Vorgeschichte

Vor- und Frühgeschichte des Trave-Raumes 

Schleswig-Holstein verdankt seine Existenz Skandinavien. Wer über das kahle norwegisch-schwedisches Fjell oder durch die karge finnische Granitbuckel-Landschaft fährt oder wandert ist sich wohl kaum bewusst, dass er sich gleichsam in der Heimat Schleswig-Holstein befindet. Einst lag auf dem skandinavischen Gebirge eine mächtige Verwitterungsschicht, diese ist jetzt zum großen Teil in Schleswig-Holstein anzutreffen. In drei oder vier Kaltzeiten haben die Eismassen den Gesteinsschutt des Nordens abgeschürft und südwärts geschoben. Jetzt treffen wir also hier bröckeligen roten Rapakiwigranit aus Finnland an, auch grauen plattigen Silurkalk, der wohl von Gotland stammt, und auch harten braunvioletten Rhombenporphyr vom Oslofjord. In Dänemark und im südlichen Ostseebereich überfuhr das Eis eine Kreidekalklandschaft. Dorther stammen die vielen Feuersteinknollen, vor allem aber der Kalk des Geschiebemergels. Wer mehr  über diese Gesteine wissen möchte, der sollte die Geschiebesammlung im Stormarner Dorfmuseum in Hoisdorf nicht verpassen. Der Amateurgeologe Peter Jakobi hat in dieser Sammlung 32 Geschiebestücke zusammengestellt, von denen jedes einer anderen Gesteinsart angehört.  Das Gesteinsvorkommen eignet sich aber nicht zum Häuserbau. Deshalb entwickelte sich später, als großer Bedarf an Steinen war die für große Bauten hier typische Backsteingotik.

Erdgeschichtlich betrachtet ist diese Landschaft jung. Stärker als im deutschen Binnenland bewirken hier die Kräfte der Natur immer noch fortdauernd Veränderungen. Die Küsten an Nord- und Ostsee wandeln sich nach wie vor. Sehr schön immer aktuell zu sehen zum Beispiel am Brodtener Ufer.

Brodtener Ufer

Unter der heutigen Erdoberfläche ruhen auf dem Grundgebirge die Ablagerungen aus den verschiedenen erdgeschichtlichen Zeitstufen. Vor rund 250 Millionen Jahren, in der Permzeit des Erdmittelalters, begann im heutigen Nordseeraum und in Nordwestdeutschland die Erdkruste sich einzusenken. Und seitdem schon wurden hier viele Schichten verschiedener Absatzgesteine in einer Mächtigkeit von einigen 1000 m abgelagert, die bei Klimaveränderungen in einem ständigen Wechsel von Land- und Meerbildung entstanden. Besonders in der Zechsteinformation lagerten sich vornehmlich in Norddeutschland infolge Verdunstung gewaltiger Wassermengen im Zeitraum von etwa 20 Millionen Jahren Salzschichten und salzreiche Gesteine ab, die mehrere 100 m mächtig wurden. Sie sind unter der Last sich darüber ablagernder jüngerer Gesteine so plastisch geworden, da sie in bestimmten, durch Bewegungsvorgänge des Grundgebirges entstandenen Schwächezonen zu unterirdischen Salzdomen und Salzmauern hochgepresst wurden. Gelangt jetzt das Salz in die Nähe des Grundwassers, so wird es ausgelaugt. Die dabei verbliebenen Reste durchstoßen als Gipshut sogar die Erdoberfläche, wie es zum Beispiel beim Segeberger Kalkberg der Fall ist.

Mehr zum Thema Salz gibt es hier...

Zu den voreiszeitlichen Ablagerungen gehört noch der Bernstein. Es handelt sich dabei um einen fossilen Harzausfluss der Bernsteinkiefern, die in großen Wäldern vor 55 bis 33 Mio. Jahren hier wuchsen. Die Hauptfundstellen befanden und befinden sich an der Samland-Küste vor Ostpreußen und an der deutschen Nordseeküste. Bernsteinnester sind auch aus den eiszeitlichen Geschieben bekannt. Mit etwas Glück kann man deshalb durchaus bei Spaziergängen an der Küste der Lübecker Bucht ein Stück finden. Bernstein, das Gold des Nordens, spielte während der Stein- und vor allem der Bronzezeit als wichtiger Tauschartikel für Bronze in Schleswig-Holsteins eine große Rolle.
Entscheidend für die heutige Oberfläche und das Landschaftsbild waren die drei letzten Eiszeiten (Elster-Saale-Weichsel), der vergangenen 600.000 Jahre. Die Ablagerungen aus den früheren Eiszeiten sind fast überall überdeckt. In der „Hohen Geest“ im Westen Schleswig-Holsteins sind heute noch die Moränenzüge  als Reste damaliger Eisrandlager der vorletzten Eiszeit zu sehen, während die Gletscher der letzten Eiszeit lediglich bis zum Mittelrücken also in einer gedachten Linie Flensburg-Rendsburg-Ahrensburg vordrangen und hier ihre Spuren hinterließen.
Als sich die Eisgrenze, als es wieder warm wurde, mehr und mehr nach Skandinavien zurück verlagerte, formte sich die heutige Gestalt der Landschaft. Die ablaufenden Schmelzwasser gruben die Rinnen für Flüsse, Auen und Bäche.  Der Meeresspiegel lag aber noch so niedrig, dass eine Landbrücke zur englischen Insel existierte. Nachdem in die Schuttlandschaft von Süden her die Pflanzen- und Tierwelt eingewandert war, folgte bald der Mensch.

 


Die Überflutung (Transgression) überschritt die heutige 20 m-Tiefenlinie vor etwa 8000 Jahren. Um 4000 v. Chr. war die 4 m Tiefenlinie erreicht und aus ehemaligen Gletschertälern und Becken entstanden die Förden. Fehmarn verlor jetzt seinen Zusammenhang mit dem Festland und wurde eine Insel. 2000 v. Chr. erreichte das Wasser die jetzige 2 m-Tiefenlinie. Seitdem wurde der Anstieg zwar langsamer,  ging aber, wenn auch mit Schwankung des Wasserspiegels bis zur heutigen Zeit weiter und wir wissen ja, dass durch die Klimaveränderung der Meeresspiegel noch weiter steigen wird.

Der tiefe Einschnitt der Trave entstand als in der Weichseleiszeit Gletscher die Traveförde aushobelten. Die Förde bildet  auch den Unterlauf der Trave. Das Wasser der Trave fließt erst seit etwa 12.000 v. Chr. nach Norden in die Ostsee ab. Vorher war die Abflussrichtung noch durch die glazialen Rinnen nach Süden, da der Weg nach Norden noch durch die Gletscherreste versperrt war.
Das ständig nachfließende Wasser der Trave hält den Abfluss der Traveförde zur Ostsee - gegen die am Brodtener Ufer abgetragene und durch die Strömung nach Osten verlagerten Sandmassen - offen und verhindert damit eine Abtrennung von der Ostsee, ganz entscheidend also für die Bedeutung dieses Gebietes. 

13.000 v.Chr.