A-Z

Das Kloster Reinfeld (purus campus

Kloster Reinfeld (purus campus) war ein Zisterzienserkloster in Reinfeld in Holstein.
Es waren Zisterzienser aus dem Kloster Loccum. 
Zisterzienser oder auch Cistercienser nennen sich die Mönche und Nonnen, die in der Tradition der Gründer des Klosters Cîteaux ein Leben des Gebets, der Lesung und der Arbeit führen wollen. Der Zisterzienserorden entstand durch Reformen aus der Tradition des Ordens der Benediktiner. Die verschiedenen Zweige der Zisterzienser, die sich dem geistlichen Erbe des Mutterklosters Cîteaux verpflichtet wissen, bilden die Familia Cisterciensis. Dazu zählt neben dem Zisterzienserorden (lat. Ordo Cisterciensis), einem monastischen Orden in der römisch-katholischen Kirche, auch der Zisterzienserorden der strengeren Observanz (Trappisten) und die männlichen und weiblichen Gemeinschaften der Zisterzienseroblaten, die einem der genannten Orden unterstellt sind.




Das Kloster wurde im Jahr 1186 auf Veranlassung von Graf Adolf III. von Holstein von Zisterziensermönchen aus dem Kloster Loccum als Kloster Reynevelde gegründet. 
Eigentlich begann alles , nachdem sein Vater Graf Adolf II. persönlich in Frankfurt am Hoftag im März 1147 teilnahm und den St. Bernhard (Bernardi Clarevallensis) persönlich kennen lernen wollte.
Die Klosterlandschaft an den nördlichen Grenzen des Reiches in den heutigen Regionen Nordschleswig, Schleswig-Holstein und in Hamburg war im Früh- und Hochmittelalter nicht sehr dicht. Erst gegen Ende des 12. Jahrhunderts und dann im Verlauf des 13. Jahrhunderts beginnen überhaupt Konvente in nennenswerter Zahl zu entstehen. Es sind vor allem die Reformorden der Zisterzienser/innen, Dominikaner und Franziskaner, die sich hier im Norden ansiedelten.
An den Vermutungen Heinrich der Löwe selbst habe das Kloster Reinfeld stiften wollen ist aber nichts dran, stellt schließlich zuletzt Martin J. Schröter, der auch aktuell die Geschichte des Klosters erforschte, in seiner Buchreihe zum Kloster fest. (Erschienen beim Wachholtz-Verlag ISBN 978 3 529 02217 3).
Dem Zisterzienser-Brauch nach, zunächst den Ort auszuwählen indem die Äbte umliegender Klöster sich vor Ort zur sog. Inspectio trafen sind für Reinfeld nicht zweifelsfrei überliefert, Urkunden zum Gründungsakt existieren zwar, aber sind fragwürdiger Natur. So vermutet man heute, das mindestens der Loccumer Abt Bertold, der später auch den ersten Konvent nach Reinfeld entsendet haben soll, der Segeberger Chorherr Meinhard, der Propst Sido, der junge Loccumer Mönch Diedrich (lateinisch Theodoricus, später "von Treiden" genannt) und der spätere erste Abt, ein gewisser Hartmann (in der Loccumer Totenliste bezeichnet als Dominus Hartmannus, abbas in Reynevelde) Teilnehmer daran waren.
Höchstwahrscheinlich im Sommer 1186 erschien jedenfalls eine Gruppe von Mönchen und Konversen um den Ort für Mönche bewohnbar zu machen und vor allem die Kirche zu errichten. 
Wo dies genau geschah, lässt sich auch nicht mehr zweifelsfrei feststellen. Martin Clasen hat einmal in der Zeit um 1934 alte Flurkarten gesichtet und zumindest das Gebiet am heutigen Klosterberg genauer lokalisiert. Es heißt, dass sich die Klostergemeinschaft zunächst südlich der späteren Anlage auf einem breiten Hügel niedergelassen hat. Dieses Gebiet war in den 1930er-Jahren dann aber mit einer Kleingartensiedlung und der Rest in den 1950er Jahren mit einer Flüchtlings- und Vertriebenensiedlung überbaut. 
1967 hat man dann lediglich bei Kanalisierungsarbeiten an der Ecke Alter Garten/Heimstättenstraße Granitfundamente entdeckt und sie dem Wirtschaftshaus des Klosters zugeordnet.
Sie wurden wieder aufgestellt und ein Modell der möglichen Anlage erinnern heute an den Standort. 

