss Grabau

Von 1906 bis 1908 ließ er auf dem Gut das von dem Berliner Architekten Hermann Werle entworfene Herrenhaus Grabau errichten.
Das Herrenhaus entstand auf der Holländerkoppel, also einer ehemaligen Milchkuhweide. Die Bauzeit betrug circa drei Jahre. Das Baumaterial für das Mauerwerk kam per Eisenbahn aus Süddeutschland: Fertig behauene und nummerierte Blöcke aus Muschelkalkstein.
Vor dem Ersten Weltkrieg galt das Gut Grabau als „Musterbetrieb der Milchwirtschaft“. 
1923 starb die jüngste Tochter Daisy von Gustav Lahusens im Kindbett. Zu ihrem Andenken ließ er die Daisy - Gedächtnishalle in neogotischem Stil auch wieder von dem Architekten Hermann Werle, Berlin, erbauen. Die Gedächtnishalle ist seit 1949 Gotteshaus der Gemeinde Grabau.
Nach dem Konkurs der Nordwolle verkaufte Gustav Lahusen 1931 das Gut Grabau an den Oldesloer Margarinefabrikanten Friedrich Bölck (1877–1940).
Friedrich Bölck verkaufte es 1936 unter Druck weiter an die Wehrmacht. Das Herrenhaus wurde dem Oberkommando übergeben. In der Gutswirtschaft versorgte man Armeepferde. Im Zweiten Weltkriegs arbeiteten sowjetische Kriegsgefangene hier, das Gut Grabau nahm zum Ende des Krieges auch Flüchtlinge aus Ostpreußen auf.
Nach 1945 wurde das Gut Grabau in verschiedenen Schritten aufgesiedelt.
Das Schloss stand in der Zeit von 1948 – 1951 der Gemeinde für gemeinschaftliche Dorffeiern wie Karneval, Erntefest, Ringreiten, Vogelschießen zur Verfügung. Danach, 1951 beherbergte es das Institut für niederdeutsche Heimatforschung und Volkstumspflege. Die Leitung hatte seinerzeit Dr. Rehder Heinz Carsten und seine Frau, Wanda Carsten. 
Die Räumlichkeiten wurden auch genutzt für Volkshochschulkurse, für Pfadfindergruppen und für die Hansische Gilde aus Hamburg.
Bis 1965 befand sich dann ein Landschulheim hier bis der Pflanzenzüchter Dobimar von Kameke und seine Frau Gabriele das Gut von der Bundesvermögensstelle übertragen bekamen. Die Bewirtschaftung des Gutes durch Dr. Erich Isecke (Saatzuchtgesellschaft) endete ebenfalls.
Auf dem Gut begann man mit einem Saatzuchtbetrieb, mit Mastputenhaltung und Pferdezucht. Das Schloss stand leer. Diebstähle waren an der Tagesordnung und das Haus verwahrloste zunehmend.
Dieser Prozess sollte aufgehalten werden, so wurde das „Schloss“ Anfang der 1970er Jahre an einen Michael Kunz vermietet, mit der Auflage das Gebäude zu erhalten. Dieser kaufte das Anwesen mit einem kleinen Teil des Parks von der Erbin des verstorbenen Dobimar von Kameke.
Jetzt ließ er dort alles herrichten um weiter zu vermieten. Dabei gab es aber schon Unregelmäßigkeiten mit den Handwerkern und mehrere Gerichtsprozesse. 
Es war auch dunkel um seine Einkommensverhältnisse, nach einem geheimnisvollen Unfalltod 1997, der die Medien sehr beschäftigte, kam es zur Zwangsversteigerung, die die irakische Familie Al Takani aus Hamburg gewann.
Pläne hier einen Restaurationsbetrieb zu eröffnen wurde aber wieder verworfen, Rentabilitätsberechnungen zeigten, dass eine Rendite kaum zu 
erwarten war. 
Seither finden gelegentlich Filmaufnahmen hier statt. 
Das Herrenhaus diente 2014 zum Beispiel als Kulisse für die Episode Der Fluch der NDR-Serie Der Tatortreiniger.
Das Anwesen ist zur Zeit nicht frei zugänglich, der Besitzer, zeitweise halten sich hier Angehörige auf, bittet darum die Privatsphäre zu achten.
Gustav Lahusen fühlte sich dem Gut immer noch verbunden. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges starb er in der Schweiz. Auf eigenen Wunsch wurde er auf dem Grabauer Friedhof im Familiengrab bestattet.

 

 

 

 


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