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Der Hamburger Stadtpark - Das grüne Herz von Hamburg

Die rund 150 Hektar große Anlage lockt an schönen Wochenenden mehr als 200.000 Besucher an. Eine 100 jährige Geschichte begleitet diesen Park schon. Dabei hatte Hamburg erst vergleichsweise spät mit der Planung begonnen. Magdeburg war bereits 1824 vorausgegangen, in Berlin waren seit 1846 kommunale Parkanlagen entstanden und Bremen besaß seit 1866 seinen Bürgerpark. 

Die Hamburger Senats- und Bürgerschafts-Commission berichtet erst 1896 von ihren Überlegungen zur Anlage eines Stadtparks. Dabei erscheinen Ländereien im Norden des 1894 nach Hamburg eingemeindeten Dorfes Winterhude als besonders geeignet. Diese wurden dann nach sechs Jahren nach und nach angekauft.
Da war schon recht früh, nämlich 1902 das Sierich'sche Gehölz dabei. Es gehörte Adolph Sierichs (1826 - 1889), der 1850 den Hof seines Vaters in Winterhude übernommen und nach und nach den ganzen Westen des Dorfes aufgekauft hat. Eine Idylle als Investition, denn die Grundstücke ließen sich gewinnbringend veräußern: Mit der Anlage von Sierichstraße und Leinpfad hat er den Grund zum Winterhuder Villenviertel an der Alster gelegt.
Das Gehölz, das seinen Namen trägt und zur Zeit als Hundespielplatz  angelegt ist, hat Adolph Sierich Mitte der 1880er Jahre zu einem Jagdpark ausgebaut. Eine dichte Weißdornhecke umgibt das Gelände, das nur gegen ein Eintrittsgeld zu betreten war. 
Zunächst erarbeitete das Hamburger Ingenieurwesen unter der Leitung von Eduard Vermehren (1847 - 1918) vier Gestaltungsvarianten des neuen Parks. Allen gemeinsam war ein großes Gewässer am Ostrand, alle Entwürfe verfolgten die Idee eines Waldparks mit einer Wiesenlichtung im Zentrum und breiten Korsostraßen. Der Verein Deutscher Gartenkünstler schlug einen Ideenwettbewerb vor, doch der Hamburger Senat setzte nach 18-monatigen Erörterungen zwischen Bau- und Finanzdeputation schließlich eine Kommission ein. Neben Vermehren waren dies unter anderem noch der Schöpfer des Ohlsdorfer Friedhofes Wilhelm Cordes sowie die Museumsleiter Justus Brinckmann und Alfred Lichtwark. Man kam aber zu keinem gemeinsamen Standpunkt, so empfahl die Senatskommission im Mai 1905 nun doch einen Wettbewerb. Es vergingen weitere Jahre, bis aus 66 Entwürfen, die bis zum 15. Juli 1908 eingingen wieder kein eindeutiger Kandidat für einen ersten Preis gefunden wurden. Die Jury bestand aus der Kommission, der jetzt auch Fritz Sperber vom Hamburger Ingenieurwesen und mehreren Gartenkünstlern aus Leipzig, Frankfurt am Main und Hamburg angehörten. So bekam jetzt das Hamburger Ingenieurwesen im Herbst 1908 den Auftrag weitere Entwürfe zu erstellen. Das Ergebnis waren nun zwei parallele Entwürfe und das Auftreten des neuberufenen Baudirektors Fritz Schumacher.  Schumacher hatte sich vor seinem Amtsantritt eine achtmonatige Vorbereitungszeit vorbehalten. In dieser Zeit fertigte er schon zahlreiche Entwürfe für zukünftige Parkgebäude im Stadtpark. Beide Planer legten nun am 17. Januar 1910 als Gemeinschaftswerk der Bürgerschaft einen Lageplan vor. Dieser zeigte Elemente aus den beiden Entwürfen von Fritz Sperber. 