 

 

 

 

Kloster Reinfeld





Am 10. Mai 1189 unterzeichnet Kaiser Friedrich I. Barbarossa in Regensburg eine Gründungsurkunde. Im November 1190 zog der erste Abt Hartmannus mit 12 Mönchen in das provisorische Kloster ein, die endgültige Kirche wurde vermutlich erst 1236 geweiht. Zu diesem Gründungskonvent gab es mindestens die hölzerne Kirche (oratorium), daneben das refectorium, das dormitorium und ein portarii.
Das Kloster entwickelte sich Dank der Weitsicht seiner Äbte rasch zu einem der reichsten und angesehensten Klöster in Norddeutschland mit umfangreichem Landbesitz bis hin in das Baltikum und wertvollen Beteiligungen an der Saline Lüneburg. Man zählte bis zu 9 ½ Pfannenherrschaften etwa.
Zu den weltlichen Geschäften gehörte auch eine in Norddeutschland einflussreiche Gerichtsbarkeit. Da ging es zum Beispiel auch um das freie Strandrecht der Wurstener an der Elbe gegen die Freiheit der Handelswege der Hamburger.
Um 1440 gab es 60 Fratres (52 Priester und 8 Laienbrüder) im Kloster. Die Mönche legten zahlreiche Teiche an, welche sie zur Karpfenzucht nutzten. Die damals bis zu 60 Karpfenteiche reichten jedoch nicht aus, den Fischbedarf des Klosters zu decken, so dass zur Versorgung der Mönche zusätzlich noch größere Mengen Seefisch aus Lübeck hinzugekauft werden mussten. 
Das reiche Kloster verfügte ab 1266 über ein Stadthaus/Wirtschaftshof im benachbarten Lübeck, die An der Obertrave zwischen Marles- und Dankwartsgrube belegene Residenz Im Reinfeld. 

Im Reinfeld
Im Reinfeld Kreisarchiv Stormarn

 

 

 

 

Auch politisch hatte es einigen Einfluss, da der Abt von den Lübecker Bischöfen und den Holsteiner Herzögen mit der Beurkundung von Verträgen beauftragt wurde.

Um 1440 verfasste Abt Friedrich den Abtsspiegel (Speculum Abbatis).

speculum abbatis
speculum abbatis

Ein Abtspiegel ist eine Art politisches Testament. Es soll künftige Äbte im Umgang mit den Mönchen, den Mönchen und ihrer Mitwelt und den Mönchen untereinander ein Leitbild sein.
Die Abbildung aus der ersten Seite entstammt und wird aufbewahrt bei The Royal Library, Copenhagen, Denmark, NKS.1490b 4°, f.1r Courtesy of the Royal Library.  
Während der Grafenfehde wurde das Kloster 1534 durch den Lübecker Feldherrn Marx Meyer gebrandschatzt. Gegen die Reformation erlangte Abt Otto 1554 vom Kaiser einen Schutzbrief. 1582 wurde das Kloster jedoch unter dem Abt Johann Kule an Herzog Hans den Jüngeren übergeben und säkularisiert. Der Herzog ließ die Klostergebäude abreißen und an derselben Stelle in der Zeit von 1599 bis 1604 ein fürstliches Schloss errichten. Dabei dienten dem Herzog von Schleswig-Holstein-Sonderburg die Überreste des Klosterkomplexes als Baumaterial. Die ansehnliche Klosterkirche wurde 1635 bei einem Dammbruch des gestauten Herrenteichs komplett zerstört. An ihrer Stelle wurde 1636 eine wesentlich kleinere Kirche auf dem Eichberg überflutungssicher errichtet.

 

 

 

 



Cap-Anamur-Gedenkstein