1390

1410-1460 im Traveraum Lübeck bis Hamburg

1410: Nach politischen Unruhen in Lübeck führte nun Hamburg 1410–1416 die Hanse an. Der Rat in Hamburg erließ 1410 jedem Kirchspiel einen Rezess, in dem die Rechte der Bürger verbrieft sind. Diese erste Hamburger Verfassung war jedoch nur sieben Jahre in Kraft.

1420 eroberten Hamburger und Lübecker Truppen die Burg Bergedorf zur Sicherung des Landweges zwischen den beiden Städten und stellten das Dorf nach dem Vertrag von Perleberg unter „beiderstädtische Verwaltung“. Eine Hälfte des Sachsenwaldes ging dabei an Hamburg und Lübeck. Der Holk begann die Kogge als meistgenutzte Bauform für Handelsschiffe abzulösen. 
1412:  Das Gut Wellingsbüttel befand sich seit 1412 im Besitz der Bremer Erzbischöfe, die es vornehmlich an Hamburger Domherren verpfändeten.
Bertram von Minden, auch bekannt als Meister Bertram (* um 1340 in oder bei Minden (Westfalen)) stirbt 1414 oder 1415 in Hamburg. Er war einer der bedeutendsten Maler der Gotik. Die Hamburger Kunsthalle zeigt einige seiner Werke heute.
In Bad Oldesloe ging die um 1150 geweihte St.-Petri-Kirche 1415 durch Kriegsereignisse in Flammen auf.  Die neue, auf ihren Grundmauern errichtete Kirche bekam den Namen “kerke sante Peters und sante Pawels”.

1418 feiert Lübeck im Sommer den wohl glanzvollsten Hansetag. Lübeck darf sich seitdem "Haupt der Hanse" nennen.
Auf den Hansetagen der jüngeren Zeit werden keine Beschlüsse mehr gefasst. Meistens präsentieren sich die vertretenen Hansestädte in einem mehrtägigen und sehr bunten Fest mit Kunst, Kultur und Musik. Dabei ist gewollt, das ein mittelalterliches Flair durch Kostüme und Umzüge entsteht. 2017 findet wieder einer statt, dieses mal in Kampen in den Niederlanden.
1420: Nach dem Zehntregister des Lübecker Bischofs von 1420 bis 1439 wird Schönborn (später Schürensöhlen) als wüst, also verlassen, zerstört bezeichnet.
Die Kirche ist allerdings 1472 noch als Kapelle erwähnt.
Der Ort Schürensöhlen wird an anderer Stelle wieder aufgebaut.
Im 15. Jahrhundert begann der Aufstieg der Territorialfürsten. Sie bedrohten zunehmend die Privilegien der Hansestädte. In Deutschland schrumpfte zusätzlich das Seehandelsvolumen, während der Landhandel zunahm, und so fehlten der Hanse mehr und mehr die finanziellen Mittel für eine eigenständige Politik. Hinzu kam, dass Niederländer und Engländer erfolgreich am aufkommenden Überseehandel partizipierten. Der Niedergang der Hanse hatte eingesetzt. Zu Beginn des Jahrhunderts setzte der Handel mit Island ein. 1423 wurde die erste Schiffsfahrt erwähnt. Diese Seefahrer waren zunächst Mitglieder der Englandfahrergesellschaft und fuhren auch später noch, als sie zu separaten Gesellschaften geworden waren, neben Island die Shetlands und die Färöer an.

 

 

In Hamburg lebt nun seit 1420 Meister Francke, ein Mönchsmaler von Altarbildern. Aus der Kopie eines Kaufvertrags für ein Altarbild geht hervor, dass Francke spätestens 1424 in das Dominikanerkloster St. Johannis in Hamburg eintrat. Seine Werke sind sehr bedeutend, ein Teil ist in der Kunsthalle Hamburg ausgestellt. Gegründet wurde Klein Schenkenberg (Ortsteil von Klein Wesenberg, Stormarn) wahrscheinlich Ende des 12. Jahrhunderts vom Kloster Reinfeld. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1428.
In Gent wird der Genter Altar das erste Mal aufgestellt. Die Künstler waren die Gebrüder Eyck, wobei die Rolle, die Hubert dabei gespielt hat mittlerweile umstritten ist. Der Altar wird in der Neuzeit eine erhebliche Bedeutung für die Kunstwelt bekommen.
Die Bischöfe von Lübeck erhielten von Kaiser Sigismund 1434 das Recht, als dessen Vertreter die Belehnung des Herzogtums Holstein durchzuführen. Dies führte zu unangenehmen Spannungen. 
Das Kloster Reinfeld:
Unter der Herrschaft des Abtes Friedrich (wahrscheinlich 1432-1460) erlangte das Kloster das höchste Maß an Einfluss und Ansehen. Neben der hoch entwickelten Karpfenzucht brauten sie auch Bier und betrieben sogar eine bordell-ähnliche Einrichtung.
1433:
Grabau wurde erstmals 1433 urkundlich erwähnt. Mesolithische Funde zeigen die Erstbesiedlung der Gegend an. Das Grabauer Gräberfeld weist auf eine Besiedlung in der Bronzezeit hin. Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung des Dorfes Meddewade (Midwalde) befindet sich im Zehntregister des Lübecker Bischofs Schele aus dem Jahre 1433.
Nach neuem Krieg mit Dänemark (1420 – 35) kommt es 1435 zum Frieden von Vordingborg und die wendischen Städte werden vom dänischen Sundzoll befreit.
1435 kam Großhansdorf auch staatsrechtlich zur Hansestadt Hamburg.