Diana
Diana von Georg Wrba


In der Beibehaltung einer gemeinsamen Hauptachse zwischen Wasserturm und Stadthalle, deren Zentrum nach Westen eine halbkreisförmig begrenzte Wiese bildet, sollte der Park ein recht straffes Gerüst bekommen. Indem diese Hauptachse aber durch landschaftlich angeordnete Gehölzmassen umschlossen, sowie von weit geschwungenen Korsostraßen durchzogen werden, würde der gewohnte Eindruck eines landschaftlichen Stils nicht vollständig verloren gehen. Dazu kommen Funktionsräume wie Spiel- und Sportplätze, ein Sprunggarten für den Reitsport, Möglichkeiten für Wassersport und Gaststätten. 
Kurz nachdem die Hamburger Bürgerschaft die mit einem Budget von 7.700.000 Mark veranschlagten Planungen genehmigt hat, erfolgt der erste Spatenstich im Juni 1910.  
Man beginnt mit dem Grundgerüst des Parks: Die Erdarbeiten, der Bau des Teiches und des Kanals sowie die Anlage der Straßen und Wege obliegt der Bauleitung des Ingenieurwesens unter Bauinspektor Wolf.
Der 64 Meter hohe Wasserturm, 1913 bis 15 nach Entwürfen des Dresdner Architekten Oskar Menzel errichtet, feiert symbolträchtig unser hohes Gut, das Trinkwasser. 
Oskar Menzel, auch Oscar Menzel (* 1. Mai 1873 in Dresden; † 7. Mai 1958 ebenda) war schon ein besonderer Künstler. Er durfte 1908 in St. Petersburg auf der internationalen Kunstausstellung die sächsischen Ausstellungsräume ausgestalten. Er gewann auch den Architekturwettbewerb für den Wasserturm.  Dieser 64 m hohe Wasserturm wurde 1913/1915 unter Leitung von Fritz Schumacher erbaut und 1930 zum Planetarium Hamburg umgenutzt. 


Planetarium Hamburg
Planetarium Hamburg


Erst mussten noch umfangreiche Erdarbeiten erfolgen. Da ein für Bauwerke tragfähiger Untergrund erst fünf bis zehn Meter unter der Geländeoberfläche ansteht, werden alle Hochbauten und Brücken auf Pfahlgründungen gelagert. Die umfangreichsten Erdarbeiten werden beim Ausheben des acht Hektar großen Teichs sowie bei der Erweiterung des Goldbekkanals notwendig. Vier Jahre dauern die Bauarbeiten, während derer parallel an den Grünflächen und der Architektur gearbeitet wird. Die Fertigstellung der Gebäude, die ein außergewöhnlich reicher plastischer Schmuck ziert, wird  mit Ausnahme des Wasserturmes jedoch erst nach der Freigabe des Parks erfolgen.
Bereits 1909 regt Alfred Lichtwark die Einrichtung eines Vereins an, um den Park mit Skulpturenschmuck in ein Freilichtmuseum zu verwandeln. Von der Gründung 1912 bis in die 1920er Jahre ist der Hamburger Stadtparkverein, dem neben Lichtwark auch Fritz Schumacher und Fritz Sperber angehören, außerordentlich bestrebt, "an der Ausgestaltung des Hamburger Stadtparks durch Stiftungen von Werken der Kunst und von Pflanzenschmuck mitzuwirken und die dazu erforderlichen Mittel aufzubringen".

Karl-August Ohrt
Skulptur von Karl-August Ohrt

Skulpturen wie Diana mit Hunden von Arthur Bock (1875-1957), Zentauren von Georg Wrba (1872-1939), Pinguinbrunnen von August Gaul (1869-1922) sowie Frauenschicksal von Elena Luksch-Makowsky (1878-1967) werden bereits 1914 gestiftet, jedoch erst nach dem ersten Weltkrieg im Park aufgestellt.
Das Kind mit Reh, eine Keramik von Richard Küohl wurde am Planschbecken 1923 aufgestellt, die Große Kriechende von Georg Kolbe um 1928.

