Kurze Geschichte von Rundfunk und Fernsehen

Der erste deutsche Unterhaltungssender wurde am 29. Oktober 1923 in Berlin in Betrieb genommen. Nur einen Monat später waren etwa 500 Rundfunkteilnehmer gemeldet. Drei Jahre später gab es bereits eine Million Teilnehmer. Im Jahr 1931 hatte jede vierte Familie ein Radiogerät, und 1939 näherte sich die Hörerzahl bereits der 10-Millionen-Grenze.
Die Anfänge der Funktechnik gehen ins 19. Jahrhundert zurück. Guglielmo Marconi (* 25. April 1874 in Bologna; † 20. Juli 1937 in Rom) führte 1897 in England erste Versuche mit den vom Hamburger Physiker Heinrich Hertz entdeckten elektromagnetischen Wellen durch. Parallel dazu experimentierten in Deutschland Adolf Slaby (* 18. April 1849 in Berlin; † 6. April 1913 in Charlottenburg) von der AEG Berlin und Ferdinand Braun (* 6. Juni 1850 in Fulda; † 20. April 1918 in New York) von Siemens & Halske mit der drahtlosen Telegraphie. Die erbitterte Konkurrenz, die zwischen den beiden bestand, fand mit der gemeinsamen Gründung der "Gesellschaft für drahtlose Telegraphie mbH", genannt "Telefunken", ein Ende. 
Während des Ersten Weltkrieges wurde die Funktechnik vor allem aus militärischen Erwägungen weiterentwickelt.  Anfang der zwanziger Jahre setzte die Rundfunkbewegung, ausgehend von Amerika, in großem Umfang ein und verbreitete sich als Massenmedium in alle Welt. In Deutschland erlangte Hans Bredow (* 26. November 1879 in Schlawe, Pommern; † 9. Januar 1959 in Wiesbaden), der bis 1919 Generaldirektor bei Telefunken war, durch die Gründung regionaler Sender als "Vater des deutschen Rundfunks" Berühmtheit. Hans Bredow war es dann auch, er prägte 1919 den Begriff Rundfunk und verwendete ihn zwei Jahre später erstmals öffentlich. 
Der "Siemens-D-Zug" von Siemens & Halske, ein dreistufiges Röhrengerät mit Trichterlautsprecher, wurde auf der ersten Großen Deutschen Funkausstellung 1924 in Berlin vorgestellt. Dabei hatte Siemens & Halske erst 1923 die Entwicklung und Produktion von Rundfunkempfängern aufgenommen. Schnell avancierte das Radio vom Experimentiergerät zum Einrichtungsgegenstand, bildete den Mittelpunkt der "guten Stube". Diese repräsentative Funktion kommt auch in dem Spitznamen "Herr im Frack" zum Ausdruck - wie der 5-Kreis-4-Röhren-Superhet-Empfänger "Schatulle" von Siemens & Halske aus dem Jahr 1935 gern genannt wurde. 
Durch die Produktion des Volksempfängers, einer Gemeinschaftsentwicklung der deutschen Rundfunkindustrie, wurde die Verbreitung des Radios - nun als Propaganda-Instrument - enorm gefördert. Er war bereits für 75 Mark zu haben, während für einen Spitzenempfänger wie den  "Herrn im Frack" noch fast das Vierfache bezahlt werden musste.

Die Entwicklung des Fernsehens ist durch eine Vielzahl verschiedener Erfindungen bestimmt, die hier in einem neuen Medium zusammengeführt wurden. Grundlage war die punktuelle Bildabtastung, wie sie der Berliner Student der Naturwissenschaften Paul Nipkow (* 22. August 1860 in Lauenburg i. Pom. (heute: Lębork in Polen); † 24. August 1940 in Berlin) schon 1884 vorgeschlagen hatte. Doch es dauerte noch einige Zeit, bis die technischen Voraussetzungen für dieses Prinzip geschaffen waren.
In Deutschland war Telefunken die erste Firma, die sich zusammen mit Siemens & Halske und August Karolus  (* 16. März 1893 in Reihen (heute Stadtteil von Sinsheim); † 1. August 1972 in Zollikon bei Zürich) mit der Fernsehtechnik beschäftigte. Auf der Großen Deutschen Funkausstellung 1928, auf der das Fernsehen erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, präsentierte Telefunken ein System, das durch Projektion bereits 75 x 75 cm große Bilder auf einer Mattscheibe ermöglichte.
Aber erst mit der elektronischen Abtastung begann um 1930 der Siegeszug des Fernsehens, und die ersten UKW-Fernsehsender wurden in Betrieb genommen. Der Sender "Paul Nipkow" in Berlin-Witzleben verbreitete ab 1935 das erste regelmäßige und öffentliche Fernsehprogramm der Welt. Im selben Jahr machten die Nationalsozialisten dem Rundfunkpionier Hans Bredow und anderen, die für einen unabhängigen Rundfunk eingetreten waren, den Prozess und schickten sie ins Konzentrationslager, hoben 1937 die Verurteilung aber wieder auf.

Die Rote Armee benutzte Funkfrequenzen im Fernsehband I und traf damit genau das Programm der ARD vom Sender Ochsenkopf. Die Internationale Vereinbarung zur Nutzung der Funkbänder hatte die Rote Armee einfach ignoriert.
Abhilfe bot die Konstruktion eines selektiven Sperrkreises.
Logischerweise wurde diese Konstruktion als Russentod bezeichnet. Dieser Sperrkreis war keine Erfindung der DDR-Bürger. Bereits mit Beginn der Rundfunksendungen in den zwanziger Jahren wurde reger Gebrauch davon gemacht.

Die Olympischen Spiele 1936 in Berlin wurden zur Feuerprobe der Live-Übertragung: Die Kameras in den Stadien waren über Breitbandkabel mit dem Studio verbunden, wo man sie wahlweise auf den Sender schaltete. Mit dabei war der Aufnahmeoperateur und junge Ingenieur Walter Bruch (* 2. März 1908 in Neustadt an der Weinstraße; † 5. Mai 1990 in Hannover), der spätere Erfinder des PAL-Farbfernsehverfahrens. Als Empfangsstationen hatte man in Berlin neben privaten Anlagen 27 Fernsehstuben und zwei Großprojektionssäle eingerichtet. 
Auf der letzten Funkausstellung vor dem Krieg stellte Telefunken 1939 den "Fernseh-Einheitsempfänger" vor, der mit der ersten Rechteckbildröhre der Welt (19,5 x 22,5 cm) ausgerüstet war und 650 Mark kosten sollte. Die Produktion wurde jedoch wegen des Krieges nicht mehr aufgenommen.
1955 gab es 100.000 Fernsehgeräte im Bundesgebiet und 1957 war die erste Fernsehteilnehmer-Million erreicht. In der Folgezeit entwickelte sich der Fernseher zum Prestigeobjekt. Der Durchbruch zum Massenmedium gelang in der Bundesrepublik Deutschland 1959: Täglich wurden 5.000 Geräte verkauft, Ende des Jahres gab es zwei Millionen, 1960 knapp 3,5 Millionen Teilnehmer. 1961 waren es schließlich in 26 Ländern der Welt weit über 100 Millionen Fernsehteilnehmer. 


Hier geht es zur Datenschutzerklärung.

Wir verwenden Google analytics.