Seit 1439 ist bei der Stadt Eutin  "vor dem Lübecker Tor" ein Leprosorium nachweisbar, das St. Jürgenstift genannt wurde und später in das St.-Georg-Hospital aufging. Im Gebäude des Hospitals befand sich später das Kreisheimatmuseum (heute Ostholstein-Museum Eutin).

Der Vertrag von Ripen
1439 wird Graf Adolf VIII., der letzte Schauenburger, auch Herzog von Schleswig. Nach jahrhundertelangem Kampf zwischen Dänen und Deutschen um die Vorherrschaft in Schleswig ersinnt er eine Lösung, die beiden Völkern endlich ein friedliches Zusammenleben ermöglicht:
Er schlägt 1459 den schleswig-holsteinischen Ständen König Christian I. aus dem Hause der Oldenburger als seinen Nachfolger vor. Die norddeutschen Städte der Hanse hatten an diesem Ergebnis aus handelspolitischen Gründen kein Interesse und versuchten, diese Lösung schon im Vorfeld diplomatisch zu unterlaufen. Sie wurden jedoch nicht gehört. Im Vertrag von Ripen am 5.3.1460 wird der Vorschlag akzeptiert und am 4.4.1460 nach Zusatzverträgen - den "Tapferen Verbesserungen", der Bestätigung so mancher Privilegien - beschlossen und verkündet: Für die nächsten 400 Jahre ist Schleswig-Holstein mit Dänemark in Personalunion und miteinander verbunden.  Graf Adolf VIII. präsentierte ihn den skeptischen Ständen als seinen Erben und Nachfolger. 

Up ewig ungedeelt Bargfeld-Stegen
Up ewig ungedeelt Bargfeld-Stegen


Diese nur schwer zu schluckende Pille wird durch den Zusatz versüßt: 

Dat se blieven ewich tosamende ungedeelt.


Das politische Schlagwort "Up ewig ungedeelt" (auf ewig ungeteilt) kehrte 1841 in einem Gedicht des schleswig-holsteinisch gesinnten Apenrader Arztes August Wilhelm Neuber zurück und instrumentalisierte den Ripener Vertrag somit zusätzlich im Sinne der Loslösung Schleswigs und Holsteins von Dänemark. Die Spannungen nahmen aber nie wirklich ab. 1848 führten die Spannungen schließlich zum Bürgerkrieg, 1864 zum Ende des Gesamtstaats unter der dänischen Krone.

Gutenberg entwickelt um 1440 die Buchdruckkunst
Stormarn wählt als Symbol für sich den Schwan. Nachweisbar ist der Schwan zum ersten Mal 1446 im Siegel des späteren König Johann I. von Dänemark.
1442 kaufte das Zisterzienserinnen-Kloster Reinbek das Dorf Bünningstedt, das es 1567 zusammen mit der Klostervogtei Woldenhorn an die Familie Rantzau verkaufte. Diese gliederte es in das Adlige Gut Ahrensburg ein. 
1442 war der Ritter Hermann von Wyersrode Besitzer des Ortes, Rethwisch, der später Mathias von Ratlow gehörte und später in kirchlichen Besitz überging. Die Lübecker Kirche verkaufte Rethwisch an das Stift von Ratzeburg, das es nach kurzer Zeit an Sievert von Heest weiterveräußerte. Rethwisch blieb etwa 100 Jahre im Besitz derer von Heest bis es 1616 Anna von Heest für 70.000 Taler an den Herzog Johann den Jüngeren von Schleswig-Holstein-Sonderburg verkaufte. 
Schmalenbeck: 
Seit 1444 gehörte Schmalenbeck zu Hamburg. Aus dem unterirdisch gespeisten Dorfteich „Groten Diek“ (es existiert eine gleichnamige Straße) floss die „Smale Beeke“ (schmaler Bach). Zumindest bis zur Vereinigung der beiden Gemeinden im Jahre 1872 bildete der Viebach jedenfalls im Wesentlichen die Grenze zwischen Großhansdorf und Schmalenbeck. So lag das Gasthaus Dunker am Mühlenteich in Schmalenbeck.
1444 wird das Burgtor in Lübeck gebaut
Im 14. und 15. Jahrhundert geriet die Stadt Emden in stetige Konflikte mit der Hanse, da von Emden (und anderen Orten in Ostfriesland wie Marienhafe) aus die Seeräuber um Klaus Störtebeker unterstützt wurden. Folge dieses Konfliktes war die mehrfache Besetzung Emdens durch hansische (vor allem hamburgische) Kräfte. Die Hamburger zogen erst 1447 endgültig wieder aus Emden ab.
Um 1448 beginnen die Arbeiten am Alster-Beste-Kanal. Ein kühner Traum der Hansestädte Hamburg und Lübeck, eine schiffbare Verbindung unter sich herzustellen. Bei Gelingen könnte es zu einem neuen Wasserweg der Bedeutung unseres heutigen Nord-Ostseekanals kommen. Die Schiffsroute um Skagen und das Kattegatt war auch damals schon gefährlich, viele Schiffe und Waren gingen verloren. Außerdem waren die dänischen Zölle hoch. Der Landweg durch Stormarn war wegen des sandigen und hügeligen Bodens beschwerlich für Fuhrwerke, die Alte Salzstraße zu weit von Hamburg entfernt. Kriminelle Raubritter und Wegelagerer sorgten für zusätzlichen Ärger. Die konkrete Entstehung des Wasserweges beginnt 1448. Die Strecke war auf 40 Kilometern schiffbarer Alster bis Stegen, auf acht Kilometern gegrabenem Kanal bis Sülfeld, weiteren 15 Kilometern Norderbeste bis Bad Oldesloe und von dort auf 28 Kilometern über die Trave bis Lübeck mit 23 Schleusen und 29 Brücken geplant. Der Traum wurde jedoch nie vollendet.

