1657

1670 bis 1678 in der Traveregion

 

Geschichte in Hamburg, Stormarn und der Traveregion
Lübeck 1670: Binnen der folgenden 100 Jahre wuchs die Zahl der Manufakturbetriebe auf 281 an (1784). Die Rohstoffe kamen sowohl aus West- und Süddeuropa (Tabak, Zucker und Leinen) wie auch aus dem Ostseeraum (für die Seifen und Amidam-Produktion). Die in Lübeck produzierte Stärke (Amidam), für die das Getreide aus dem agrarischen Um- und Hinterland benötigt wurde, war ein europäisches Spitzenprodukt. Für die Seifenproduktion importierte man Talg und Pottasche aus dem Ostseeraum und verwandte die fertige Seife in großen Mengen sowohl für die eigene Textilproduktion, als auch als Exportartikel in andere Textilregionen. 

Reinfeld: Nachdem Herzog Joachim Ernst von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Plön (* 29. August 1595 in Sønderborg; † 5. Oktober 1671 in Plön), gestorben war, erhielt sein ältester Sohn Johann Rudolph, meist Hans Adolf genannt, als Herzog zu Schleswig-Holstein die Ämter Plön, Ahrensbök, Reinfeld und Traventhal. Meddewade, Benstaben und Klein Wesenberg gehörten damals zum Amt Rethwisch. Herzog Hans Adolf diente  als Militär im Generalsrang für verschiedene Territorien. Er stiftete  ein Hospital- und Armenhaus und begründete eine Armenstiftung. Er starb am 2. Juli 1704 in Ruhleben. Seine Tochter Dorothea Sophia (* 4. Dezember 1692 in Plön; † 29. April 1765 in Fürstenberg/Havel) erhielt nun den Titel einer Herzogin zu Reinfeld und wohnte im Reinfelder Schloss.

Schloss Reinfeld

Schloss Reinfeld Modell im Heimatmuseum

Sie  heiratete am 16. April 1709 in Reinfeld Adolf Friedrich III., Herzog zu Mecklenburg.
1671 fiel Meddewade mit dem Tode des Plöner Herzogs Joachim Ernst an das neu gegründete Herzogtum Holstein-Rethwisch und damit in die Leibeigenschaft von Herzog Joachim Ernst dem Jüngeren von Holstein-Rethwisch. Meddewade hatte während der Leibeigenschaft Treidler zum Ziehen der Lastkähne auf der Trave zu stellen, im Dorf gab es nur wenige Bauernhöfe mit Land, aber viele Katen, zu denen kein Land gehörte. 
1672 wurde in Groß Barnitz eine Dorfschule gegründet.
Das Torhaus in Jersbek wird 1678 errichtet.

Torhaus Jersbek

Torhaus Jersbek

1670 erwarb der schleswig-holsteinische Politiker Magnus von Wedderkop das Gut Tremsbüttel.
Eutin: Johann Wilhelm Petersen (* 1. Juli 1649 in Osnabrück; † 31. Januar 1727 auf dem Gut Thymern (Thümern) bei Lübars (Möckern)) wurde 1678 zum  Hofprediger und Superintendent des Fürstbistums Lübeck in Eutin berufen. In jüngeren Jahren schon  gehörte er von 1643 bis 1649 als Notar zur Gesandschaft des Lübecker Syndicus David Gloxin bei den Verhandlungen um die Westfälischen Frieden in Osnabrück.Johann Wilhelm Petersen wuchs in Lübeck auf und besuchte das Katharineum zu Lübeck. Schon als Schüler schrieb Petersen 1668 ein Hochzeitsgedicht für Dietrich Buxtehude. Von 1688 bis 1692 war er Superintendent in Lüneburg.

