Antike

Frühes Mittelalter in Lübeck und Stormarn

Die Landschaften bekamen zuletzt hier die Namen Wagrien und Lauenburg. Nördlich der Trave wurde dies immer schon deutlich, südlich gab es aber auch schon die Bezeichnung Stormarn.

Der Name Wagrien (Waierland, Wagerland) bezeichnet den nordöstlichen Teil Holsteins im Bundesland Schleswig-Holstein. Das sind in etwa die Landkreise Plön und Ostholstein. Wagrien (slawisch): Die an den Buchten leben.

Seit dem Mittelalter, und auf alten Karten noch ersichtlich, wurde Wagrien von der Kieler Förde bis zur Lübecker Bucht nach Nordosten von der Ostsee begrenzt, im Binnenland durch die Flüsse Schwentine und Trave. Heute wird meist nur noch die Oldenburgische Halbinsel (Ostholstein) als Wagrien bezeichnet.

Der Name Wagrien geht auf den slawischen Stamm der Wagrier zurück, der nicht nur die heute sog. Halbinsel Wagrien, sondern den gesamten Raum zwischen Kieler Förde, der mittleren Trave und dem Unterlauf des Flusses bewohnt hat, und zwar spätestens seit dem 8. Jahrhundert. Die zentrale Wagrier-Burg befand sich in Oldenburg in Holstein (damals Starigard = alte Burg), deren Wall noch heute existiert. Wichtige Orte der Wagrier waren Oldenburg und Alt-Lübeck (Liubice) sowie Plön (Plune).

Die wohl erste schriftliche Erwähnung der namengebenden Holsteiner findet sich bei Adam von Bremen anno 1076:

Transalbianorum Saxonum populi sunt tres: primi ad occeanum sunt Tedmarsgoi, et eorum ecclesia mater in Melindorp, secundi Holcetae dicti a silvis quas accolunt; eos Sturia flumen interluit, ecclesia Scanafeld; tercii et nobiliores Sturmarii dicuntur, eo quod seditionibus ea gens frequens agitur. Inter quos metropolis Hammaburg caput extollit, olim viris et armis potens, agro et frugibus felix. 

übersetzt:

"Der nordelbischen Völker der Sachsen sind drei, als erste sind am Meer die Dithmarscher, und ihre Mutterkirche befindet sich in Meldorf, als zweite die Holsteiner, benannt nach den Wäldern, die sie bewohnen; zwischen ihnen fließt der Fluss Stör, (ihre) Kirche ist in Schenefeld; die dritten und namhaftesten werden Stormarn genannt, weil dieser Stamm häufig zu Unruhen neigt (vermutl. urspr. Bedeutung Sturmland). In ihrer Mitte erhebt die Metropole Hammaburg ihr Haupt, die früher reich an Männern und Waffen war, ergiebig an Land und Früchten." 

Das ursprüngliche Holstein umfasste also ungefähr die heutigen Kreise Segeberg, Steinburg, Pinneberg, Neumünster, Kiel, Rendsburg-Eckernförde südlich der Eider, südliches Plön und Stormarn. Dithmarschen zählt man zwar prinzipiell ebenfalls zu Holstein, doch konnte sich diese Landschaft das gesamte Mittelalter hindurch eine weitgehende Unabhängigkeit bewahren, bevor es im 16. Jahrhundert auch faktisch Teil des Herzogtums Holstein wurde.

Wie ist nun die heutige Bevölkerung hier entstanden? 

Die Sachsen sind ein westgermanischer Stammesverband, der sich vermutlich im 3. Jahrhundert bildete. Die Stämme der Chauken, Angrivarier und Cherusker, die sich zu den Sachsen zusammenschlossen, lebten schon im 1. Jh. im Nordwesten des heutigen Deutschlands und im Osten der heutigen Niederlande.

Ab etwa 200, verstärkt dann ab etwa 440, wanderten viele Angeln gemeinsam mit Sachsen, Friesen und Jüten nach Britannien aus. Dass die heutige Landschaft Angeln dabei wirklich von allen Bewohnern verlassen wurde, wie es spätere Berichte behaupten, ist eher unwahrscheinlich. 

Die Region blieb für die Zurückbleibenden trotzdem attraktiv genug und es strömte im 7./8. Jhdrt. wieder Bevölkerung hierher.  In der Hauptsache zunächst aber weiter nördlich.   Die Wikingersiedlung  Haithabu ist ein deutliches Zeichen hierfür. Letztendlich war dies dann der Hauptsiedlungsraum der slawischen Stämme eben Wagrier und Stormarner.


 

 

Hochmittelalter