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Aus dem Eiderkanal wird der Nord-Ostsee-Kanal

Der Nord-Ostsee-Kanal (NOK) ist die weltweit meistbefahrene künstliche Wasserstraße für Seeschiffe und durchschneidet Schleswig-Holstein.
Um die 30.000 Schiffe pro Jahr passieren den Kanal, im Jahr 2016 passierten ihn 29.284 Schiffe. Jetzt ist er in die Jahre gekommen und die Schleusen, Fährverbindungen, Tunnel und Hochbrücken verschlingen immer mehr Steuergelder. Zurück geht der Kanal auf den 1784 in Betrieb genommenen und 1853 in Eiderkanal umbenannten Schleswig-Holsteinischen Canal, der ersten Verbindung zwischen Nord- und Ostsee für seegängige Schiffe.

Briefmarke 75 Jahre Nord-Ostsee-Kanal

Der wurde am 18. Oktober 1784 nach siebenjähriger Bauzeit eröffnet. Er verband den Unterlauf der Eider bei Rendsburg mit der Kieler Förde und damit die Nordsee mit der Ostsee. Es entstanden ja schon der Stecknitzkanal und der Alster-Beste-Kanal, die jedoch nicht für Seeschiffe bestimmt waren. Der Eiderkanal, wie er später genannt wurde, konnte von seegehenden Seglern bis zu 50 Commerzlasten = 121 Tonnen Ladegewicht befahren werden. Er war 3,45 m tief, an der Sohle 17 m und am Spiegel 31 m breit. Seine Grabungslänge betrug 34 km und seine Wegstrecke bis nach Rendsbug 43 km. Die Wasserscheide überwand der Kanal durch insgesamt sechs Schleusen. Zur Kanalanlage gehörten u.a. die Packhäuser in Tönning , Rendsburg und Holtenau, Backsteinbauten beträchtlichen Ausmaßes für die zum Umschlag bestimmten Waren. In Rendsburg finden wir außerdem noch ein stattliches Zollhaus und ein kleines Schleusenwärterhäuschen. Die Passage von Holtenau nach Tönning (180 km) dauerte aber drei bis vier Tage. Bei rauhen oder achterlichen Winden konnten Segel gesetzt werden, meist war man aber auf das Treideln mit Menschen- oder Pferdekraft angewiesen.
Auf der Eider ging es dann von Rendsburg in Richtung Tönning weiter, wobei allerdings Ebbe und Flut die Fahrt jeweils hemmten oder beschleunigten. Der Schleswig-Holsteinische Canal war mit seinen Bauwerken der modernste Kanal seiner Zeit und galt weithin als ein technisches Wunderwerk. Mit seiner Fertigstellung ging ein langgehegter Wunsch der Reeder und der Kaufmannschaft in Erfüllung: die zeitraubende und äußerst gefährliche Umsegelung um die jütische Halbinsel, durch Skagerrak und Kattegat, konnte nunmehr vermieden werden.
Die internationale Schifffahrt hat im folgenden Jahrhundert diesen Verkehrsweg in erheblichem Maße genutzt. Vier- bis fünftausend Segler durchfuhren ihn in den besten Jahren. Mit der Zunahme der Schiffsgrößen büßte der Kanal jedoch mehr und mehr seine überragende Bedeutung. Obgleich die Zahl der ihn benutzenden Schiffe bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts anstieg, musste die Hauptmasse der Tonnage wieder um Skagen herumund durch den dänischen Sund in die Ostsee befördert werden.