Hamburg: Am 31. August 1667 stirbt in Wedel Johann Rist. Schon sein Vater war Pastor in Ottensen. Dieser bildete ihn zunächst auch aus, schickte ihn dann aber auf das Johanneum in Hamburg, später das Gymnasium illustre in Bremen. Johann Rist gilt neben Paul Gerhardt als der bedeutendste protestantische geistliche Dichter des 17. Jahrhunderts. Das Johann-Rist-Gymnasium in Wedel, der örtliche Basketball-Verein SC Rist Wedel, die Riststraße in Wedel und die Johann-Rist-Kehre in Quickborn-Heide wurden nach ihm benannt. 
Am 20. Juli 1668 wurde Johann Schulte (* 14. Dezember 1621 in Hamburg; † 2. März 1697 ebenda) , als Nachfolger von Barthold Twestreng (1612–1668), zum Bürgermeister gewählt. Er war damit der einzige Hamburger Bürgermeister, der, ohne vorher dem Rat angehört zu haben, zum Bürgermeister aufgestiegen war. Einige Jahre darauf sollte einer seiner Nachfolger, der Hamburger Bürgermeister Heinrich Meurer nämlich 1684 verhaftet werden, er flieht aber nach Celle. Hauptvorwürfe der Bürgerschaft waren Vetternwirtschaft und schleichende Beschneidung der Bürgerrechte. Meurer soll sich für den suspendierten Ratsherrn Krull beim Kaiser eingesetzt haben. Mit Hilfe des Herzogs von Braunschweig-Lüneburg in Celle Georg Wilhelm und des Kaisers bereitete er seine Rückkehr an die Spitze des Stadtstaates vor. Nach dem Scheitern der Verhandlungen zur Wiederherstellung der Ratsautorität wollte der Herzog gewaltsam gegen Hamburg vorgehen. In Hamburg regierten derzeit defacto Cord Jastram und Hieronymus Snitger. Die beiden wandte sich an den König von Dänemark, der seine Chance kommen sah und Hamburg bedrängte. Dieser dänische König Christian V. verlangte die sofortige Erbhuldigung, 400.000 Reichstaler Kontribution, die Übergabe der Stadtschlüssel und Duldung einer 2.000 Mann starken dänischen Besatzung. 
1686 rückten die Dänen dann auch tatsächlich an, was die Stimmung in Hamburg zum Umschlagen brachte.
Nach der Belagerung Hamburgs (1686) , der erfolgreichen Vertreibung der Dänen am 26. August 1686 durch das neuerliche Bündnis mit Lüneburg-Celle, sowie der Hinrichtung Jastrams und Snitgers  am 4. Oktober 1686 rief die Bürgerschaft Meurer wieder zurück, der dann bis zu seinem Tod mit starker Hand fast diktatorisch regierte.
Cord Jastram wurde ausgeweidet, gevierteilt und enthauptet. Sein Kopf wurde am Millerntor auf einen Pfahl aufgespießt und blieb dort für die nächsten neun Jahre für jedermann sichtbar. 

Briefmarke Guericke

Briefmarke Guericke

Wir kennen ihn aus dem Physik-Unterricht: Otto von Guericke (* 20. November jul./ 30. November 1602 greg. in Magdeburg; † 11. Mai jul./ 21. Mai 1686 greg. in Hamburg) war nicht nur ein Bürgermeister von Magdeburg, er war auch Physiker und Erfinder. Bekannt ist er vor allem für seine Experimente zum Luftdruck mit den Magdeburger Halbkugeln. Weniger bekannt ist, dass er 1681 nach Hamburg übersiedelte, als in Magdeburg die Pest ausbrach und man ihm die ehrenhalber gewährte Steuerfreiheit wieder strich. Hier bei seinem Sohn lebte er noch 5 Jahre.
Am 30. November 1676 wurde die weltweit erste Feuerversicherung, die Hamburger Feuerkasse als Versicherung gegen Brandschäden vom Rat und von der Bürgerschaft der Stadt gegründet. Sie besteht noch heute.

1677 stirbt in Hamburg Georg Greflinger, der wohl erste deutschsprachige Zeitungsredakteur im heutigen Sinne.
Am Gänsemarkt öffnete 1678 unter dem Namen Opern-Theatrum die erste deutsche Oper.
Gegen 1678 war Admiral Karpfanger auf der Höhe seines Ruhmes. Mit der Kersten-Miles-Brücke setzt Hamburg ihm ein Denkmal.

Lauenburg:
1670 wird hier Ernst Christoph Hochmann von Hochenau geboren. Studierte, wandte sich dem Pietismus zu. Mit der Ausweisung aus Halle an der Saale begann das für nahezu alle Separatisten des frühen 18. Jahrhunderts typische unstete Wanderleben, teils getrieben vom eigenen Auftragsbewusstsein, teils unter dem Zwang ständig neuer Ausweisungen bis hin zu Haftstrafen.
Seine Predigttätigkeit als Volks- und Erweckungsprediger führte ihn u. a. an den Niederrhein und ins bergische Land, in die Pfalz, nach Leipzig, Nürnberg und Franken. Inhaftiert wurde er, von geistlichen wie weltlichen Obrigkeiten, fast dreißig Mal, so 1702 in Detmold, von 1707 bis etwa Oktober 1708 in Nürnberg, 1711 in Halle und in Leipzig. Er starb Anfang Januar 1721 in Schwarzenau.

Europäische Geschichte
Gottfried Leibniz stellt 1673 seine nach dem Staffelwalzenprinzip funktionierende Rechenmaschine der Royal Society in London vor.

Dänemark, Schweden, Preußen und die Norddeutschen trugen Konflikte aus.  
In der Schlacht bei Fehrbellin etwa 60 km nordwestlich von Berlin im Schwedisch-Brandenburgischen Krieg besiegte der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg am 18. Juni jul./ 28. Juni 1675 greg. die Schweden, verfolgte sie noch bis Riga und eroberte nach diesem Sieg bis 1678 das von den Schweden beherrschte Schwedisch-Pommern. Mit diesem Sieg über die führende Militärnation Europas beginnt die preußische Militärtradition.

 

 

 

 

1679

 

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