1450:
Auf dem Gebiet des adligen Gutes Schulenburg stand noch im 15. Jahrhundert ein Bauerndorf mit Namen Schulendorf. Gutsuntertan waren die Dörfer Schmachthagen und Schwienköben.
Hamburg: 
1450 ließ der Rat erstmals das Fahrwasser der Elbe durch Tonnen markieren. Mit dem Tod des letzten Schauenburger Grafen 1459 begann für Hamburg eine lange Zeit, in der die gewonnenen Privilegien regelmäßig gegen die benachbarten Territorialfürsten verteidigt werden mussten. Innere politische Unruhen erlebte die Stadt 1458 und 1483, die aber durch Zugeständnisse des Rates im zweiten bzw. dritten Rezess beigelegt wurden. 1479 wurde aus einem Nachlass die erste öffentliche Bibliothek Deutschlands in Hamburg angelegt. 14 Jahre später betätigen sich die ersten Hamburger im Buchdruck. Nach der Überlieferung wurde die Bibliothek kaum benutzt, und die Buchdrucker mussten auf Druck der Geistlichen ihr Gewerbe in Hamburg wieder aufgeben. 1500 wurde Hamburg im Zuge der Reichsreform Teil des Niedersächsischen Reichskreises.

Um 1451 herum wird in Genua Christoph Kolumbus geboren. Er verwirklicht seinen Traum mit spanischer Hilfe und verändert die Welt mit seiner vermeintlichen Entdeckung Indiens, dabei handelte es sich um Amerika. 
Leonardo da Vinci wird am 15. April 1452 in Anchiano bei Vinci geboren.
1452 entsteht das Hauptwerk Gutenbergs die Gutenberg-Bibel. Ein Exemplar ist im Schloss Gottorf zu bewundern.
Die Eroberung von Konstantinopel, dem heutigen Istanbul im Jahr 1453 durch die Osmanen (türkisch) beendete das Byzantinische Reich (griechisch).
Mit der Wiedereroberung von Bordeaux 1453/54 endet in Frankreich der 100-jährige Krieg, der Johanna von Orléans (Die Jungfrau von Orléans oder Jean d'Arc) so berühmt gemacht hatte.
In einem Inquisitionsprozess wurde Johanna ein Pakt mit dem Teufel, das Tragen von Männerkleidung und ein kurzer Haarschnitt vorgeworfen. Am Ende wurde sie der Ketzerei für schuldig befunden und am 30. Mai 1431 in Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. 1920 dann durch Papst Benedikt XV. heilig gesprochen.

Von Gerhard II. und Gerhard III. wurde in Segeberg die Befestigungsanlage ausgebaut. 1459 gelangte sie in den Besitz Christians I. von Dänemark. Lange war Segeberg Sitz des königlich-dänischen Amtmannes. Der bekannteste von ihnen war Heinrich Rantzau im 16. Jahrhundert unter Friedrich II. von Dänemark. 

1460: Der dänische König Christian I wird Landesherr vom Herzogtum Schleswig und der Grafschaft Holstein. Die Verbindung mit Dänemark sollte über 400 Jahre bis 1866 bestehen bleiben, wobei lange Zeit die mit dem dänischen Königshaus verbundenen Herzöge von Gottorf die Macht ausübten. 
1460 wurde er auch Landesherr über ganz Schleswig-Holstein und somit auch über Wandsbek. Von nun an war der kleine Ort Lehnsgut unter wechselnden Besitzern.


 

 

 

 

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