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Der geheimnisvolle Genter Altar

Ein legendäres Stück der Kirchenkunst ist der Genter Altar. Nur, wer hat ihn eigentlich gebaut?
Fest steht, er wurde von Jan van Eyck und wahrscheinlich dessen Bruder Hubert van Eyck geschaffen und 1432 oder 1435 von Jan van Eyck in der Kathedrale – der damaligen Pfarrkirche Sint-Jans – aufgestellt.

Diese befindet sich in der belgischen Stadt Gent (Provinz Ostflandern). Im Mittelalter wuchs Gent durch den blühenden Tuchhandel zu einer der größten und bedeutendsten Städte Europas heran und war damit einer der wichtigsten Handelspartner der Hanse. Auch das Flachs- und Leinengewerbe und das von der Stadt erworbene Stapelrecht auf Getreide trugen ansehnlich zur Wohlfahrt der Stadt bei. Lange galt es als sicher, das Hubert van Eyck am Altar mitgewirkt hat. Schließlich entsprach es einer lokalen Genter Tradition den Namen der Baumeister auf der Altaraußenseite zu zeigen und dort war Hubert verzeichnet. Forscher haben dies Indiz jedoch wieder verworfen, die Inschrift kann auch nachträglich angebracht worden sein.
Auftraggeber der Bilder waren jedenfalls der Genter Kaufmann Joos (auch Jodocus, Joost) Vijd und seine Frau Elisabeth Borluut.

Genter Altar
Von DocNöck - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0,https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40182798

Hauptthema des Retabels ist die Anbetung des Lammes aus der Offenbarung des Johannes mit Engeln und Heiligen. Im geöffneten Zustand oben begrenzt durch die Bildnisse von Adam und Eva. Oft wird der Altar deshalb auch Lamm Gottes genannt.
Die Frage nach dem Autor oder den Autoren des Genter Altars gehört zu den bisher ungelösten Fragen der Kunstwissenschaft. Albrecht Dürer, der den Altar am 10. April 1521 besuchte, spricht nur von Jan van Eyck: "von des Johannes taffel; das ist ein über köstlich, hoch verständig gemähl, und sonderlich die Eva, Maria und Gott der vatter sind fast [=sehr] gut."
Als Kunstgegenstand war der Altar auch in Einzelbildern sehr begehrt. Während des niederländischen Bildersturms versteckte man ihn im Kirchturm und brachte ihn erst nach der Rekatholisierung Flanderns 1569 wieder an seinen Platz in der Vijd-Kapelle zurück. 
1578 demontierten die Calvinisten den Altar erneut und stellten ihn im Rathaus auf. Er kehrte zwanzig Jahre später wieder nach St. Bavo zurück.
Während der Revolutionskriege eroberten französische Truppen Flandern. Jetzt zeigte Napoleon ein Interesse am Altar und ließ ihn nach Paris bringen und dort im Musée Napoléon, dem heutigen Louvre, ausstellen, während man die Flügel rechtzeitig verstecken konnte. Nach der Schlacht bei Waterloo wurden die Haupttafeln der Stadt Gent zurückgegeben.
Die Seitentafeln wurden aber, und das fand man damals legal, an einen Händler verkauft und von diesem an den englischen Kaufmann Edward Solly weiterveräußert. Solly verkaufte die Seitentafeln 1821 für 400.000 Gulden an den preußischen König Friedrich Wilhelm III. Währenddessen waren die vier Mitteltafeln in St. Bavo verblieben. 
Die für Berlin bestimmten Tafeln wurden 1829 in eine Vorder- und eine Rückseite zerteilt, damit man beide Seiten besser betrachten konnte. Diese Tafeln wurden zunächst im 1830 eröffneten Alten Museum von Karl Friedrich Schinkel aufgestellt. Sie bildeten das zentrale Werk der Berliner Galerie direkt neben den Hauptwerken der italienischen Renaissance-Sammlung. 1904 kamen sie wieder, in einem eigenen Kabinett hervorgehoben, im neuen Kaiser-Friedrich-Museum zur Präsentation. 1907 sollten sie im Nordflügel des heutigen Pergamonmuseums eine zentrale Stellung erhalten. Dort sollte dann alles als Deutsches Museum umgebaut werden. Dann kam der Erste Weltkrieg.
Deutschland wurde im Vertrag von Versailles verpflichtet, die Tafeln gemeinsam mit den in der Münchener Alten Pinakothek aufbewahrten Tafeln des Löwener Altars von Dierick Bouts d. Ä. an Belgien auszuliefern, obgleich sie 1821 rechtlich legal erworben worden waren und die Haager Kriegskonvention von 1904 die Kompensation von Kriegsschäden mit Kulturgütern verbietet. Zum Teil recht heftig wurde bis in die 30er-Jahre gegen die Auslieferung der Tafeln in Deutschland protestiert. Noch 1936 richteten die Berliner Museen im Deutschen Museum im Pergamonmuseum ein Gedenkkabinett ein.
Jetzt wurden die zersägten Tafeln in Belgien wieder zusammengefügt und in der Genter St.-Bavo-Kirche wieder als Hochaltar aufgestellt. Die Adam und Eva-Flügel kamen aus dem Brüsseler Museum zurück und wurden auch wieder montiert. 
1934 wurden die Tafeln mit den Gerechten Richtern und Johannes dem Täufer gestohlen. Letztere wurde zurückgegeben. Für die ungleich wertvolleren Gerechten Richter wurde jedoch, wahrscheinlich von Arseen Goedertier, ein Lösegeld von einer Million belgische Francs gefordert. Da die Summe nicht gezahlt wurde, erfolgte keine Rückgabe. Dieses Bild ist nach wie vor verschollen. An seiner Stelle wird eine Kopie vom Restaurator Jozef van der Veken gezeigt.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Altar in das  Schloss Pau, dem Geburtsort Heinrichs IV, gebracht, wo er von den Nationalsozialisten entdeckt wurde. Das Schloss liegt am Fuße der Pyrenäen im ehrwürdigen Béarn.

