1835

1858 bis 1863 Bismarck und die Düppeler Schanzen

Geschichte in Hamburg, Stormarn und der Traveregion
Reinfeld bekommt die Eisenbahn. Am 1. August 1865 wurde der Bahnbetrieb von der Lübeck-Büchener Eisenbahn aufgenommen, nachdem seit 1863 eine Bahntrasse von Hamburg über Bad Oldesloe nach Lübeck errichtet wurde. Das damals errichtete Bahnhofsgebäude besteht heute noch.

 

 

 

 

Auch Rohlfshagen bekommt einen Bahnhof. Die an der Süder-Beste gelegene Rohlfshagener Kupfermühle beherbergt seit 1863 ein regional bekanntes Ausflugslokal, das seinen wirtschaftlichen Aufschwung diesem Bahnhof verdankt. 
1858 wurde auch Theodor Mommsen, der in Bad Oldesloe aufwuchs auf eine Forschungsprofessur an die Preußische Akademie der Wissenschaften in Berlin berufen und erhielt 1861 einen Lehrstuhl für römische Altertumskunde an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität, wo er bis 1885 Vorlesungen hielt. Später erhielt er den Nobelpreis für Literatur.
Am 14. Februar 1860 wird Carl Harz in Hamburg-Altona geboren. Er setzt sich stark für den sozialen Wohnungsbau ein und verbessert unter anderem in Reinfeld die Wohnungssituation. Nach einem Veröffentlichungsverbot und einem Protestbrief an Adolf Hitler wird er verfolgt, inhaftiert und stirbt mit 83 Jahren in Lübeck-Lauerhof in der Schutzhaft.
Aber erst 1860 konnte sich Johannes Dalmann in Hamburg mit seinem Vorschlag für ein tideoffenes Hafenbecken durchsetzen. Damit begann erst so richtig der Aufschwung des Hamburger Hafens. Vor allem Dank erfolgreicher Verhandlungen des späteren Senators Alfred Rücker in London konnte 1861 der für Hamburg ungünstige Stader Elbzoll abgelöst werden.
Cornelia Schorer wird am 12. Juli 1863 in Lübeck geboren, sie ist später eine der ersten Frauen, die als Ärztin promovierte. 


Deutsche Geschichte
In Berlin wird am 27.Januar 1959 Friedrich Wilhelm Viktor Albert von Preußen geboren. Er geht später als Kaiser Wilhelm II. in die Geschichte ein. 
Die Deutsche Fortschrittspartei (DFP, „Fortschritt“) wurde am 6. Juni 1861 von liberalen Abgeordneten im preußischen Abgeordnetenhaus als erste deutsche Programmpartei gegründet, sie gilt als Vorläuferpartei der heutigen FDP oder F.D.P. ("Freie Demokratische Partei").
Die Sozialdemokratische Partei (SPD) selbst beruft sich auf die Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) durch Ferdinand Lassalle, die am 23. Mai 1863 im Leipziger Pantheon stattfand.

Europäische Geschichte
Nach dem Verfassungskonflikt 1862 beruft der preußische König Wilhelm I. auf den Vorschlag des Kriegsministers Albrecht von Roon Otto von Bismarck zum Ministerpräsidenten, die Alternative der Abdankung wurde dadurch verhindert. Die Armee wurde verstärkt und prägte im weiteren Verlauf auch die zivilen Lebensformen. Der preußisch-deutsche Militarismus entstand. Bismarck begann sofort mit seinen Plänen die Monarchie zur Stärkung Preußens zu festigen.
Unter dem Druck des deutschen Bundes hob Dänemark zwar 1858 die Gesamtstaatsverfassung für die Herzogtümer Holstein und Lauenburg auf, beschloss aber 1863 ein für Dänemark und Schleswig gemeinsames Grundgesetz, was einer Einverleibung Schleswigs gleichkam. Als der letzte Oldenburger auf Dänemarks Thron, Friedrich VII. , am 15. November 1863 auf Schloss Glücksburg verstarb und die Großmächte Christian IX. ( * 8. April 1818 auf Schloss Gottorf ) als Nachfolger anerkannten, meldete sich der im Londoner Protokoll übergangene Augustenburger Friedrich VIII. von Schleswig-Holstein, der auf einer Landesversammlung in Elmshorn zum Herzog von Schleswig-Holstein ausgerufen wurde. Überall in Deutschland wurden "Schleswig-Holstein-Vereine" gegründet. Bismarck hatte jedoch andere Pläne: Er initiierte zum Fürstentag in Frankfurt, der unter dem Vorsitz von Kaiser Franz Joseph stattfand, das Fernbleiben Wilhelms I. Weitere Manipulationen führten zur österreichischen Teilnahme an etwaigen Konflikten mit Dänemark. Er forderte ultimativ für Preußen und nun auch Österreich von den Dänen innerhalb von 48 Stunden die Aufhebung des neuen Grundgesetzes und die Lösung Schleswigs von Dänemark. Dänemark lehnte erwartungsgemäß ab und eine Bundesexekution wurde verhängt. Am 1. Februar 1864 besetzten die neuen Verbündeten Schleswig. Die Preußen verfügten über rund 37.000 Mann, die Österreicher über 23.000. Mit Mühe brachten die Dänen 60.000 Mann zusammen. Es gelang ihnen, den Vormarsch bei Flensburg ins Stocken zu bringen. Anfang März rückten die verbündeten Truppen weiter nach Jütland vor.