Eine besondere Rolle spielt jetzt Otto Armand Linne. Otto (* 2. Dezember 1869 in Bremen; † 4. Juni 1937 in Hamburg) war Gartendirektor in Erfurt (1899–1908) und Essen (1908–1913).In Hamburg ist er zunächst nicht die erste Wahl gewesen, doch da er geringere Gehaltsforderungen stellt als seine Mitbewerber, erhält er 1914 die Stelle des Hamburger Gartendirektors. Inmitten der Streitereien zwischen dem Ingenieurbau- und dem Hochbauwesen der Hamburger Baudeputation baut er ab 1914 das dringend benötigte Gartenamt auf. Zu seinen bedeutendsten Schöpfungen zählen der Umbau des Hammer Parks in eine öffentliche Anlage sowie der Bau der Sondergärten im Hamburger Stadtpark. Kennzeichnend für seine Arbeit wird die Einrichtung von hochwertigen Spielplätzen sowie die Schaffung von Alte-Leute-Gärten. Indem Linne den von Baudirektor Schumacher favorisierten roten Backstein verwendet, wirken Architektur und Freianlagen oft wie aus einem Guss. Nach dem Tod von Wilhelm Cordes wurde Linne 1919 zusätzlich die Leitung des Hauptfriedhofs Ohlsdorf übertragen. Linne war Mitglied der rechtsliberalen DVP. Vermutlich aufgrund dieser politischen Haltung und seines überregionalen Rufes als „Anwalt des sozialen Grüns“ wurde Linne von den Nationalsozialisten offen angefeindet und Ende 1933 in den Ruhestand versetzt. Lange Jahre gerieten seine Leistungen dann in Vergessenheit.
In den Jahren 1919 bis 1920 entsteht westlich des Wasserturms mit einer 750 langen Laufbahn die Jahn-Kampfbahn. Benannt wurde diese nach Friedrich Ludwig Jahn, dem "Turnvater Jahn." Seinerzeit verstand man Turnübungen des ganzen Volkes als Vorbereitung eines wehrhaften Großdeutschen Reiches.  Für die damalige "soziale Gartenkunst" bezeichnend werden im Stadtpark Skattische aufgestellt: Sie sind eine Variante des Alte-Leute-Gartens, eines von Linnes Markenzeichen. An Familien mit Kindern wurde auch gedacht. Für die stolze Summe von 966.000 Mark entsteht 1919 bis 1921 ein etwa 7.000 Quadratmeter großes Planschbecken. 


 

Planschbecken im Hamburger Stadtpark
Planschbecken im Hamburger Stadtpark


Das Becken war lehmgedichtet, die Wasserversorgung erfolgt über eine eigene Pumpenanlage aus dem Stadtparksee. Gestalterisch ist die Kombination aus Strandatmosphäre und geometrischer Strenge gewagt: Die annähernd ovale Wasserfläche umgibt ein breiter Sandstrand, der von einer Allee kastenförmig geschnittener Linden und einer niedrigen Mauer eingefasst wird. Zwischen den Bäumen ist eine Reihe von Holzbänken platziert, dahinter erstrecken sich weite Wiesenflächen zum Sonnenbaden. Ein kleiner Kiosk im Backsteinbau und zwei erhöhte große Aussichtsplätze vervollständigen das Ensemble. Bis 1924 erfolgt die Fertigstellung verschiedener Gärten, wie dem Diana-Garten beispielsweise. Häufig werden diese Gärten mit den Skulpturen geschmückt. 1925 entsteht nach Plänen von Fritz Schumacher und Gartendirektor Linne der Rosengarten im rückwärtigen Bereich des Park-Cafes. Linne lässt es sich nicht nehmen und zeichnet den Bepflanzungsplan selbst und legt die sechzehn verschiedenen Rosensorten fest. 

Beim Kinderspielplatz 2018
Beim Kinderspielplatz 2018

Südlich der Festwiese wird 1927 ein Kinderspielplatz mit zwei Sandspielflächen von etwa 800 Quadratmetern Größe geschaffen. Insbesondere mit den in Kleinräume unterteilten Spielstuben, in denen bunt gestrichene Holzmöbel aufgestellt werden, gelingen kommunikative Räume für Kinder und ihre Betreuerinnen. Im Bereich der kulturlandschaftlichen Knicks nördlich der Festwiese entsteht nach 1926 gemäß einer Planung von Schumacher und Linne das "Licht- und Luftbad", in dem sich die Stadtbewohner auch unbekleidet der Sonne und der frischen Luft aussetzen konnten. Dieses Areal wurde durch Heckenwände in unterschiedliche Nutzerzonen unterteilt werden: Ein Familienbad, ein Kinderbad, ein Frauen und ein Herrenbad, letztere jeweils mit separatem Nacktbereich, sowie ein Ruhegarten für Senioren. 

 

 

 

 