In den gut hundert Jahren seines Bestehens nutzten etwa 300.000 Schiffe den Kanal. Was er einst gekostet hatte und wieviel man mit ihm verdiente blieb ein Geheimnis. Sicher ist nur, das den Vorsitz der Kanalbaukommision der Besitzer des Schloss Ahrensburg und als Schatzmeister in dänischen Diensten stehende Kaufmann Heinrich Carl von Schimmelmann übernahm.
Man sann jetzt verstärkt darauf den Eiderkanal durch eine größere, modernere Wasserstraße zu ersetzen, die im geeigneten Fahrwasser der Elbe ausmünden sollte. Den Anstoß für die Streckenführung des NOK gab die „Projectirung einer Canalanlage durch Holstein von der Elbmündung … bis zur Ostsee“, die das Königlich-Dänische Ministerium für die Herzogtümer Holstein und Lauenburg 1862 in Auftrag gegeben hatte.
Der Deutsch-Dänische Krieg veränderte aber einiges. 1864 erteilte der preußische Kanzler Otto von Bismarck den Auftrag, Ermittlungen über eine Verbindung zwischen Nord- und Ostsee anzustellen, „welche alle Kriegs- Handels- und Dampfschiffe gut passieren können“. Der deutschen Flotte sollte die Möglichkeit gegeben werden, „jederzeit von der Ostsee in die Nordsee zu gelangen, ohne unter dänischen Kanonen passieren zu müssen“. Damit wurde der zunächst vorrangig militärisch-strategische Charakter des Kanalprojekts deutlich angesprochen. Die Generäle Moltke und Albrecht von Roon sprachen sich allerdings gegen das von Bismarck forcierte Kanalprojekt aus. Generalstabschef Helmuth Karl Bernhard von Moltke verfasste sogar ein Pamphlet Rede gegen den Kanalbau. 
1873 schien das Kanalprojekt gescheitert. Aber Bismarck fand Verbündete. 1878 legten der Hamburger Heinrich Dahlström, auch „Kanalström“ genannt, und der Wasserbauinspektor Fritz Boden einen Plan für einen Kanal vor, der weitgehend entlang der heutigen Streckenführung von Kiel-Holtenau nach Brunsbüttel führen sollte. Bismarck gelang es in der Folge, Kaiser Wilhelm I. für den Kanalbau zu gewinnen. 
Das neue Bauwerk wurde ebenfalls nach siebenjähriger Ausgrabung 1895 dem Verkehr übergeben. Zur Erinnerung: 
1869 ging der Sueskanal in Betrieb, der Panamakanal folgte 1914.
Der NOK ist heute der meist befahrene Kanal der Welt. Heute vermitteln einige idyllische Reststrecken des Eiderkanals, drei erhaltene Schleusenanlagen, die Packhäuser sowie das Zollhaus einen Eindruck vom Schleswig-Holsteinischen Canal (Eiderkanal). Alle diese Zeugen sind bedeutende Denkmäler der technischen Leistung und des politischen Reformwillens am Ende des 18. Jahrhunderts.

Nachdem der Kaiser-Wilhelm-Kanal, so hieß er zuerst, dann den Betrieb aufnahm verlor Lübeck schlagartig 30 Prozent seines Ostseehandels, die alte "Konkurrentin" Hamburg war durch diesen Kanal gewissermaßen über Nacht zum neuen Zentrum des Ostseehandels geworden.
Mit dem Kanal ist die Wegstrecke für Seeschiffe von der und in die Ostsee je nach Abfahrts- und Zielhafen im Schnitt 250 Seemeilen (rund 460 km) kürzer. Die Endpunkte befinden sich in Brunsbüttel an der Unterelbe (km 0,38) und in Kiel-Holtenau an der Kieler Förde (km 98,64). Sie liegen 98,26 Kilometer auseinander (Luftlinie 85,5 Kilometer). Mit Wasser gespeist wird der Kanal über die Eider. Etwa 1200 Quadratkilometer des ursprünglichen Einzugsgebiets der Eider entwässern in den Nord-Ostsee-Kanal. Die Wassertiefe beträgt 11 m, Höhe der Brücken über Wasserlinie 42 m.
Es besteht Lotsenzwang und es wird speziell ein Kanalsteuerer eingesetzt. 

Salz