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Hamburgs Speicherstadt und die Lichtkunst 

Die Speicherstadt in Hamburg ist der größte auf Eichenpfählen gegründete Lagerhauskomplex der Welt.

Anlass für den Bau war der durch Bismarck erzwungene Zollanschluss Hamburgs im Jahre 1888.  Im Zollanschlussabkommen von 1881 wurde zwischen Hamburg und dem Deutschen Reich der Bau einer Speicherstadt vereinbart, um die Aufnahme der Stadt in den Deutschen Zollverein zu ermöglichen. Um den Handel im Hafen nicht durch Zölle zu belasten, wurde die Schaffung eines Areals nötig, das als Freihafen nicht dem deutschen Zollgebiet angehörte. In dieser Enklave sollte weiterhin das angestammte Privileg der Hamburger Kaufleute gelten, Importgüter zollfrei lagern, veredeln und verarbeiten zu dürfen.

Speicherstadt

Die Bauleitung hatte der Oberingenieur der Hamburger Baudeputation Franz Andreas Meyer, ihm zur Seite standen der Wasserbaudirektor Christian Nehls und der Baudirektor Carl Johann Christian Zimmermann sowie ein Konsortium aus 15 Ingenieuren, 24 Architekten und Bauzeichnern. F.A. Meyer, Oberingenieur der Hamburger Baudeputation war damals nicht nur für den Tiefbau in der Hansestadt verantwortlich, sein Arbeitsgebiet umfasste auch stadtplanerische und gestalterische Aufgaben. 1885 wurde Meyer zum Berater der Hamburger Freihafen-Lagerhaus-Gesellschaft (HFLG) ernannt.. Somit übernahm er faktisch die technische und künstlerische Leitung des Speicherstadtbaus. Er übernahm mit den typischen Treppengiebeln, Türmchen und Spitzbogen die Entwurfsprinzipien seines früheren Lehrers Conrad Wilhelm Hase. Dieser hatte mit seiner Lehrtätigkeit an der polytechnischen Hochschule in Hannover eine Architekturtradition begründet, die in der Backsteingotik des Mittelalters ein Vorbild für ihr Streben nach materialgerechter und zweckmäßiger Gestaltung fand (sog. "Hannoversche Schule"). Solche gotisierende Backsteinfassaden waren im Industrie- und Gewerbebau der Gründerzeit nichts außergewöhnliches.
Besonders deutlich wird der Einfluss von Hase im ersten Bauabschnitt von 1885 bis 88 (zwischen Zollamt Niederbaum und St. Annenplatz). Hier findet man eine eher spröde Architektur mit sparsam dekorierten, nahezu ausschließlich aus Backstein entwickelten Fassaden, Steildächern und strengen, kegelförmigen Turmhauben.
Seinerzeit war der Bau eine der bedeutendsten Ingenieurleistung. Es galt, innerhalb kürzester Zeit ein Maximum an Nutzraum unter Berücksichtigung aller von den Versicherungen gewünschten Feuerschutzmaßnahmen zu erreichten. Dafür bot sich nach Ansicht der Planer vorrangig der Eisenskelettbau an. Die Blöcke A bis O im Bauabschnitt 1885 - 1888 haben ein eisernes Tragwerk, das aus vorgefertigten schmiedeeisernen Stützen und Unterzügen unabhängig von den Außenmauern montiert wurde.
Mehrere spektakuläre Speicherbrände (z.B. des Staatsspeichers am Sandtorkai 1891) belegten jedoch schon bald die Unzweckmäßigkeit der gewählten Konstruktionsweise. Die unverkleideten Gitterstützen knickten aufgrund der Hitzebelastung relativ schnell zusammen. Der zweite Bauabschnit bis 1895 wurde deshalb wieder im konventionellen Holzbau erreichtet. Ab 1903 folgten Versuche mit feuersicher ummantelten guss- bzw. schmiedeeisernen Stützen, die raumsparender waren als Holzträger.
Die Feuerschutzauflagen sind auch am äußeren Erscheinungsbild der Speicher abzulesen. Schon im ersten Bauabschnitt wurden die Brandmauern weit über die Dachflächen hinausgezogen. Die nach der Jahrhundertwende errichteten Speicher weisen zudem halbrunde Balkone auf. Sie ermöglichen im Notfall den Zugang zu einem nur von außen erreichbaren Fluchttreppenhaus.  Die Speicherstadt wuchs im Laufe mehrerer Jahrzehnte auf fast 500.000 m² Speicher- und Kontorfläche an und ist heute der größte zusammenhängende Speicherkomplex der Welt. Am 5. Juli 2015 wurde die Speicherstadt gemeinsam dem Kontorhausviertel und dem Chilehaus in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.

 

 

 

 

Auch heute lagern noch  "Schätze" aus aller Welt hinter dicken Mauern. Nicht nur Gewürze,Tee, Kakao, Kaffee und Tabak, auch Orient-Teppiche und hochwertige Elektronik findet man. Die Waren werden hier nicht nur gelagert, sondern zum Teil von sachkundigen Quartiersleuten auch gereinigt, veredelt und weiterverarbeitet. Das Orientteppichlager ist im Augenblick sogar das größte der Welt.

Neben der interessanten Architektur machen das Hamburg Dungeon, das Speicherstadtmuseum, das Gewürzmuseum, das Zollmuseum oder die weltweit größte Miniatureisenbahn im Miniaturwunderland den Komplex schon heute zu einem der Besuchermagnete in Hamburg. In den letzten Jahren, nachdem es die Freihafennutzung, die auch das Wohnen im Freihafen verbot, nicht mehr gab sind trendige Büronutzungen durch Werbeagenturen, Theater, Mode-Showrooms oder gastronomische Angebote hinzugekommen.

Fleetfahrten durch die Speicherstadt werden angeboten. 
Die Lichtkunst
Abends lockt die in sanftes Licht getauchte Speicherstadt Besucher an. 

Unter www.lichtkunst-speicherstadt.de kann man sich über den Stand verschiedener Beleuchtungsprojekte informieren.

Mit der Montage neuer Lampen an der Poggenmühlenbrücke, der Sandbrücke und am Kleinen Fleet sowie der erstmaligen Beleuchtung des Rathauses der Speicherstadt, Bei St. Annen 1, ist es gerade wieder einmal gelungen das erste Illuminationsprojekt dieser Art in Hamburg weiter auszubauen.
Die Handschrift des Lichtkünstlers Michael Batz ist dabei deutlich zu erkennen. Rund 1.000 Strahler beleuchten im Augenblick die typischen Treppengiebeln, Windenhauben, Türmchen und Spitzbogen, Fleetbrücken und Mauerwerk.

 

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