Stadtparkwiese
Stadtparkwiese

Der Stadtpark bot sich dann immer schon für Massenveranstaltungen an. Zur Zeit der Weimarer Republik waren es Arbeiterversammlungen zum "Roten Mai, aber auch Sportfeste und Musikumzüge lockten Tausende Hamburger hierher. Ab 1933 waren es auch andere politische Ausrichtungen. Am 14. April 1934 gab es eine Parade von 1.000 SA-Männern, einer Marine-Brigade, einer SS-Standarte und einer Motorstaffel. Abgenommen wurde sie von SA-Stabschef Ernst Röhm.  Das war nur wenige Tage bevor dieser und andere leitende SA-Führer auf Befehl Adolf Hitlers beim Röhm-Putsch am Tegernsee verhaftet und zum Teil sofort getötet wurden. Das war nicht der einzige Soldatenaufmarsch, es gab noch mehrere. Nach dem Krieg sollten dann einige sportliche Großveranstaltungen stattfinden; Vom 2. bis zum 9. August 1953 etwa das Deutsche Turnfest mit über 100.000 Besuchern oder die Stadtparkrennen. Wie schon vor dem Krieg wurden diese Stadtparkrennen mit Motorrädern und Sportwagen auf 4,2 Kilometern Korsostraßen durchgeführt. Schon beim ersten Rennen im August 1947 waren über 200 Fahrer gemeldet und 70.000 bis 80.000 Besucher kamen. Ab 1953 war dann aber Schluss. Grund war ein tödlicher Unfall im Gespannrennen der Ausweisfahrer, bei dem ein Gespann von der Strecke abkam und drei Zuschauer getötet hatte. 
Bis heute gab es dann immer wieder Anpassungen an den Zeitgeist im Park. So wird für die etwa 3000 blinden oder stark sehbehinderten Bürger der Stadt ein Sondergarten angeboten. 
Der Garten der Sinne
Seit 2014 wird dieses verwunschene Parkareal gemeinsam mit vielen Förderern gestaltet. Der Garten der Sinne soll naturnah sein und möglichst viele Sinne ansprechen. Hierfür setzten in mehreren Einsätzen Freiwillige die zuvor gesammelten Ideen um.
So entstanden ein Tastweg, ein Nadelbaumpfad, ein Lernraum mit Baumstämmen zum Sitzen, Spielen und Naturergreifen. Das bereits angelegte Labyrinth wurde integriert. Weitere, auch künstlerische Elemente sollen noch hinzukommen.  
Dieser Garten lebt durch die Anwesenheit der ganz unterschiedlichen Menschen, die sich diesen charmanten Raum erobern. Hierfür wünschen sich alle den Respekt.


Georg Kolbe
Skulptur von Georg Kolbe

Bei den Kunstwerken gab es so manchen Austausch. Zu einer Farce entwickelte sich die Entledigung des Heine-Denkmals von Hugo Lederer (* 16. November 1871 in Znaim Österreich-Ungarn; † 1. August 1940 in Berlin) .
Dieser lebte und wirkte im Berlin der Regentschaft Kaiser Wilhelms II. und der ersten deutschen Demokratie; seine Kunst war dekorativ und apolitisch. Seinen größten Erfolg errang er 1902 bei dem Wettbewerb für das kolossale Bismarck-Denkmal in Hamburg.
Schon 1913 hatte der Hamburger Senat die Aufstellung seiner Heine-Plastik im Stadtpark genehmigt. 
Am 7. Juni 1923 wurde Lederer gemeinsam mit Albert Einstein, Max Liebermann und Felix Klein in den Orden Pour le Mérite für Wissenschaft und Künste aufgenommen.
Die Einweihung der Heine-Plastik im Park ist jedoch erst 1926 erfolgt: Die Hansestadt hat sich mit dem kritischen Dichter schon immer schwergetan, rechte Stimmen ihn wiederholt als Nestbeschmutzer verunglimpft. Nun sollte das Denkmal endgültig entfernt werden, doch gestaltet sich dies aus juristischen Gründen schwierig: Erstens war keine formale Übereignung des Denkmals erfolgt. Hier rettete man sich mit der Erklärung, dass das Denkmal in städtisches Eigentum übergegangen sei, weil es fest mit dem Parkboden verbunden sei. Und um zweitens auch an den Rechten des Künstlers vorbeizukommen, findet sich ebenfalls ein Ausweg. Zwar dürfe ein Kunstwerk nicht ohne Zustimmung des Künstlers verändert werden, aber schließlich sei eine Vernichtung ja keine Veränderung. Und so wurde die Statue bereits 1933 zerstört.

In mehreren Arealen lässt sich vortrefflich grillen.
Hier nur noch einige Hinweise:
Nutzen Sie die dafür ausgewiesenen Zonen.
Verwenden Sie keine Einweggrills
Halten Sie ca. 50 cm Abstand zum Erdboden um Schäden der Rasennarbe zu vermeiden.
Halten Sie Abstand zu Bäumen und Sträuchern.
Vermeiden Sie Funkenflug und Rauschwaden.
Löschen Sie heiße Asche ab und entsorgen diese in den roten Behältern.


Haltestellen in der Nähe
U-Bahn Borgweg 0,6 km entfernt
Hamburg U-Bahn U3
U-Bahnhof Sierichstraße 1,1 km entfernt
Hamburg U-Bahn U3
U-Bahnhof Hudtwalckerstraße 1,2 km entfernt

Bismarckturm Aumühle