Düppeler Schanzen
Mühle bei den Düppeler Schanzen (dänisch: Dybbøl Banker)

Die Preußen begannen nun mit der Belagerung der zehn Düppeler Schanzen (dänisch: Dybbøl Banker) , die sich über das südöstliche Ende des Sundewitts vom Alsensunde bis zur Flensburger Förde als eine zusammenhängende Linie  von ca. drei Kilometern Länge hinzogen. Schon die Eroberung des Vorterrains bei der weithin sichtbaren Mühle, dem mit 68 m höchsten Punkt der Halbinsel, war schwieriger als erwartet. Am 30. März begann die eigentliche Belagerung. Von Roon und Bismarck brauchten jetzt dringend Erfolgsnachrichten, so setzten sie für den 18. April die Erstürmung der Schanzen durch. 
Es wurde ein blutiger Tag. Den neuen Geschützen der Firma Krupp waren die alten Befestigungsanlagen nicht gewachsen. Theodor Fontane, seinerzeit Kriegsberichterstatter verzeichnete bei den Dänen 5000 Verluste an Männern, darunter 110 Offiziere, Preußen-Österreich 2000 Männer, darunter 70 Offiziere.
Eine größere Bedeutung bekam der Sturm auf die Schanze II. Um vier Uhr begann das Feuer aus den 102 preußischen Geschützen.  
Um Punkt 10 Uhr verstummte das Artilleriefeuer, und die sechs Sturmkolonnen drängten vorwärts, erst schweigend, dann mit lautem „Hurra“, begleitet von den Klängen des Yorckschen Marsches. Die Musikkorps der Regimenter Nr. 8, 18, 35 und 60, insgesamt 300 Musiker, waren unter Leitung des Musikdirektors Gottfried Piefke in der zweiten Parallele aufgestellt worden und spielten Marschmusik zur Schlacht. Dieser Musikeinsatz zur Unterstützung der Truppen und Steigerung der Moral war damals noch eine gebräuchliche Maßnahme, wurde aber dann im Deutschen Krieg 1866 letztmals in großen Schlachten eingesetzt.
Gottfried Piefke komponierte unter anderem auch die berühmten Märsche Preußens Gloria und den Königgrätzer Marsch.
Zum ersten Mal in der Geschichte kam während eines Krieges das "Rote Kreuz" zum Einsatz, das sich um die Verletzten kümmerte.
Um 10.06 Uhr waren bereits die Schanzen VI, III, V und I gestürmt. Der Kampf um Schanze II war einer der erbittertsten des Tages. 
Hauptmann von Spies und seinen Soldaten gelang es, an der rechten Seite der Schanze II einzudringen und durch sie hindurch in Richtung auf die zweite Linie zu rennen. Hierzu gehörte auch die 4. Kompanie des Pionierbataillons 3 unter Hauptmann Daun und Carl Klinke (* 15. Juni 1840 bei Bohsdorf, Niederlausitz), der im Zug des Seconde-Lieutenants Diener eingesetzt war. Unter dem Schutz des eigenen Feuers stieg der Zugführer Diener mit einigen Pionieren in den Graben, ließ einen Pulversack an die intakte Palisadenwand legen und eine Öffnung sprengen. Bei dieser Aktion wurde offiziellen Quellen nach Carl Klinke stark verbrannt und von einem Schuss getroffen. Pioniere verbreiterten die Öffnung, und die Sturmtruppen drängten hindurch, so dass 10 Minuten nach Beginn des Sturms auch die Schanze II genommen war. Die Verluste der Pioniere waren hier 5 Tote, 3 Schwerverwundete (von denen einer am nächsten Tag starb) und 2 Leichtverwundete.
Nach anderen Berichten, verklärt auch noch im später erschienenen Gedicht von Theodor Fontane „ Der Tag von Düppel“, geschrieben am 5. Mai 1864, publiziert 1866, ging Klinke dann als erster Selbstmordattentäter in die Geschichte ein. In mehreren Geschichtsbüchern ist zu lesen, dass Klinke persönlich gegen den Palisaden gerannt sein soll, umgehängt mit 30 kg Dynamit. Er soll dabei gerufen haben: „Ick bin Klinke. Ick öffne dit Tor.“

Dieser Mythos hatte lange Bestand. Während der Zeit des Nationalsozialismus nahm in Ahrweiler die Gestapo einen Geschichtslehrer etwa in Schutzhaft, weil er das Verhalten von Carl Klinke als Selbstmord und damit nach katholischer Lehre als moralisch verwerflich abgelehnt hatte.
Österreich und Preußen übernahmen jedenfalls zunächst die Verwaltung der Herzogtümer, aber ein erneuter Streit eskalierte im Krieg von 1866, erst die Schlacht von Königgrätz entschied die Frage zugunsten Preußens. 
Der Lübecker Emanuel Geibel dichtete damals: 

"Nun bleibt es dabei.
Der Feind ist geschlagen
Und Schleswig ist frei."