Ernst Buchner (* 20. März 1892 in München; † 3. Juni 1962 ebenda) war ein deutscher Kunsthistoriker und Museumsdirektor. 1941 nahm ihn die Bayerische Akademie der Wissenschaften als ordentliches Mitglied auf. Im Mai 1933 trat er der NSDAP bei. 1935 zeigte er in Sonderausstellungen „Anfänge der Münchner Tafelmalerei“, 1938 „Albrecht Altdorfer und sein Kreis“. Im Juni 1942 reiste er im Auftrag der Berliner Reichskanzlei in das damals noch unbesetzte Frankreich. Unter seiner Anleitung wurde der Altar zunächst nach Neuschwanstein geschafft. 1944 wurde er dann im Salzbergwerk bei Altaussee, im heutigen Salzkammergut, Österreich in aller Eile eingelagert. Ab Januar 1944 wurden hier etwa 4.700 Kunstwerke eingelagert, die unter dem Decknamen Sonderauftrag Linz von Adolf Hitler angesammelt wurden und für das geplante Führermuseum in Linz bestimmt waren. Ein großer Teil dieses Bestandes gilt als NS-Raubkunst. Gegen Kriegsende umfasste das gesamte Depot in elf stillgelegten Werken etwa 6.500 Gemälde sowie zahlreiche wertvolle Statuen, Möbel, Waffen, Münzen und Bibliotheken. Der Wert dieser Kulturgüter wurde nach dem Krieg auf ungefähr 3,5 Milliarden US-Dollar geschätzt. Im April 1945 kam es zu einer Folge dramatischer Abläufe, als der damalige Gauleiter von Oberdonau, August Eigruber, eigenmächtig den Entschluss fasste, die Kulturgüter zu vernichten. Zu diesem Zweck hatte er acht 500-kg-Fliegerbomben in die Strecken des Salzbergwerkes transportieren lassen. Nach der Besetzung Altaussees am 8. Mai 1945 durch eine amerikanische Infanterieeinheit wurde in den darauffolgenden Tagen mit der Öffnung der Stolleneingänge begonnen und die Sicherstellung der Kunstschätze eingeleitet. In der amerikanischen Armee gab es einen Stab von Beauftragten für den Schutz von Baudenkmälern, Kunst und Archiven (Monuments, Fine Arts, and Archives Section), der in München einen Central Collecting Point für geborgene Kulturgüter eingerichtet hatte. In diesen CCP gelangte auch der Großteil der Altausseer Kunstgüter. Diese wurden, soweit möglich, nachfolgend an ihre Herkunftsländer zurückgegeben.

Bei der Entnazifizierung wurde Ernst Buchner als Mitläufer eingestuft. Am 1. April 1953 wurde er wieder als Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in sein Amt eingesetzt. Am 8. Dezember 1953 hielt er die Festrede der öffentlichen Sitzung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften über die vor zehn Jahren zertrümmerte „Alte Pinakothek München“. Am 7. Juni 1957 eröffnete er in Gegenwart des Bundespräsidenten Theodor Heuss die wieder aufgebaute Gemäldesammlung und starb am 3. Juni 1962 in München.

Seine Weltpremiere feierte am 4. Februar 2014 in New York City der Film Monuments Men  – Ungewöhnliche Helden.
Am 8. Februar lief der Film außerhalb des Wettbewerbs der Berlinale zum ersten Mal in Europa. 
Namhafte Schauspieler wie George Clooney, Matt Damon, Bill Murray oder auch der Lübecker Justus von Dohnányi (als deutscher Gegenspieler) zeigten die Leistung dieser Einheit der amerikanischen Armee. Dies geschah an vielen norddeutschen Drehorten. Die 40 Locations befanden sich neben dem Studiogelände in den deutschen Bundesländern Berlin (unter anderem Neue Wache, Palais am Festungsgraben, Zeughaus), Brandenburg (Potsdam, Umgebung und Museumspark Rüdersdorf), Niedersachsen (Hellertalbrücke Altenau, Ottiliae-Schacht Clausthal-Zellerfeld, Lautenthal, Bad Grund (Harz), Rammelsberg und Steinbergalm Goslar) und Sachsen-Anhalt (Halberstadt, Merseburg, Osterwieck).
Winterliche Waldaufnahmen eines US-Camps entstanden beispielsweise in den Waldgebieten an der Moorlake in Wannsee, das alte Kasernengelände Krampnitz in Potsdam fungierte als Kriegsschauplatz und der Halberstädter Dom diente als Originalmotiv; das im Film vorkommende Schloss Neuschwanstein wurde jedoch im Potsdamer Studio Babelsberg nachgebaut.
Der Genter Altar hat wieder seinen Platz in Belgien und einige der sichergestellten Kunstwerke haben ihren Platz in der Hamburger Kunsthalle und dem Lübecker St. Annen-Museum erhalten.