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Mahnmal St. Nikolai und die Operation Gomorrha

Die Ruine der Hauptkirche St. Nikolai am Hamburger Hopfenmarkt ist als Mahnmal St. Nikolai „den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft zwischen 1933 und 1945“ gewidmet.

Von der 1195 gegründeten und in letzter Ausführung 1874 fertiggestellten neugotischen Kirche sind nach den Kriegszerstörungen von 1943 und dem weitgehenden Abriss im Jahre 1951 noch der 147 Meter hohe Turm, ein Teil der südlichen Außenmauer und die Wände des Chors erhalten. Seit September 2013 ist hier die Dauerausstellung „Gomorrha 1943 – Die Zerstörung Hamburgs im Luftkrieg“ zu sehen. Seit 2005 führt ein gläserner Fahrstuhl im Turm zu einer Aussichtsplattform auf 76 Metern Höhe.
Am 5. Mai 1842, dem ersten Tag des dreitägigen Großen Brands, fiel St. Nikolai als die erste der Hamburger Kirchen und Großgebäude dem Feuer zum Opfer. Der Hauptgottesdienst am Morgen hatte noch abgehalten werden können, der Mittagsgottesdienst wurde nach einer Fürbitte für den Erhalt der Kirche abgebrochen. Um etwa vier Uhr nachmittags ergriff das Feuer den Turm. Es gelang wegen der unzulänglichen Löschtechnik nicht, Wasser in ausreichender Menge hinauf zu befördern. Schließlich stürzte er ein und übertrug die Flammen auf das Kirchenschiff, das vollständig niederbrannte. Nur wenige Kunstwerke waren zuvor aus dem Gebäude gerettet worden.
Es mutet schon seltsam an. Der Turm von St. Nikolai, von einem Engländer, nämlich dem Londoner Architekten George Gilbert Scott 1863 erbaut, diente den Kriegsflugzeugen der RAF unfreiwillig als Zielmarke. Bombenangriffe wurden zweckmäßigerweise nur nachts geflogen. Der Turm leitete die bis dahin schlimmste Bombardierung einer deutschen Stadt ein. Diese war so schrecklich, dass sie den Namen „Operation Gomorrha“ erhielt.
In massiven Wellen von fünf Nachtangriffen vom 24. bis zum 29. Juli 1943 durch die Royal air Force und zwei Angriffen am Tage durch die United States Air Force warfen die alliierten Kampfflieger über dem Hafen, der Innenstadt und weiten Wohngebiete – vor allem den Arbeitergebieten östlich der Alster – insgesamt etwa 18.000 Tonnen Bombenmaterial ab. Es waren die bis dahin schwersten Angriffe in der Geschichte des Luftkrieges.
Die deutsche Radarabwehr wurde zunächst getäuscht, kleine Stanniolstreifen, erstmals „Window“-Täuschstreifen,  wurden zunächst abgeworfen, da war ein Orten der Feindflugzeuge nicht mehr möglich.
Dann war es aber nicht die Menge an Sprengkraft die zu den schweren Verwüstungen führte, sondern um eine Kombination aus Spreng- und Brandbomben. „Blockbuster“ Sprengbomben brachen die Gebäude auf und die anschließend abgeworfenen Phosporbomben entfachten einen Feuersturm, der zeitweilig eine Höhe von 6.000 Metern erreichte. Die Stadt glich einem riesigen Kamin, orkanartige Winde trieben die heisse Luft so nach oben trieben, dass am Boden ein Unterdruck entstand, der wiederum Sauerstoff ansaugte und so wie ein Brandbeschleuniger wirkte.
Der Luftangriff erfolgte gezielt so geplant mit deutlichem Abstand zum Sonnenuntergang, da eine abgesunkene Temperatur am Boden den Thermik-Effekt fördern würde. Durch die Intensität des Feuers konnten Flammen über 1000 °C heiß werden. Die Strahlungshitze verbog Stahlträger und brachte Straßenbeläge wie Asphalt bzw. Bitumen zum Schmelzen und setzte sie in Zusammenhang mit dem Phospor in Brand.
Fast wie durch ein Wunder blieb der hohe, schlanke Turm von St. Nikolai stehen, obwohl weite Teile des Kirchenschiffs schwer beschädigt wurden.
Die Bilanz für Hamburg fiel zutiefst erschreckend aus. Ca. 34.000 Menschen verbrannten oder erstickten innerhalb weniger Sekunden im Feuersturm.In den Schutzräumen hat allerdings nicht der entzogene Sauerstoff den Tod von Menschen verursacht, was physikalisch unmöglich wäre, sondern in die Keller eingedrungenes Kohlenoxid oder andere giftige Brandgase. Diese Menschen wurden dann völlig unverletzt, wie schlafend aufgefunden, aber mit allen Symptomen einer Gasvergiftung. Es gab rund 125.000 Verletzte. Es wurden circa 40.000 Wohnhäuser mit 263.000 Wohnungen zerstört, das war ungefähr die Hälfte allen Hamburger Wohnraumes.
Auf dem Friedhof Ohlsdorf befindet sich die Kriegsgräberstätte Bombenopfer Hamburg-Ohlsdorf. Sie umfasst die Bombenopfer-Einzelgrabanlage und ein großes kreuzförmig angelegtes Massengrab mit breiten Armen von über hundert Meter Länge zwischen Eichen- und Kirschenallee. Im Mittelpunkt dieser kreuzförmigen Fläche wird an die hier beigesetzten 36.918 Bombenopfern mit dem Mahnmal von Gerhard Marcks gedacht. Dargestellt ist der Totenfährmann Charon, der ein Brautpaar, einen Mann, eine Mutter mit Kind und einen Greis über den Acheron setzt. Das Denkmal wurde am 16. August 1952 unter starker Beteiligung der Bevölkerung eingeweiht und ist bis heute der Ort für die offiziellen Kranzniederlegungen des Hamburger Senats.
Die Turmruine von St. Nikolai und das zerstörte Kirchenschiff werden als zentrale Gedenkstätte erhalten. Neue Hauptkirche wurde dann St. Nikolai am Klosterstern.

 

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